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Otto Waalkes im Interview

Die Comedyszene feiert Ottos 50. Bühnenjubiläum mit einer großen TV-Show.
Foto: © ZDF / Sascha Baumann

"Ich brauche den Applaus"

Ein überraschend ernstes Interview mit Otto

Fünfzig Jahre? Das kann nicht sein! Kann es doch: Seit 1965 steht Otto auf der Bühne. Das ZDF feiert den größten deutschen Komiker mit einer besonderen Show: Alle großen Namen der Comedyszene gratulieren dem Vater der Ottifanten in "Otto: Geboren, um zu Blödeln" (Sa., 14.11., 20.15 Uhr, ZDF).

HÖRZU traf ihn zum Exklusiv-Interview in seinem Hamburger Büro. Der 67-Jährige kommt gerade vom Tennisplatz, im Gesicht einen leichten Florida-Teint. Frisch sieht er aus! Auf dem Tisch stehen Früchte und Tee.

Interview mit Otto

HÖRZU: In der ZDF-Show werden Sie von Marius Müller-Westernhagen überrascht. Mit ihm und Udo Lindenberg haben Sie in einer WG gewohnt und schon damals Ottifanten an die Wände gemalt. Was haben die alles gesehen? Sind sie auch mal rot geworden?

Otto: Nein, verfärbt haben Sie sich nicht. Aber ja, sie haben eine Menge gesehen und gehört. In der Villa Kunterbunt war immer was los, mit 14 Leuten haben wir da gewohnt. Wilde Nächte! Es war wahnsinnig, da wurde viel gesündigt. Udo hat sein Schlagzeug aufgebaut und spielte morgens um 4 Uhr. Buff, Bff, Bff!

HÖRZU: Welchen Einfluss hatte das WG-Leben auf Ihre Karriere? Haben Sie sich gegenseitig geprägt?

Otto: Klar, wir haben geprobt und haben in Hamburger Kneipen Musik gemacht, meistens im "Onkel Pö". Es gab vom WDR sogar die Idee zu einer gemeinsamen Fernsehshow mit Udo, Marius und mir. Das Konzept stand, aber dann kam es doch nicht dazu.

HÖRZU: Waren die 1960er und 1970er eine gute Zeit für den Karrierestart?

Otto: Es gab so viele Läden, in denen ich auftreten konnte, um mein Kunststudium zu finanzieren. Es waren die Gründerjahre, Konkurrenz gab es kaum.

HÖRZU: Wie konnte aus dem Musiker Otto Waalkes die Figur Otto werden?

Otto: Ich bin in Clubs aufgetreten und habe Bob Dylan gesungen. Weil ich so nervös war, habe ich meine Musik mit kleinen Scherzen verbunden. Ich habe mich zwischendurch vorgestellt, mich für mein Aussehen entschuldigt, aus Versehen ist mir dann immer noch das Mikrofon runtergefallen. Das fanden die Leute lustig. So hatte ich im Lauf der Zeit immer mehr Wortbeiträge.

HÖRZU: Es war wirklich echte Nervosität?

Otto: Das war kein Kalkül. Das kann man nicht.

HÖRZU: Dann ging alles schnell: erste Auftritte im Audimax und die erste Platte.

Otto: Dabei waren die Plattenfirmen zuerst gar nicht interessiert, weil Witze und Comedy nicht so marktgerecht waren und sie sich das gar nicht vorstellen konnten. Dann haben Hans-Otto (Anm. d. Red.: bis heute Ottos Manager) und ich einen Kredit aufgenommen und alles selbst gemacht, das Cover, die Platte, und sind damit direkt in die Läden gegangen. Als da nur noch Otto-Platten lagen, kamen die Plattenfirmen dann doch noch zu uns, und Hans-Otto hat Mörderdeals gemacht. Ich bin übrigens Otto - wollen wir du sagen?

HÖRZU: Ja, gern. Wie fühlte es sich an, als du in den Siebzigern mit der "Otto-Show" zum Fernsehstar wurdest?

Otto: Wenn die Show lief, bin ich durch die Straßen gelaufen, weil ich mich nicht getraut habe, sie anzuschauen. Die Popularität war wahnsinnig. Das war neu und fremd. 30 Millionen haben eingeschaltet. Verrückt!

HÖRZU: Heute machst du dich rar im TV. Warum?

Otto: Ich habe in letzter Zeit viele Kinofilme gemacht, das kostet Zeit. Fernsehen ist schon toll. Wenn ich ein gutes Konzept habe, mache ich das auch. Allerdings gefällt mir die Quotenorientierung nicht. Dass man nur daran gemessen wird, macht keinen Spaß.

HÖRZU: Was sagst du Kritikern, die meinen, Otto mache seit 30 Jahren immer dieselben Gags?

