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Hannelore Elsner in dem Film "Die Unberührbare".

"Die Unberührbare" (2000), ein Meisterwerk in Schwarz-Weiß: In Oskar Roehlers Biografie seiner Mutter feiert Elsner mit fast 60 ein grandioses Kino-Comeback. - Foto © ZDF

Themenabend

Hannelore Elsner feiert 70. Geburtstag

Grazil, beinahe filigran – und klein: Das ist der erste Eindruck von Hannelore Elsner, als sie das Hotel "Vier Jahreszeiten" in Hamburg betritt. Hier ist HÖRZU mit dem Star zum Interview verabredet. Anlass sind ihr bevorstehender 70. Geburtstag am 26. Juli 2012 und ein sehenswertes Elsner-Porträt der Filmemacherin Inga Wolfram, das die ARD am 18.07. zeigt (siehe TV-Tipp rechts).


Hannelore Elsner im Gespräch


Elsners Stimme korrigiert den filigranen optischen Eindruck sehr schnell. Die hat eine enorme Bandbreite, kann sanft, warm, rauchig klingen. Aber auch energisch, kämpferisch – sogar schneidend, wenn ihr Fragen missfallen. Schon bald füllt diese Stimme den Raum. Und nach dem Interview bleibt das Bild einer Künstlerin, die ebenso sympathisch wie widerborstig sein kann. Es kommt einem unwillkürlich der Titel des Films in den Sinn, der wie kein zweiter ihre Klasse zeigt: "Die Unberührbare" (siehe TV-Tipp rechts).

HÖRZU: Stimmt es, dass Sie Interviews eigentlich grässlich finden?

Hannelore Elsner: Ich mag den öffentlichen Small Talk in Talkshows genauso wenig wie "Schubladenfragen", die mich in eine Ecke drängen. Gute Interviews sind gute Gespräche. Oder?

HÖRZU: Trotzdem haben Sie sich für die Doku "Deutschland, deine Künstler" im Job und privat begleiten lassen. Warum?

Hannelore Elsner: Weil die Chemie zwischen mir und der Filmemacherin stimmte. Mir gefällt, dass der Film so nahe an mich heranzoomt – und trotzdem nicht wirkt, als würde man als Zuschauer durch ein Schlüsselloch gucken.

HÖRZU: Nun werden Sie bald 70 Jahre alt …

Hannelore Elsner: Was ist schon "alt"? Es wird nicht gut umgegangen mit diesem Wort. Denn es ist ja schön, alt zu werden. Ich bin ja so froh, dass ich noch auf der Welt bin. Tatsächlich wurde ich schon mit 24 gefragt, ob ich nicht Angst davor hätte, bald 25 zu werden. So ein Irrsinn.

HÖRZU: "Alt werden ist nichts für Feiglinge", hat Mae West gesagt. Stimmen Sie ihr zu?

Hannelore Elsner: Ja, denn man muss sich dauernd verteidigen: "Mir geht’s gut, alles in Ordnung." Ich denke, dass die Medien auch ein bisschen schuld daran sind, wer als jung oder alt gilt. Es gibt so viele unmenschliche Klischees darüber.

HÖRZU: Wie wichtig waren Freunde und Komplizen für Ihren Erfolg?

Hannelore Elsner: Sehr wichtig. Wobei das Pflegen von Freundschaften häufig schwierig war, weil ich kaum Verabredungen treffen konnte. Trotzdem habe ich gute Freunde. Komplizen sind etwas anderes. Darunter verstehe ich Gleichgesinnte, mit denen ich Filme machen und denen ich vertrauen kann.

HÖRZU: Wie wichtig ist es für Sie als Künstlerin, mit Ihren Filmen Denkprozesse bei den Zuschauern in Gang zu setzen?

Hannelore Elsner: Ich will keine Botschaften verbreiten, sondern den Menschen, die mich anschauen, Wahrhaftigkeit schenken. Selbst wenn ich die schrecklichste Mörderin spiele.

HÖRZU: Wie erarbeiten Sie sich Ihre Rollen?

Hannelore Elsner: Ich fresse die Texte! Das stimmt wirklich, meine Drehbücher lese ich jeden Tag, auch die Szenen, die schon fertig sind. Zuletzt kann ich mich im kompletten Text gedanklich vor und zurück bewegen – so, wie ich es mag.

HÖRZU: Und wenn ein Text Ihnen so gar nicht schmeckt? Spucken Sie ihn dann wieder aus und variieren ihn nach Ihrem Gusto?

Hannelore Elsner: Wie dramatisch, Wahnsinn! Nein, das bespricht man zusammen. Ich bin ein Chamäleon. Ich gleiche mich dem Notwendigen an.

HÖRZU: Was sind Ihre nächsten Projekte?

Hannelore Elsner: Der Kinofilm "Jesus liebt mich" und der TV-Film "Flemming – Die alte Kommissarin".

HÖRZU: Welche Rollen würden Sie ablehnen?

Hannelore Elsner: Frustrierte, einsame, ekelhafte, misstrauische und neidische alte Frauen. Diese Klischees sind furchtbar und kränken mich. Doch das Schubladendenken hat sich seit Ewigkeiten nicht geändert. Ich möchte die anderen Seiten zeigen, die eine Frau wie ich haben kann.

HÖRZU: Vielen Dank, Hannelore Elsner, für das Interview.

Autor: Mike Powelz