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Ein grosser Aufbruch im ZDF

Die beiden Schwestern Marie (Ina Weisse, r.) und Charlotte (Katharina Lorenz, l.)
ziehen sich auf dem Steg am See zu einer gemeinsamen Aussprache zurück.
Foto: © ZDF / Walter Wehner

Brillantes TV-Drama mit Matthias Habich

"Ein großer Aufbruch" geht bis an die Schmerzgrenze

Wenn die Familie von Matthias Habich sich trifft und über alte Zeiten spricht, "gibt es immer mindestens vier Wahrheiten", erzählt der Schauspieler. "Ich bin mit drei Brüdern aufgewachsen, und natürlich hat jeder eine völlig eigene Sicht der Dinge, erst recht in der Erinnerung."

Der 75-Jährige, der locker zehn Jahre jünger wirkt, bringt auf den Punkt, was auch das zentrale Motiv des neuen Fernsehdramas "Ein großer Aufbruch" (Mo., 16.11., 20.15 Uhr, ZDF) ist: die geradezu schmerzhaft gegensätzliche Wahrnehmung der Familienmitglieder und des befreundeten Ehepaars, wenn es um die gemeinsam verbrachten Jahre in Afrika geht.

Abrechnung mit dem Vater

Holm, der Vater, hat dort in den 70ern als Ingenieur für die Entwicklungshilfe gearbeitet, seine Frau Ella als Ärztin. Das ist mehr als 30 Jahre her - und doch hat jene Zeit das Leben aller geprägt. Nun wurde bei Holm Krebs diagnostiziert, und er beschließt, in der Schweiz Sterbehilfe anzunehmen. Mit einem letzten großen Auftritt will er sich von der Familie verabschieden, um bei einem üppigen Mahl mit Pastetchen, Reh und Wein noch mal sein "wundervolles, großartiges Leben" Revue passieren zu lassen. Doch der Abend wird zu keinem wehmütigen, gefühlvollen Familientreffen, sondern zur Abrechnung mit dem Vater. "Dein Leben war ein Fiasko", schleudert ihm die ältere Tochter Marie entgegen. Angeblich verheilte alte Wunden brechen auf, und höchst schockierende Geheimnisse bleiben nicht länger verborgen.

Elegische Bilder vom Chiemsee konterkarieren die messerscharfen Dialoge dieses Kammerspiels, das zu 80 Prozent rund um den Esstisch spielt. Regisseur Matti Geschonneck kennt sich in jedem Genre aus, hat auch viele Krimis gedreht. Doch den Ensemblefilm, bei dem sämtliche Figuren gleichwertig sind, beherrscht er virtuos. Niemand sagt Nein, wenn er ruft. Üblicherweise tragen ein, zwei Stars einen Film - hier sind es gleich sieben. Wobei Matthias Brandt, einer der bestbezahlten und meistgebuchten der Branche, sich mit der kleinsten Rolle begnügt.

Weshalb gerade diese Besetzung?

Geschonneck: "Für mich war klar, dass Matthias Habich Holm spielen muss, mit ihm habe ich vor Jahren 'Silberhochzeit' gedreht. Mit Edgar Selge und Ulrike Kriener, die besten Freunde, sollten es einfach sein. Fehlte nur noch Matthias Brandt."

Letzterer gibt den verhaltenen Außenseiter, den Schwiegersohn in spe, brillant. Am überraschendsten aber ist, wie der Angst vor dem Tod mit feinem Dialogwitz und sogar Lachen begegnet wird. Bei der Erstaufführung auf dem Hamburger Filmfest Anfang Oktober gab es dafür stehenden Applaus. Dass es am Ende auch noch versöhnlich wird, findet Matthias Habich logisch: "Familien sind so. Da gibt es Höhen und Tiefen, Liebe und Streit. Das muss man aushalten. Und das kann man auch".

Autor: Sabine Ulrich