Otto: Dann waren sie nicht in meiner Show, es sind immer neue Inhalte. Meine Art, der Gang - da bin ich meiner Figur treu. Und wenn mal ein alter Scherz dabei ist: Mit neuen Witzen kann ja jeder Erfolg haben.

HÖRZU: Wenn du dich in den Siebzigern und heute auf der Bühne siehst - welcher Otto gefällt dir besser?

Otto: Ich habe heute ein besseres Timing und ich bin schneller geworden. Die Routine bringt es mit sich, dass ich schneller Überleitungen finde und die Gitarre besser schnell spielen kann.

HÖRZU: Dein Sohn arbeitet hinter den Kulissen mit. Wie beeinflusst er deine Arbeit?

Otto: Er ist der Kritiker. Ich spiele ihm vor, male etwas und zeige es ihm. Er ist der Vertreter seiner Generation. Wir spielen auch zusammen Tennis und reisen.

HÖRZU: Sind Kinder ein Geschenk des Lebens?

Otto: O ja. Meine Erfahrung ist: Wenn die Kinder in der Pubertät sind und so richtig durchflippen, dann bringt der Konflikt nichts, weil du immer im Recht bist. Du fragst: Soll ich dir was zu essen machen? Und du hörst: "Papa, du nervst!" In solchen Situationen bin ich weggegangen. Nach einer Weile besinnen sie sich und kommen zu dir: "Eigentlich hätte ich ein bisschen netter sein können." Aber sie sind hormongesteuert und nicht Herr ihrer selbst. Wenn du das einsiehst, kommen sie immer wieder.

HÖRZU: Erleben wir auf der Bühne den echten Otto Waalkes oder die Figur Otto?

Otto: Ich bin so, wie ich bin, ich kann mich nicht verstellen. Das ist das Tolle, deswegen strengt es mich auch nicht so an. Hollederidiii, ja, haha. Wirklich, das macht mir Spaß. So bin ich einfach. Das kommt von zu Hause. Ich komme aus einer heilen Familie.

HÖRZU: Wurde bei euch viel gelacht?

Otto: Sehr viel. Meine Mutter war gläubig und fromm und mein Vater eher weltlich. Da gab es diese kleinen Scherze auf Kosten der Mutti, aber sie hat auch immer mitgezogen. Ich habe meine Eltern sehr geliebt. Sie sind 85 geworden, ich vermisse sie sehr. Es tut weh, ich muss auch immer wieder mal anfangen zu weinen.

HÖRZU: Denkst du selbst auch über den Tod nach?

Otto: Ich habe immer über den Tod nachgedacht, ich möchte nur selbst nicht dabei sein. Nein, natürlich habe ich mir oft schon meine Gedanken gemacht. Wenn das Knie weh tut, denke ich: Ist das ein Zeichen des Alters? Das ist neu, seit ich 60 bin, das ist ganz eigenartig. Aber dann sehe ich, wie die Rolling Stones noch auf der Bühne tanzen. Vielleicht sind die heutigen Sechziger die neuen Fünfziger.

HÖRZU: Was haben eigentlich deine Eltern zu deiner Karriere gesagt? Waren sie stolz?

Otto: Am Anfang war meine Mutter sehr dagegen. Sie wurde in ihrer Gemeinde auf meine Kirchenparodien angesprochen und fragte mich dann: "Junge, was machst du denn da?" Mutti, das sind nur Parodien, habe ich geantwortet. Mehr konnte ich dazu nicht sagen. Als ich meinen Eltern von meinem ersten Geld ein Haus gekauft habe, haben sie gesagt: "Junge, mach weiter so!"

HÖRZU: Jeder kennt Otto. Kann das nerven?

Otto: Nein, überhaupt nicht. Neulich war ich in München auf dem Stachus, da stand eine Menschenmenge, und einer rief ganz laut. Plötzlich drehten sich alle um und schauten mich an. Vielleicht hätte ich nicht so laut rufen sollen. Den Scherz mache ich immer wieder. Daran merke ich, dass ich die Fans richtig brauche, den Applaus. Die Bestätigung, dass das Publikum mich mag.

HÖRZU: Worauf können sich die Fans freuen? Hast du neue Projekte in Planung?

Otto: Bully Herbig und ich arbeiten gerade an einem Konzept für einen neuen Kinofilm. Wir saßen in der letzten "Wetten, dass ..?"-Sendung zusammen auf dem Sofa, und das hat toll funktioniert. Das war spontan und gut. Da haben die Leute gesagt: "Macht doch mal was zusammen." Bully ist ein guter Typ.

HÖRZU: Wenn du zurückblickst - welche Phase deiner Karriere war am schönsten?

Otto: Die erlebe ich jetzt, mit der Malerei. Das ist für mich unglaublich. Ich bin eigentlich immer entspannt, auch auf der Bühne, aber die Malerei ist eine echte Bereicherung.

Autor: Mirja Halbig