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Grzimek mit Ulrich Tukur

Tierfreund und schwieriger Charakter: Bernhard Grzimek, gespielt von Ulrich Tukur.
Foto: UFA Fiction

Am Set mit Ulrich Tukur

"Grzimek": Tiere, Liebe und Skandale

Ein kalter, klarer Dezembermorgen im Jahr 1957. Die Sonne scheint in einen offenen Hangar des kleinen hessischen Flughafens Egelsbach, wo sich eine Gruppe Journalisten um Prof. Bernhard Grzimek schart. Stolz steht der Frankfurter Zoodirektor vor seinem einmotorigen Flugzeug, das er wie Zebrafell lackieren ließ. Mit der Dornier Do 27 will er Richtung Afrika starten, um den Dokumentarfilm "Serengeti darf nicht sterben" zu drehen.

So steht es im Skript dieses Drehtags, des 5. Mai 2014. Das Erste lässt das Leben des berühmten Zoologen mit großem Aufwand verfilmen. Der Zweiteiler "Grzimek" soll noch in diesem Jahr ausgestrahlt werden. In der Hauptrolle: kein Geringerer als Ulrich Tukur. Er spielt den legendären Tierfreund, der den Frankfurter Zoo 1945 aus Trümmern wieder aufbaute, 29 Jahre lang sein Direktor war und mit TV-Sendungen wie "Ein Platz für Tiere" berühmt wurde.

Bernhard Grzimek: Vorkämpfer für den Tierschutz

1960 erhielt er für die Dokumentation "Serengeti darf nicht sterben" sogar den Oscar. Grzimek konfrontierte die Deutschen als Erster mit grausamen Bildern von Robbentötungen für die Pelzindustrie und trug maßgeblich zur Errichtung erster Reservate in Afrika bei. So wurde er zum frühen Vorkämpfer für Natur- und Tierschutz. Nun soll ein Film seine schillernde Persönlichkeit beleuchten. Die nächste Szene steht an: Ein Journalist (Marcel Batangtaris) soll auf Grzimek zutreten und ihm eine Frage stellen: "Stimmt es, dass Sie für den Flugschein doppelt so viele Stunden brauchten wie Ihr Sohn?"

Überraschung für Ulrich Tukur

Die Antwort hätte Tukur auswendig parat – doch Regisseur Roland Suso Richter ("Mogadischu") will seinem Star heute einen kleinen Streich spielen. Anstelle des vorgesehenen Darstellers tritt Mike Powelz, Chefreporter von HÖRZU, an Tukur heran und fragt völlig überraschend: "Wie lange hat es gedauert, die Do 27 wie ein Zebra anzupinseln? Und warum haben Sie nicht ein Giraffenmuster gewählt?" Tukur stutzt kurz, antwortet dann aber ziemlich prompt: "Für irgendein Tier musste ich mich entscheiden, und das Zebra ist eines meiner Lieblingstiere."

Der Mann, der Scherze liebte

Als die Szene abgedreht ist, bittet Tukur sein Gegenüber noch mal um den genauen Wortlaut der Frage – für die Wiederholung. Dass er es nicht mit einem echten Kollegen zu tun hat, sondern mit dem HÖRZU-Reporter, kann er nicht ahnen. Die Maske hat ganze Arbeit geleistet und diesen perfekt im Stil der 50er-Jahre eingekleidet: Flanellhose, Schirmmütze, graubrauner Mantel. "Und Action!", ruft Regisseur Roland Suso Richter zum zweiten Mal. Und grinst: Er hat den HÖRZU-Mann heimlich aufgefordert, eine ganz neue Frage zu stellen. Sechsmal geht das so – sechsmal reagiert Tukur spontan und mit Witz. Ein echter Profi.

Faible für Späße und Scherzartikel

Die Idee dahinter: Der Regisseur will die Szene so authentisch wie möglich drehen – mithilfe eines echten Reporters. Solch ein Streich wäre ganz im Sinn Grzimeks gewesen, denn der hatte ein ausgeprägtes Faible für Späße und Scherzartikel. Er liebte es beispielsweise, Freunde oder Gäste mit Furzkissen zu überraschen. Auch das ist Thema im großen TV-Zweiteiler, wenn auch nur eine amüsante Randnotiz. Drehbuchautor Marco Rossi aber war es wichtig, möglichst viele Facetten dieses ebenso engagierten wie schwierigen Menschen zu zeigen.

"Einerseits wird der Film eng an Grzimeks Biografie angelehnt, andererseits halten wir uns nicht strikt an Tatsachen, sondern interpretieren sein Leben frei", so Regisseur Richter zu HÖRZU. "Dabei wollen wir ihn keineswegs demontieren, sondern lediglich die eher unbekannte Seite jenes Mannes zeigen, dessen Sendung 'Ein Platz für Tiere' zu den TV-Legenden zählt." Von 1956 bis 1987 begrüßte Grzimek zu dieser Sendung stolze 175 Mal Millionen von TV-Zuschauern mit den Worten "Guten Abend, meine lieben Freunde!".

Viel Licht, viel Schatten

Seine eigenwillig knarzende Stimme ist unvergessen. Besonders am Herzen lagen dem Tierschützer die bedrohten Tiere Afrikas. Mit Spendenaufrufen im TV sammelte er über 30 Millionen Mark für den Naturschutz. Richters Film zeigt natürlich die großen Verdienste Grzimeks – aber auch die dunklen Seiten im Leben des Erfolgsmenschen. Etwa die Dramen in seiner Familie: Sohn Michael verunglückte tödlich bei gemeinsamen Dreharbeiten in der Serengeti, ein Adoptivsohn beging Suizid. Erwähnt werden auch die Skandale: Zwei Kinder aus einer außerehelichen Beziehung lernten ihren Vater erst nach Jahrzehnten kennen. Mit der Witwe seines verunglückten Sohns Michael lebte Grzimek jahrelang heimlich zusammen, bevor er sie 1978 heiratete.

Charmant, aber auch autoritär

Hinzu kommen Charaktereigenschaften, die so gar nicht zu jenem Bild passen wollen, das die meisten Fernsehzuschauer in Erinnerung haben: ein freundlicher, etwas sonderlicher älterer Herr mit Goldrandbrille und akkurat gescheiteltem Haar. Prof. Dr. Bernhard Klemens Maria Hoffbauer Pius Grzimek, so sein vollständiger Name, erschien auch eitel, egoistisch und jähzornig.

Seine Liebe galt den Tieren, für Menschen blieb mitunter weniger Platz. Für Darsteller Ulrich Tukur eine reizvolle Aufgabe: "Grzimek konnte einerseits unheimlich charmant sein, andererseits aber auch unleidlich und autoritär. Für einen Schauspieler ist es natürlich eine Riesenchance, einen so schwer fassbaren Charakter zu spielen." Die Dreharbeiten werden übrigens von Grzimeks Familie begleitet. Dessen Enkel Christian verrät: "Als ich die ersten Szenen gesehen habe, ging mir das sehr nahe."

Autor: Mike Powelz