HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Siggi in Eine wie diese

Siggi Thieme (Cornelia Gröschel, re.) hat ihr Ziel Kriminalkommissarin zu werden fest
im Visier! - Foto: © ZDF / Julia von Vietinghoff

Muttertag im TV

"Eine wie diese"

Bremen 1974. In der Polizei, einer puren Machogesellschaft, bahnt sich eine Revolution an: Endlich sollen auch Frauen Kriminalkommissare werden dürfen.

"Eine wie diese" - Siggi ist Pionierin der Polizei

Für die junge Polizeisekretärin Siggi Thieme (klug und lebenshungrig gespielt von Cornelia Gröschel) scheint ein Traum wahr zu werden: Sie beginnt als eine der ersten Frauen in Deutschland die Ausbildung. Doch der Preis ist hoch: Ihr Vater (herrlich störrisch: Peter Heinrich Brix), selbst Polizist, bricht den Kontakt zu ihr ab, die Beziehung mit ihrem Verlobten Jürgen zerbricht, die Kollegen schikanieren sie.

Die Geschichte von Siggi Holschen

"So schlimm war es bei mir nicht", erzählt Siggi Holschen lachend. 1973 begann sie selbst als 23-Jährige eine Ausbildung zur Kriminalkommissarin bei der Hamburger und Bremer Polizei. Einige ihrer Erfahrungen sind in den Fernsehfilm "Eine wie diese" (Muttertag im TV, ZDF, 20.15, s. auch TV-Tipps rechts) eingeflossen.

Anders als die Filmfigur war Siggi Holschen damals bereits verheiratet, auch ihre Eltern brachen nicht mit ihr. Trotzdem erinnert sie sich: "Mein Umfeld war entsetzt." Das hatte allerdings auch mit der gesellschaftlichen Situation zu tun: Anfang der 1970er-Jahre war das Land politisch im Umbruch, und Holschens Freunde sympathisierten mit den kritischen Stimmen: "Wir waren eher auf der Seite der Demonstranten, denen damals eine recht martialisch auftretende Polizei gegenüberstand."

Gesellschaftliche Verhältnisse in den 70ern

Die 68er-Generation mochte den "Muff unter den Talaren" gelüftet haben, viele Verkrustungen aber hielten sich hartnäckig. Hinzu kam der Protest gegen den Vietnamkrieg. Feindbild Nummer eins: "Langhaarige" – im Film wie in der Realität. Dass Frauen einen Beruf erlernen, galt als überflüssig, da sie früh heiraten sollten. Als Siggi Thieme im Film zu Hause ausziehen will, ruft ihre Mutter (Steffi Kühnert) entsetzt: "Du kommst nicht bei Jürgen unter! Das ist nicht anständig!" Dabei ist Jürgen immerhin der Verlobte. Gegen alle Widerstände geht die junge Frau ihren Weg.

In der Realität war es bei Siggi Holschen genauso: "Ich wusste: Wenn sich etwas ändern soll, musst du da mitten rein!" Auch sie sei von männlichen Kollegen gelegentlich auf die Probe gestellt worden: "Die haben mich schon mal zwei Stunden mit einem Selbstmörder allein gelassen oder in epischer Breite übel zugerichtete Leichen beschrieben. Ich habe dann versucht, mich möglichst cool zu geben." Zumindest die jüngeren Kollegen seien offen gewesen. "Aber unter den Frauen gab es durchaus mal Zickenterror."

Auch für die Bevölkerung war der Anblick von Kommissarinnen ungewohnt: "Gerade Frauen wandten sich eher an männliche Kollegen, weil sie die automatisch für kompetenter hielten." Gemischte Teams hätten am Einsatzort allerdings oft deeskalierend gewirkt, vor allem auf Männer. Ein Vorteil. "Der ist heute leider verloren gegangen."

"Frauen müssen immer einen Tick besser sein

Bis 2012 war Holschen im Polizeidienst. Eines habe sich bis heute nicht verändert, sagt sie: "Frauen müssen immer einen Tick besser sein, um die gleiche Stufe der Karriereleiter zu erklimmen." Das spiegele sich in Bremen auch im Anteil der Vollzugsbeamtinnen im höheren Dienst wider: "Auf drei Frauen kommen 50 Männer", sagt Holschen. "Aber das wird noch!"

Autor: Thomas Röbke