HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Eigenproduktion: "5 gegen Jauch" mit Oliver Pocher und Günther Jauch.

Eigenproduktion: "5 gegen Jauch" mit Oliver Pocher und Günther Jauch (siehe Foto)
kommt aus Jauchs Firma i & u. - Foto © picture-alliance/ dpa

Im TV: ''Verstehen Sie Spaß?"

Hinter den Kulissen der TV-Shows

Neue HÖRZU-Serie: "So entsteht Fernsehen wirklich". Teil 1: Wie schwer leichte Unterhaltung ist. Hat "Wetten, dass ..?" noch eine Zukunft? Wie landet man einen Showerfolg? HÖRZU erklärt, wie die Unterhaltungsbranche funktioniert – und welcher Hit bald startet.

Die Show muss weitergehen – The show must go on! Dieser Slogan klingt in deutschen Sendern derzeit weniger wie ein Schlachtruf – und eher wie ein Verzweiflungsschrei. Seit "Wetten, dass ..?" schwächelt und Castingformate durch Inflationierung mehr Gähnen als Glamour verbreiten, suchen die TV-Macher händeringend nach neuen Hoffnungsträgern. Doch wie macht man einen Erfolg?

Unterhaltungsshow Verstehen Sie Spaß?

Frank Elstner, ehemaliger Moderator der Sendung "Verstehen Sie Spaß?", und Moderatorin Paola Felix (20.2.2004 in Offenburg). - Foto © picture-alliance / dpa

In der neuen Reihe "So entsteht Fernsehen wirklich" blickt HÖRZU hinter die Kulissen der Produktionsfirmen. Ach, was waren das noch für goldene Zeiten, früher, als bei uns in den späten 50ern die Ära der großen Familienshows anbrach: Ab 1957 tischte Heinz Schenk in seiner Äppelwoi- Schenke "Zum Blauen Bock" Samstag für Samstag Schlagerkost auf – stolze 208 Ausgaben lang!

Anfang der 70er eroberten Dietmar Schönherr und Vivi Bach den Bildschirm mit "Wünsch Dir was". Ihnen folgten die großen Showmaster, vom Publikum hochverehrt und heiß geliebt: Rudi Carrell verzauberte "Am laufenden Band" als charmanter Conférencier, und Joachim Fuchsberger rief jahrelang: "Auf Los geht’s los!".

1981 gelang Frank Elstner schließlich der große Coup, als er "Wetten, dass ..?" erfand. Mit seinem für die damalige Zeit bahnbrechenden Mix aus Wetten, Stars und Sofageplauder schien sie endlich gefunden: die Geheimwaffe der Unterhaltungsbranche, langlebiger und erfolgreicher als alle Shows vor ihr. Am 9. Februar 1985 schalteten 23,42 Millionen Zuschauer – ein Rekord, der bis heute unerreicht ist. Inzwischen geht’s jedoch selbst für die Show der Shows bergab.

Gesucht: die neue Geheimwaffe!

Fieberhaft wird in Sendern und Produktionsfirmen nach innovativen Ideen geforscht. Einige schaffen es sogar auf den Bildschirm, viele jedoch bleiben ein einmaliger Schnellschuss und werden nach der ersten Ausgabe sofort wieder eingestellt. Dass eine 2013 gestartete Neuheit jemals 208 Ausgaben erreichen könnte wie einst "Zum Blauen Bock" – völlig undenkbar. Auch die Moderatoren sind austauschbar geworden. Vorbei die Zeiten, als jeder Kanal sein Gesicht hatte, jeder Entertainer für ein großes Format stand.

Mipcom Cannes?

Internationale TV-Messen: Die Mipcom in Cannes ist Ideenbörse und Handelsplatz für TV-Neuheiten - Foto © picture-alliance / dpa

TV-Treue – das war gestern. Die Stars wechseln die Sender heute immer häufiger. Deutschlands beliebtester Moderator Günther Jauch ist beispielsweise sowohl bei der ARD als auch bei RTL unter Vertrag – also gleich bei zwei großen Sendern.

Jörg Pilawa wechselte von Sat.1 zur ARD, dann zum ZDF und wird demnächst wieder beim Ersten sein. Für die Fans verwirrend. Kein Wunder, dass Entertainer Harald Schmidt, Deutschlands TV-Zyniker vom Dienst, lästert, seine Kollegen seien alle zu beliebig.

