HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Experte Rainer G. Ballnus (65) über die Polizeiserie "Flashpoint"

Rainer G. Ballnus (65), ehemaliger Kriminalist im Polizeipsychologischen Dienst über die Polizeitserie "Flashpoint" auf RTLII / Bildmontage © privat / © Ben Mark Holzberg/CBS ©2008 CBS Broadcasting Inc. All Rights Reserved.

"Flashpoint" - die neue Polizeiserie auf RTLII

Interview: Wie verhandelt die Polizei mit Geiselnehmern?

Am Donnerstag, den 6. Mai 2010, startet auf RTLII die neue Serie "Flashpoint - Das Spezialkommando" (13 Folgen donnerstags, 20.15 Uhr) über eine taktische Spezialeinheit der Polizei in Toronto. Das Team der Strategic Response Unit (SRU) ist mit modernster Technik ausgerüstet und für Extremsituationen ausgebildet. Geiselbefreiungen, Razzien und Bombenentschärfungen gehören zum Alltag der engagierten Polizisten.

Auch in Deutschland hält die Polizei spezielle Einsatzkommandos wie das SEK und den Polizeipsychologischen Dienst bereit. Rainer G. Ballnus (65), ein ehemaliger Kriminalist im Polizeipsychologischen Dienst, hat viele Jahre lang Polizisten für Geiselnahmen geschult. Mittlerweile verarbeitet der Ruheständler seine Erfahrungen zu Büchern ("Plötzlich auf Föhr: Der Urlaubskrimi", Dreves Verlag). Im Interview mit HÖRZU verrät Rainer G. Ballnus, wie die Polizei mit Geiselnehmern verhandelt und wie man sich selbst verhalten sollte, wenn man als Geisel genommen wird.

HÖRZU: Herr Ballnus, die erste Folge von "Flashpoint - Das Spezialkommando" beginnt damit, dass ein Mann auf einem öffentlichen Platz einer Geisel eine Pistole an den Kopf hält. Seine Forderungen auf Kroatisch kann keiner der anwesenden Polizisten verstehen. Um den Tatort versammeln sich die ersten Gaffer. Wie würden Sie selbst mit dieser Situation umgehen?

Rainer G. Ballnus: Das ist eine gute aber auch schwierige Frage. Ich habe mir die Folge angeschaut und war beeindruckt, wie zügig die Spezialeinheit an den Tatort gekommen ist. Dann habe ich darauf gewartet: Was macht der verhandelnde Polizist zuerst? Der Polizist hat am Anfang Hilfe angeboten, aber ohne Übersetzung, deshalb war es aus meiner Sicht wirkungslos. Danach hat er mit Übersetzung vom Geiselnehmer verlangt, die Pistole wegzunehmen, und dann im zweiten Satz gesagt: "Wir wollen Ihnen helfen."

Aus meiner Erfahrung heraus hätte ich mir die umgekehrte Reihenfolge gewünscht. Zunächst einige Sätze als Türöffner: "Wir sind für Sie da. Ich merke, Sie haben ein ganz großes Problem. Sie sind in großer Angst. Wir helfen Ihnen." Wie ich selbst in dieser Situation reagiert hätte, kann ich nicht sagen, weil ich das nie erlebt habe. Es ist sehr schwer, und manchmal fehlt einem dieses erste Wort in so einer schwierigen Verhandlung, in die man von einer Minute zur anderen hineingeworfen wird.

HÖRZU: Sie selbst unterrichten Krisenkommunikation in Extremsituationen. Was muss man in einem Gespräch mit einem Geiselnehmer beachten?

Rainer G. Ballnus: Es sind keine gleichwertigen Verhandlungen. Das Gegenüber hat einen anderen Menschen in seiner Gewalt und bedroht dessen Leben. Die Verhandlungskunst besteht darin, den anderen ernst zu nehmen. Und das geschieht nicht mit Worten wie "Ich nehme Sie ernst". Das ist geradezu lächerlich! Stattdessen muss ich dem anderen durch die Art und Weise meiner Verhandlung vermitteln: "Ich bin bei dir. Ich möchte dir helfen, eine Situation gefahrlos zu beenden." Und das bedeutet erst mal, dass man alles abfängt, was an Emotionen oder auch an Forderungen da ist, und es nicht bewertet, sondern einfach aufnimmt.

HÖRZU: Wie kann man das konkret machen?

Rainer G. Ballnus: Die erste Forderung in klassischen Geiselnahme-Situationen ist, dass "die Bullen abziehen". Dieser Forderung kann man gleich zustimmen. Wenn einer sagt: "Sie wollen mich ja doch nur linken!", kann man das spiegeln. Das nennen die Fachleute "aktives Zuhören in der geringsten Form". Ein Beispiel: "Okay, Sie haben kein Vertrauen in uns, das merke ich. Was kann ich tun, um dieses Vertrauen zu stärken?" Ich muss den anderen mit seinen Gefühlen, mit seinen hochgradigen Emotionen - er ist in der ersten Phase sehr affektiv - emotional auffangen. Dadurch wächst das Vertrauen.

Autor: Jana Mareike von Bergner