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Gundula Gause

Gundula Gause präsentiert das "heute-journal" an der Seite von Dr. Claus Kleber
als Co-Moderatorin. Foto: ZDF

Interview mit Gundula Gause

"Früher war der Job statischer"

Wie wählt Gundula Gause die Top-News des Tages für das "heute-journal" aus?

Interview mit Gundula Gause

HÖRZU: Mit welcher Morgenlektüre beginnt Ihr Arbeitstag?
GUNDULA GAUSE: Mit der FAZ. Anschließend folgt ein Blick auf "Spiegel online" und heute.de, sowie in meine E-Mails.

HÖRZU: Wie hat sich Ihre Arbeit beim "heute journal" verändert im Laufe der vergangenen 22 Jahre?
GUNDULA GAUSE: Massiv. Früher war es etwas statischer. Als ich in den 90er- Jahren anfing, wurden einem die Tickermeldungen noch in Papierstößen gebracht. Da kamen permanent neue Stapel. Inzwischen ist die Arbeit noch intensiver geworden, weil fast sekündlich digitale Nachrichten auf uns Journalisten einprasseln. Wir leben in einer Zeit, in der alles immer schneller gehen muss. Das überträgt sich auch auf die Arbeit. Außerdem sind die Nachrichteninhalte in diesen Monaten sehr intensiv: kaum schien sich die Euro- und Schuldenkrise etwas zu beruhigen, da kamen die unüberschaubar vielen Flüchtlinge nach Deutschland. Das ist in der Dimension für mich fast vergleichbar mit der der Wiedervereinigung.

HÖRZU: Wer entscheidet, welche Meldungen es in die zwei Nachrichtenblöcke schaffen?
GUNDULA GAUSE: Das ist eine Teamentscheidung. Ich mache den Kollegen Vorschläge und die Schlussredaktion des "heute journals" muss dazu ihr Okay geben. Entsprechend zur Nachrichtenlage kann sich das mehrmals am Tag ändern. Die Nachrichtenblöcke sind bis zum Schluss in Bewegung.

HÖRZU: Wie lange feilen Sie konkret an den Nachrichtenblöcken?
GUNDULA GAUSE: Die Auswahl steht um etwa 16.30 Uhr fest. Anschließend recherchieren wir im Team, suchen nach neuem Filmmaterial, schreiben und arbeiten stundenlang an unseren Texten und Graphiken. Die obersten Gebote dabei sind Relevanz, Korrektheit und Verlässlichkeit, sowie Verständlichkeit.

HÖRZU: Wie schwierig ist es, bei Dauerbrennerthemen immer wieder neue, interessante Ansätze zu finden?
GUNDULA GAUSE: Das ist eine große Herausforderung. Uns ist auch klar, dass es den Zuschauern irgendwann zu viel ist. Manchmal wird uns auch vorgeworfen, dass wir zu positiv berichteten. Über diese Kritik diskutieren wir mit hoher Sensibilität. Man muss auch erkennen, wie subjektiv hier die Einschätzungen sind. Was dem Einen viel zu positiv ist, ist dem Anderen zu negativ. Man kann es nicht allen recht machen. Wir haben den Auftrag, objektiv und neutral zu berichten und das machen wir nach bestem Wissen und Gewissen. Manchmal ziehe ich aus Filmbeiträgen unserer Korrespondenten einen Aspekt und schreibe dazu eine Meldung - etwa als mein Kollege Henner Hebestreit berichtete, wie Flüchtlinge konkret in Kroatien mit Zügen an die Grenze nach Ungarn gebracht werden, um von dort nach einem einstündigen Fußmarsch und ohne offizielle Registrierungen nach Österreich durchgefahren zu werden. Es war die erste Meldung dazu. (Anmerkung von HÖRZU: Das Interview mit Gundula Gause fand am 6.10.2015 statt. Zu diesem Zeitpunkt war die erwähnte Route noch aktuell).

HÖRZU: Ihre Bilanz zum virtuellen Nachrichtenstudio des ZDF?
GUNDULA GAUSE: Ich fühle mich da sehr wohl. So wie wir privat unsere Wohnzimmer sukzessiv modernisieren, so müssen auch öffentliche Räume, wie eben Fernsehstudios, mit der Zeit gehen. In diesen Jahren heißt das, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen. Als Kommunikationsunternehmen hat das ZDF hier natürlich eine besondere Verantwortung. Im Nachrichtenbereich soll da nichts Ablenkendes sein. Die virtuelle Welt ist extrem vielschichtig, die Nachrichtenlage komplex, das gesprochene Wort ebenfalls. Auch die Bilder sind oft bedrückend oder emotional bewegend. Mit dem neuen Studio fahren wir eine klare Linie. Außerdem haben wir dreidimensionale Erklärräume für komplexe Grafiken – etwa, wie ein VW-Motor funktioniert oder ein Space Shuttle.

HÖRZU: Meistens moderieren Sie mit Claus Kleber, manchmal aber auch mit Marietta Slomka. Sind das Versuche, mit neuen Teams zu experimentieren?
GUNDULA GAUSE: Nein. Als Marietta Slomka damals zu uns stieß, war es mein Vorschlag, Teams aus einem Journalisten und einer Journalistin zu bilden, damit die Nachrichtensendung etwas aufgelockert wird. Wolf von Lojewski fand diese Idee gut. Aber hinter der gemeinsamen Moderation von Marietta und mir verbirgt sich kein Experiment - sondern wir helfen einander ganz unkompliziert aus, wenn es aus Termingründen erforderlich ist.

HÖRZU: Wie oft am Tag sind Sie online erreichbar?
GUNDULA GAUSE: Rund um die Uhr - im Dienst und auch privat. Als Journalist kann man nicht anders, als sich morgens gleich per smartphone zu informieren.

HÖRZU: Wie oft haben Sie Michael Müller und Martina Hill gefragt, warum er Sie und Claus Kleber parodiert - aber nicht Marietta Slomka und Heinz Wolf?
GUNDULA GAUSE: Ich hatte nicht die Gelegenheit, den Beiden diese Frage direkt zu stellen. Aber für Claus und mich war die Parodie eine Ehre, denn sie ist überwiegend witzig. Eine einzige Nummer war - im wahrsten Sinne des Wortes - einmal unter der Gürtellinie, aber im Großen und Ganzen haben wir’s mit Humor genommen. Leider ist "Switch Reloaded" ja eingestellt worden. Gut möglich, dass wir durch die Parodien bei jüngeren Zuschauern bekannter wurden. Insofern "danke" an die Kollegen von ProSieben.

HÖRZU: Derzeit gibt es viele besorgniserregende Dauerbrennerthemen, die täglich auf der News-Agenda stehen. Inwiefern besorgt Sie das?
GUNDULA GAUSE: Trotz der oftmals belastenden Nachrichtenlage ist jeder Tag anders und deshalb auch spannend. Aber das Flüchtlingsthema ist derart herausfordernd, dass man davon schon nachts wach werden kann, die Bilder vor Augen vom Chaos und der Verzweiflung dieser vielen Menschen. Es macht mich schon nervös zu sehen, dass offenbar immer noch vieles so unkoordiniert und zum Teil chaotisch abläuft.

HÖRZU: Hand aufs Herz: Was schnacken Sie und Claus Kleber am Ende der Sendung, wenn Sie nicht mehr zu hören sind?
GUNDULA GAUSE: Darauf antwortet Claus immer: " … wenn Sie das wüssten!" Und auch da sind wir einer Meinung. Ich zitiere also meinen sehr geschätzten und lieben Kollegen Claus: "Wenn Sie das wüssten …!"

Autor: Mike Powelz