Die Zuschauer sind verwirrt

Ob Kai Pflaume, Jörg Pilawa oder Matthias Opdenhövel eine Show moderierten, so Schmidt, sei völlig egal: "Da holt man einfach einen aus dem Schrank, der das passend aufsagt – und fertig ist das Format." Mit dieser Kritik legt Schmidt den Finger in eine Wunde, die der Branche derzeit mehr Schmerzen bereitet als je zuvor. Jüngst diagnostizierten selbst die deutschen TV-Produzenten auf dem "Großen Show-Gipfel" in Köln eine Krise des Formats – und zwar aus zwei Gründen: Erstens fehlen kreative Ideen, die Millionen von Menschen begeistern. Zweitens verlieren die Zuschauer in der Flut von Unterhaltungs-, Quiz-, Spiel-, Ranking- und Wissensshows mit fast gleichlautenden Titeln den Überblick.

Das "Fernsehvolk", das sich früher zu den großen Showevents versammelte wie vor dem Lagerfeuer, zersplittert in immer kleinere Gruppen. Der Fachbegriff dafür lautet "Diversifikation". Ein Beispiel gefällig? Im Segment der Castingshows ist "The Voice of Germany" bei jungen Zuschauern derzeit am beliebtesten – sie können allerdings auch wählen unter ähnlichen Formaten wie "Deutschland sucht den Superstar", "X Factor" und "Popstars".

Ältere Zuschauer, die mehr an Wissensshows interessiert sind, werden verwirrt durch fast identische Titel wie "Deutschlands Superhirn" und "Der klügste Deutsche". Und wer kann bei den Spielshows schon unterscheiden zwischen "Rette die Million!" und "Cash Crash"? Was nach großer Fülle klingt, bedeutet eher große Verluste. Für die TV-Macher ist die Rechnung ganz einfach: immer mehr ähnliche Formate = immer weniger Quote für jedes einzelne davon.

ARD-Programmdirektor Volker Herres hat deshalb folgende Parole ausgegeben: "Wir müssen eine Gesellschaft, die immer mehr zerfällt, vor dem Fernseher zusammenführen." Aber kann das überhaupt gelingen, wenn gleichzeitig immer mehr Menschen ins Internet abwandern? HÖRZU fragte bei den Fernsehproduzenten und den Unterhaltungschefs der Sender nach, auf welche Shows sie im nächsten Jahr ihre Hoffnungen setzen, wie sie für neue Ideen die Marktforschung einsetzen und welche Wege es gibt, ein neues Format zu finden und zu etablieren.

Erfolgsrezepte der TV-Macher

Die TV-Macher verrieten HÖRZU drei Erfolgsrezepte:

1. Wettbewerb der Ideen
Jüngst gab das ZDF mit dem Contest "Show Up!" jungen Profis aus der Medienszene die Chance, ihre Ideen für eine große Entertainmentsendung vorzustellen. 50 Konzepte für eine 90-minütige Primetime-Show wurden zum Wettbewerb zugelassen. Acht Teilnehmer durften ihre Vorschläge schließlich in der Senderzentrale in Mainz präsentieren. Zum Sieger gekürt wurde ein junger Berliner namens Raphael Selter. Er entwickelte die Idee für eine Show namens "Mein Haus, mein Auto, mein Leben", ein Spielkonzept mit Prominenten. Wie alle Entwicklungen muss auch Selters’ Idee vor dem TV-Debüt eine Marktforschung durchlaufen.

ZDF-Unterhaltungsschef Oliver Fuchs verrät in HÖRZU, wie das funktioniert: "Wir versuchen, schon heute festzustellen, was die Zuschauer morgen schätzen werden. Eine TV-Marktforschung ermittelt also die Erfolgschancen eines Programms. Meist werden dafür produzierte Pilotfolgen einem exklusiven Personenkreis vorab gezeigt, anschließend finden ausführliche Gruppendiskussionen statt, die genau analysiert werden. Es gibt aber auch interaktive Systeme, bei denen die Befragten mithilfe einer besonderen Technik schon beim Schauen einer Pilotfolge bestimmte Stellen markieren können – nach dem Motto: Diese oder jene Stelle gefällt mir gar nicht!"

2. Kauf der Lizenz für eine Show, die im Ausland bereits Erfolg hat
Dafür werden internationale TV-Messen veranstaltet. Auf der bekanntesten, der Mipcom in Cannes, werden jährlich neue Showkonzepte vorgestellt. 2013 war die Auswahl klein, nur die Rechte an der israelischen Castingshow "Rising Star" stießen auf breites Interesse. Für Deutschland bekam am Ende RTL den Zuschlag.

