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Heinz Erhardt in der Filmkomödie "Immer die Radfahrer".

1958: "Immer die Radfahrer". Flotte Filmkomödie mit Wolf Albach-Retty, Heinz Erhardt und Hans-Joachim Kulenkampff (v.l.n.r.). - Foto © picture alliance

Genie mit Humor

Filmlegende Heinz Erhardt

Die große HÖRZU-Serie über TV-Legenden. Diesmal: Filmlegende und Virtuose der frechen Verse Heinz Erhardt, einer der besten deutschen Komiker aller Zeiten.

Als Kind will er Lokomotivführer werden. "Vielleicht wäre ich besser gefahren", schreibt Heinz Erhardt 1948. "Vor allem hätte ich immer Kohlen in Hülle und Fülle und brauchte nicht andere zu verkohlen." Der Schelm! Das "Verkohlen" ist nämlich seine Berufung. Spaß machen – darin ist er einmalig. Als die ZDF-Zuschauer 2007 die besten Komiker aller Zeiten wählen sollen, wird Heinz Erhardt Zweiter – hinter Loriot, aber noch vor Otto, Hape Kerkeling und Dieter Hallervorden. Der schwärmt: "Er war ein Allroundtalent als Komiker, Autor, Pianist und Komponist. Und er konnte meisterhaft mit der deutschen Sprache umgehen."

So unterschiedlich Heinz Erhardt und Loriot auch waren, eines hatten sie gemeinsam: Beide waren Perfektionisten und überließen nichts dem Zufall. Obwohl Erhardts Sketche immer spontan wirken, ist alles bis ins kleinste Detail hinein geplant. Jede Geste, jedes Mienenspiel: genau einstudiert. "Das war Schwerstarbeit", verrät sein Sohn Gero Erhardt. Seine vier Kinder erleben ihren Vater als seltenen Gast – und fleißigen Arbeiter: "Wenn er sich ans Klavier setzte, standen wir hinter der Tür und hörten zu."

Bis ins Alter: ein großes Kind

Ab den 1950er-Jahren gilt Heinz Erhardt als ungekrönter König des Komischen. Er hat unzählige TV- und Bühnenauftritte, schreibt Bücher, macht Radioshows und Kinofilme: Oft spielt er tollpatschige Vaterfiguren, seine Paraderolle aber wird Willi Winzig: Mehr als 500-mal verkörpert er den kleinen Finanzbeamten, der den Großen ständig eins auswischt. "Er ist ein großes Kind", schreibt ein Kritiker.

Mit seinem frechen, liebenswerten Charme wird Heinz Erhardt in den Nachkriegsjahren zum Liebling der Deutschen. Doch bis dahin ist es ein langer Weg. Er beginnt am 20. Februar 1909 in Riga. "Als ich geboren wurde, war ich noch sehr jung", erinnert sich Erhardt. Weil sich die Eltern früh trennen, wächst er bei den Großeltern auf. Die Mutter holt ihn einmal kurz nach Sankt Petersburg, der Vater, ein Kapellmeister, später nach Deutschland. So erlebt er eine wechselvolle Kindheit. "Mein Vater wurde ziemlich herumgestoßen", sagt Tochter Grit Berthold später.

Nach 15 Schulwechseln kehrt Heinz Erhardt zurück zu den Großeltern. Es ist keine glückliche Kindheit, er ist ein Außenseiter, der die Schule nicht mag – und das in diese Verse verpackt: "Was er schätzte selbst in Serien, das waren jedes Mal die Ferien. Die er von sich aus noch ergänzte, indem er gern die Schule schwänzte." Ein anderes Mal kalauert er: "Ich war ein Pausenschüler, ich konnte ohne Pause Pause machen."

