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Kai Gniffke

Kai Gniffke (54), Chefredakteur ARD-Aktuell. - Foto: © NDR/Thorsten Jander (M)

Kai Gniffke zur Zukunft der TV-News

"Es könnte Bürgervideos bei einzelnen Sendern geben - aus Geldnot"

Gibt's News bald nur noch topaktuell im Internet? Werden Youtube-Stars die News bald im TV präsentieren?

HÖRZU fragt Kai Gniffke (54), Chefredakteur ARD-Aktuell, zur Zukunft der TV-Nachrichten.

Interview mit Kai Gniffke

HÖRZU: Konsumieren die Zuschauer in zehn Jahren mutmaßlich verstärkt "Breaking News" im Netz? Und Inwiefern werden die TV-Nachrichten dadurch - vorausgesetzt, dass dem so ist - seichter oder härter?

Kai Gniffke: Voraussagen über einen Zeitraum von 10 Jahren sind angesichts des dynamischen Medienmarkts extrem schwierig. Voraussichtlich werden die Menschen in 10 Jahren "Breaking News" sowohl im linearen TV als auch im Netz (insbesondere mobil) verfolgen. Vermutlich werden sich beide ergänzen. Breaking News werden dadurch aber weder seichter noch härter.

HÖRZU: Verkünden die klassischen Anchormen in zehn Jahren die Nachrichten eher auf Kanälen wie YouTube - oder sitzen Youtube-Stars wie LeFloid dann vielleicht sogar in den Studios der klassischen Fernsehsender?

Kai Gniffke: Beides ist möglich. Vielleicht werden die Zuschauer und Nutzer bei der Videonutzung nicht mehr so stark differenzieren nach TV oder Internet, sondern sich eher an den Absendern, den Marken der Videoproduzenten orientieren.

HÖRZU: Wie verändern sich die Korrespondentennetze mutmaßlich durch neue Tools wie Periscope? Werden sie größer oder kleiner? 

Kai Gniffke: Der Kostendruck wird wohl leider verhindern, dass Korrespondentennetze größer werden. Sie sollten aber keinesfalls schrumpfen. Neue Möglichkeiten im Netz werden dazu führen, dass sich die Zahl der Quellen weiter erhöht. Umso wichtiger wird die Aufgabe von Journalisten dies zu sortieren.

HÖRZU: Welche technischen Maßstäbe revolutionieren die TV-Nachrichten voraussichtlich in den kommenden zehn Jahren?

Kai Gniffke: Das Studio von "Tagesschau" und "Tagesthemen" hat einen neuen Standard gesetzt und wird über Jahre hinweg state of the art sein. Es wird bei allen Videoanbietern darauf ankommen, das richtige Maß beim Einsatz neuer Technik zu finden (3D, Touchfunktionen, Virtualität), um nicht Technik um ihrer selbst willen einzusetzen. Revolutionen werden wohl nicht kommen.

HÖRZU: Gibt es in zehn Jahren wohl noch feste Anfangszeiten für die Nachrichtensendungen - oder werden diese tendenziell fließender?

Kai Gniffke: Ja, denn es wird weiterhin lineares Fernsehen geben, d.h. auch feste Anfangszeiten. Gleichzeitig wird die Zahl von nonlinearen Nachrichtenangeboten steigen. Wie genau sich das Verhältnis dieser beiden Angebotsarten entwickelt, ist kaum zu prognostizieren.

HÖRZU: Die Bild-Zeitung hat so genannte Leser-Reporter eingeführt, die im Netz für Furore sorgen mit  selbst produzierten Videos, die oftmals auch die Persönlichkeitsrechte der mitunter unwissentlich Gefilmten verletzen. Inwiefern drohen solche Videos in Zukunft in die Haupt-Nachrichten der Fernsehsender zu gelangen?

Kai Gniffke: Es ist nicht auszuschließen, dass sich solche Videos in Hauptnachrichten einzelner Fernsehsender wiederfinden werden - sei es aus Geldnot oder weil es die Sendung "bunter" macht. Für die Nachrichtensendungen von ARD-aktuell ist dies keine Option. Hier könnte es höchstens sein, dass wir User Generated Content in einzelnen Ausnahmefällen nutzen, wenn ein Nachrichtenwert drinsteckt. Aber es wird sich nichts am Profil unserer Sendungen ändern, die auch in Zukunft auf eine Nachrichtenauswahl setzen, die sich an harten journalistischen Kriterien orientiert.

Autor: Mike Powelz