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Mick (Henning Baum) und seine Freundin Tanja (Proschat Madani).

Mick (Henning Baum) kümmert sich in den neuen Folgen von "Der letzte Bulle" (SAT.1, ab 6.2.) liebevoll um seine Freundin Tanja (Proschat Madani). - Foto © SAT.1 / Martin Rottenkolber

Im TV-Programm: Der letzte Bulle

Henning Baum im Interview

Der Erfolg geht weiter: Henning Baum ist in neuen Folgen von "Der letzte Bulle" wieder Ruhrpott-Ermittler Mick Brisgau: ruppig, handfest – ganz anders als sein smarter Kollege Andreas Kringge (Maximilian Grill). Baum, gebürtiger Essener, sprach mit HÖRZU über seine raue Heimat und seine sanften Seiten.

HÖRZU: Ungleiche Ermittlerteams stehen derzeit hoch im Kurs. Zuletzt starteten „Die Draufgänger“ bei RTL. Sind Sie ein Trendsetter?

Henning Baum: Ich habe die RTL-Serie noch nicht gesehen. Aber dass man so ein Team losschickt, so ein „odd couple“, ist ja keine Erfindung von uns. Das hat sich schon bei Don Quijote und Sancho Panza bewährt. Mein Kollege Max Grill und ich spielen uns gern die Bälle zu. Funktioniert eine Szene nicht, albern wir herum und merken: Was wir gerade im Witz gesagt haben, das bauen wir ein!

HÖRZU: Viele glauben, Mick Brisgau ist Henning Baum. Wie sehr stimmt das?

Henning Baum: Die Rolle liegt mir natürlich. Ein zweifelnder, schwacher, verbogener Mensch wäre schwieriger darzustellen. Da müsste ich schon ins „Behaupten“ gehen. Und sicher hat Mick wie ich auch einen Motorradführerschein.

HÖRZU: Mick Brisgau, Horst Schimanski – ist es ein Zufall, dass diese rauen Serienhelden im Ruhrpott angesiedelt sind?

Henning Baum: Nein, das liegt an den Leuten dort. Dieser Typus, der geradeaus ist, nicht lange fackelt und sein Herz auf der Zunge trägt, ist entstanden durch die harte Arbeit, den Stahl und die Kohle. Voraussetzung, um unter Tage zu arbeiten, ist, dass die Bergleute ihren Streit über der Erde lassen. Also: schnelle Aussprache, auch mal eine Watschen. Und dann musstest du in den Berg fahren und dich auf den anderen verlassen können. Die Arbeit gab den Takt vor.

HÖRZU: Sie waren auch schon früh ganz "handfest": Es war von leichter Schutzgelderpressung auf dem Schulhof zu lesen.

Henning Baum: Ach Gott, das wurde hochgeschraubt. Das waren Schulhofstreiche, nichts Grausames.

HÖRZU: Aber Sie waren Waldorfschüler, sind also anthroposophisch erzogen worden.

Henning Baum: Ja, aber das hat nichts zu sagen. Es ging dort nicht anders zu also anderswo auch.

HÖRZU: Fanden Sie nicht auch einiges seltsam an der Waldorfschule? Etwa die Eurythmie, bei der man sogar Namen tanzt?

Henning Baum: Rudolf Steiners Pädagogik ist schnell lächerlich zu machen, in ihrer Substanz aber wertvoll. Eurythmie ist eine Bewegungsform, in der man die Qualität von Sprache, Lyrik oder Musik ausdrücken kann. Ich zeige Ihnen das mal. Das wäre "Meer" (Baum macht eine ausschweifende Bewegung mit den Armen). Und das "weg" (er kreuzt schnell die Arme). Das hilft einem auch im Schauspiel weiter. Gut gemacht, berührt es. Als Jugendlicher will man das aber nur ungern zeigen.

HÖRZU: Hat der Waldorf-Unterricht Sie zum Schauspiel gebracht?

Henning Baum: Schauspiel hat in diesem Konzept einen großen Stellenwert, und ich hatte ein Forum, mich darin auszuprobieren. Sonst hätte ich es vielleicht nie kennengelernt. Das war schon ein Segen.

HÖRZU: Vielen Dank, Henning Baum, für das Interview.

Autor: Dirk Oetjen