"Zippchen" - Die Liebe seines Lebens

Die Großeltern schicken ihn nach Leipzig, wo er eine kaufmännische Ausbildung absolvieren soll. Doch er studiert am Konservatorium Klavier und Komposition, möchte lieber Musiker werden: "Ich hatte schon eine Menge Lieder auf Heine’sche Texte komponiert, ohne zu ahnen, dass Schubert und Schumann bereits sämtliche Texte vertont hatten. Ich war also zu spät gekommen und mache meinen Eltern den Vorwurf, mich hundert Jahre zu spät geboren zu haben."

Dass es zunächst nicht klappt mit der Musikerlaufbahn, hat natürlich andere Gründe: Der Großvater will dem Enkel das Studium nicht finanzieren, weil dieser seine Musikalienhandlung übernehmen soll. Also beordert er den jungen Mann zurück nach Riga. Der steht nun im Laden und verkauft Noten, statt sie zu spielen. Das aber holt er in seiner Freizeit nach – so gut, dass "der immer heitere Erhardt" in Riga zum Geheimtipp wird.

Bevor es steil nach oben geht, trifft er 1934 die Liebe seines Lebens – in einem Fahrstuhl. "Wir befanden uns im Parterre", so Erhardt später. Obwohl extrem schüchtern, fasst er sich ein Herz und fragt die junge Dame: "Wollen Sie auch nach oben?" Ja, sie will. Im Januar 1935 heiratet er sein "Zippchen", eine italienische Diplomatentochter. Sie ist nicht nur 45 Jahre lang die treue Seele an seiner Seite und die Mutter von vier Kindern, die zwischen 1936 und 1944 geboren werden, sie schickt ihren Mann auch nach Berlin, damit seine Karriere in Schwung kommt.

Erste Erfolge in Berlin

1938 wird Heinz Erhardt am "Kabarett der Komiker“ engagiert. Eine Talentschmiede, in der auch Peter Frankenfeld und Georg Thomalla geformt wurden. Für Heinz Erhardt ist es der Durchbruch. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten bewegten Bilder. Das Stück "Mein Mädchen" ist ein Zungenbrecher, den er in rasantem Tempo am Klavier vorträgt – und mit dem er jeden heutigen Rapper in den Schatten stellen würde.

Während des Krieges bewahrt ihn sein Talent vor dem Einsatz an der Front, er tritt vor Soldaten auf. 1946 beginnt er in Hamburg beim Radio. Beim NWDR moderiert er einmal pro Woche "So was Dummes" – was natürlich gar nicht dumm ist, weil es ihn schnell zum Liebling der Hörer macht. Ab 1947 steht er mit seinem Stück "Lieber reich, aber glücklich" auf der Bühne. Er sammelt jeden Zeitungsbericht und klebt alles sauber ausgeschnitten in einen Ordner. Nicht weil er eitel ist, sondern weil er sich ständig darum bemüht, noch besser zu werden.

Der Ordner wächst schnell, denn in den 50er-Jahren dreht er einen Film nach dem anderen. 1957 wird "Witwer mit 5 Töchtern" sein erster großer Kassenschlager. Für die Kinoleinwand habe er die "passenden Körpermaße" schreibt er. Das Fernsehen dagegen mag er anfangs nicht. Der Grund: Er fürchtet, die Zuschauer kämen nicht mehr ins Theater, wenn sie seine Sketche schon vorab auf der Mattscheibe sehen. Eine unberechtigte Sorge.

1961 gründet er eine Produktionsfirma und entwickelt eigene TV-Sendungen. Es sind erfolgreiche Jahre – bis 1971. Da nämlich erleidet Heinz Erhardt einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholt. 1979 stirbt er. Was weiterlebt, ist sein Humor.

Noch heute laufen seine Filme im Fernsehen, seine Bücher und DVDs sind Dauerbrenner. Ständig wachsen junge Fans nach, die sich genauso über seine frechen Verse freuen wie ihre Eltern und Großeltern. Der Komiker Piet Klocke beschreibt Erhardt treffend: "Warmherzig, lebensfroher Tanzbär, fantasievoller Poet des Alltäglichen, Wortakrobat. Heinz hat die Herzen geöffnet und Freude gebracht."

Autor: Thomas Kunze