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Zarah Leander

1949: Zarah Leander an Bord der Daressalam. - Foto: Keystone/Getty Images

Die dunkle Diva

Eine TV-Doku öffnet die Akte Zarah Leander

Nazistar, Spionin Stalins, entrückte Künstlerin? Eine TV-Doku öffnet die Akte Zarah Leander.

Frühjahr 1943, Berlin. Heimlich, im Schutz der Nacht, verlässt eine Frau mit leuchtend roten Haaren ihre Villa in Dahlem. Zarah Leander (1907 bis 1981), von Millionen Fans verehrte Filmdiva auf dem Gipfel ihres Ruhms, flieht aus Deutschland in ihre Heimat Schweden.

"Erstaunlicherweise buhlten die Nazis weiter um sie", erzählt Torsten Striegnitz. "Sie war eine gewiefte Geschäftsfrau und pokerte von Schweden aus weiter um Verträge." Der Filmemacher und seine Kollegin Simone Dobmeier wälzten für ihre Recherche Hunderte Seiten Akten in den Staatsarchiven von Stockholm und Berlin, sprachen mit Zeitzeugen und Experten.


TV-Tipp

Mo, 28.7.: "Die Akte Zarah Leander", Dokumentation von Torsten Striegnitz und Simone Dobmeier, Das Erste, 23.20 Uhr


Die Doku "Die Akte Zarah Leander" zeigt das Porträt der Ausnahmekünstlerin aus der schwedischen Provinz, die in einer deutschfreundlichen Familie aufwuchs und mit ihrer tiefen, rauchig-sinnlichen Kontra-Alt-Stimme zum größten Star Europas aufstieg. "Viele sehen sie nur als Nazidiva, aber das waren lediglich sechs Jahre einer jahrzehntelangen Karriere", so Striegnitz.

Von 1936 bis 1943 drehte Zarah Leander zehn Filme für die deutsche Ufa, alle wurden Kassenschlager. Lieder wie "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n" oder "Der Wind hat mir ein Lied erzählt" sind unvergessen.

In geheimer Mission?

In den Akten des schwedischen Geheimdienstes stieß das Filmteam auf ein brisantes Dokument: "Dort steht, dass die Leander für die Russen spioniert hat", so Striegnitz. Hitlers goldene Stimme, die sich mehrfach mit Propagandaminister Joseph Goebbels traf, eine Agentin Stalins?

Tatsächlich reiste Zarah Leander 1935 mit einer Kulturdelegation nach Russland. 1939 sollen die Russen sie angeworben haben. Striegnitz schränkt ein: "Die Akten verraten wohl mehr über die Zeit als über Leander." Schweden fürchtete damals Russland, jeder Kontakt galt als verdächtig. Auch führte die Leander, ganz Grande Dame, gern das große Wort, erzählte widersprüchliche Geschichten. "Wir glauben, sie sah sich als Künstlerin, die sich um Politik nicht zu kümmern braucht. Als sie 1943 merkte, dass es in Berlin zu Ende geht, reiste sie ab."

In ihrer Heimat war sie geächtet, einsam, litt unter Depressionen. 1947 startet sie von der Schweiz aus eine zweite Karriere – vor allem mit Liedern und Operetten. Bis kurz vor ihrem Tod stand sie auf der Bühne – die ihr Leben war.

Autor: Dagmar Weychardt