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Reinhold Messner wird 70

Extrembergsteiger, Antarktis-Durchquerer, Überlebender, Freigeist: Am 17. September
wird Reinhold Messner 70. Foto: dpa

Im Porträt

Herr der Extreme: Reinhold Messner

"Gehen wir?" Mit Floskeln hält sich Reinhold Messner nicht auf. Er will los zu einer kurzen Wanderung hoch zu seiner Burg Juval, eine Autostunde westlich von Bozen gelegen. Er wirkt etwas kleiner, als man es vermuten würde bei diesem Mann: dem lange Zeit härtesten Abenteurer der Welt. "Die Legende ist immer größer als der Mensch", bestätigt Messner, dessen neue Autobiografie "Über Leben" gerade erschienen ist.

"Was ich mache, mache ich mit Konsequenz"

Er geht vor auf einem alten Weg aus groben Feldsteinen, das Tempo ist langsam. "Viele denken, ich sei ein Getriebener. Dabei bin ich ein bedächtiger, entschleunigter Mensch. Aber was ich mache, mache ich mit Konsequenz." Seine zeushafte Mähne umwogt die blauen, durchdringenden Gletscheraugen. Die Überraschung sind seine Hände.


TV-Tipp

Servus TV ehrt Reinhold Messner mit zwei Sendungen am 17.9. und 19.9., jeweils um 21.15 Uhr (s. auch TV-Tipps rechts)


Von einem, der mehr als 3500 Touren zu den Rändern der Erde unternahm, sturmgepeitschte Nächte bei minus 40 Grad im Fels verbrachte, von solch einem Lederstrumpf der Berge erwartet man gegerbte, haarige Yetipranken. Doch er hat Musikerfinger. Groß, aber fein gegliedert, glatt, unbehaart. "Ich komme nach der Mutter", sagt er über seine guten Gene.

Mit fünf der erste Dreitausender

Es ist seine Mutter, eine sanfte, geduldige Frau, die sein Wesen früh erkennt. Reinhold Messner kommt am 17. September 1944 auf die Welt, später notiert die Mutter: "Schon als Kleinkind keine Furcht. Kampflustig. Allergisch gegen Ungerechtigkeit, schwierige Klettereien." Der kleine Wagehals rebelliert gegen den strengen, düsteren Vater. Mit fünf steigt der Dorfjunge erstmals mit der Familie auf einen Dreitausender und sieht auf die magische Welt jenseits seiner Heimat Villnöß.

Ein Erweckungserlebnis. Bald klettert er jede freie Minute, oft mit dem jüngeren Bruder Günther. In den 60ern gehört er zu den besten Kletterern der Alpen. Bis heute pflegt er den puristischen Stil mit einem Minimum an Ausrüstung. Zu der Materialschlacht am Mount Everest heute sagt er: "Allein würden die Leute nicht zehn Meter weit kommen."

Tragödie am Nanga Parbat

1970 wird sein Schicksalsjahr. Auf Einladung einer internationalen Expedition reist er mit Bruder Günther erstmals in den Himalaja zum Nanga Parbat, dem 8125 Meter hohen "Nackten Berg". Nach einer Kette von Notsituationen kommt der höhenkranke Günther beim Abstieg in einer Lawine ums Leben, seine sterblichen Überreste werden erst 2005 gefunden. "Als älterer Bruder trage ich die Verantwortung", so Messner. Die Tragödie ist auch eine Wende für den Bergsteiger Messner. Nach Erfrierungen an sieben Zehen kann er nicht mehr auf Spitzenniveau felsklettern und verlegt sich auf die Höhe.

Zu Fuß durch Antarktis, Grönland und Wüste Gobi

1978 wird er weltberühmt, als er gemeinsam mit Peter Habeler den Mount Everest ohne Zusatzsauerstoff besteigt. Danach kann er sich durch Bücher und Vorträge finanzieren. 1986 hat er als erster Mensch alle 14 Achttausender bestiegen. Der Grenzgänger wechselt in die Ebene. "In den hohen Bergen konnte ich mich nur wiederholen", sagt der Burgherr. Er durchquert zu Fuß die Antarktis, Grönland und die Wüste Gobi. Bei seinen Abenteuern sucht er nie den Tod, wohl aber dessen Nähe als Erfahrungsraum. Sein Ziel: "In der Wildnis überleben, nur sich selbst verantwortlich."

Müßiggang ist für Messner keine Option

Als Messner 2004 mit 60 Jahren die Wüste Gobi durchwandert, spürt er das Alter. "Ich merkte, ich kann nicht mehr locker vom Hocker auf den K2. Mittlerweile kann ich loslassen." Doch Müßiggang ist keine Option. Seit 20 Jahren arbeitet der Machertyp an einer Museumskette in den Alpen, die das Verhältnis Mensch und Berg beleuchtet. Das sechste und letzte Museum wird gerade in 2275 Meter Höhe auf dem Gipfel des Kronplatz in den Dolomiten gebaut. Danach will er sich als Filmemacher versuchen, plant einen Kinofilm über die Berge. Doch als Nächstes will er mit Sohn Simon, einem guten Kletterer und angehenden Biologen, aufs Matterhorn. Davor tun sie das, was Männer tun, die auf Berge steigen: auf gutes Wetter warten.

Autor: Dagmar Weychardt