2014 will der Kölner Sender die Castingshow ausstrahlen, bei der Sängerinnen und Sänger per Internetentscheid zuerst das Publikum überzeugen müssen – und anschließend erst die Jury. RTL-Programmchef Frank Hoffmann erklärt: "'Rising Star' hat alle Elemente der klassischen Musikcastingshow, bringt das bekannte Genre jedoch auf ein neues Level. Sowohl für die Kandidaten als auch für die Zuschauer wird es spannender und emotionaler durch die neue Interaktivität."

Mit dem Kauf der großen Show geht Hoffmann übrigens nur ein kleines Risiko ein. Übernimmt ein Sender ein internationales Format, sind nämlich nicht nur die Entwicklungsgeschichte, die Machart und die besten Sendeplätze bekannt – sondern auch die zu erwartenden Einschaltquoten. ZDF-Unterhaltungschef Fuchs nennt ein weiteres Beispiel für Lizenzshows: "Rette die Million!", ein britisches Format. Fuchs ergänzt: "Auch der umgekehrte Weg funktioniert: Deutsche Formate lassen sich auch gut ins Ausland verkaufen! Die ZDF-Show 'Deutschlands Superhirn' läuft als Adaption sehr erfolgreich unter anderem in Spanien. Und wir verhandeln mit einem US-Produzenten gerade über 'Wetten, dass ..?'."

3. Eigenproduktionen der TV-Stars
Einige Showmaster produzieren ihre Sendungen selbst und verkaufen sie anschließend an die TV-Sender. Immer mehr Entertainer gründen dafür eine eigene Produktionsfirma: Günther Jauchs Schmiede heißt "i & u TV", Stefan Raabs Unternehmen "Raab TV", Jörg Pilawa firmiert als "Herr P.". Das bringt den Stars etliche Vorteile: Als Firmenchefs können sie über Budgets, Investitionen, Arbeitszeiten und Mitarbeiter bestimmen – und vor allem sich selbst perfekt inszenieren.

Die Show "5 gegen Jauch" etwa moderiert zwar Oliver Pocher – Star, Zugpferd und Produzent ist aber Jauch selbst. Auch TV-Sender, die Eigenproduktionen der Stars einkaufen, haben große Vorteile: Hat die Sendung schlechte Einschaltquoten, kann sie schneller eingestellt werden. Der Kanal hat keine Verpflichtungen gegenüber den Partnerfirmen sowie deren Mitarbeitern.

Neue RTL-Show für Thomas Gottschalk

Günther Jauch, der jahrelang Erfahrung mit TV-Formaten gesammelt hat, weiß, wie hart das Business heute ist. "Es wird im TV generell nicht leichter, Shows für die ganze Familie zu machen. Schaut die sogenannte Zielgruppe zu, wendet sich der Rest oft mit Grausen ab – und umgekehrt", sagt er im HÖRZU-Interview. "Krampfhaften Verjüngungsexperimenten etwa bei 'Wer wird Millionär?' stehe ich eher skeptisch gegenüber, aber gute Ideen haben immer eine Chance."

Apropos gute Ideen: Für 2014 haben die großen Sender im Showsegment einiges in Planung. "Deutschland sucht den Superstar" bewegt sich auf Geheiß von Unterhaltungschef Tom Sänger Richtung Schlager: "Wir müssen mutiger werden!" Jüngst hat man Marianne Rosenberg als Mitglied der Jury verpflichtet. Zudem bekommt Thomas Gottschalk eine neue RTL-Show mit dem Titel "Gottschalks Klassentreffen".

Auf den Retrotrend, der bereits der ARD mit "Dalli Dalli" gute Einschaltquoten beschert hat, setzt nun auch Sat.1 und bastelt an einem Comeback von "Geh aufs Ganze!". Die ZDF-Chefs freuen sich, dass Starkoch Christian Rach RTL den Rücken kehrt und zum Zweiten kommt: "Ab Anfang 2014 erwarten die ZDF-Zuschauer neue Showformate mit dem Moderator.“ Bei RTL tritt Steffen Henssler Rachs Nachfolge an – mit einem Format, das im November aufgezeichnet wird. The show must go on!

Autor: Mike Powelz