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Beengtes Leben: Die Bodenhaltung sieht neun Hühner pro Quadratmeter vor.

Beengtes Leben: Die Bodenhaltung sieht neun Hühner pro Quadratmeter vor. - Foto © picture alliance / dpa

Themenabend auf Arte am 30.07.

Dürfen wir Tiere essen?

Der Fleisch-Wahnsinn: Der weltweite Fleischverbrauch steigt von Jahr zu Jahr. Doch Experten warnen vor den ökologischen Folgen der globalen Viehwirtschaft. Themenabend mit zwei Dokus zu Fleischproduktion und Vegetariern am 30.07.2013, 20:15 Uhr, Arte.

Vier Rinder, vier Schafe, zwölf Gänse, 37 Enten, 46 Schweine, 46 Puten und 945 Hühner – 1094 tote Tiere pro Bundesbürger. Denn so viel Fleisch verspeist der Durchschnittsdeutsche im Lauf seines Lebens. Für 85 Prozent der Bevölkerung gehört Fleisch täglich oder zumindest mehrmals pro Woche auf den Tisch. Seit 1950 hat sich der Verzehr hierzulande weit mehr als verdoppelt:

61 Kilo Fleisch aß jeder Deutsche im Jahr 2011. Den höchsten Konsum gab es in den 80er-Jahren. Rind kommt hierzulande inzwischen seltener auf den Tisch, dafür zog der Geflügelverbrauch stark an.

Fast 1,2 Kilogramm Fleisch und Wurst isst jeder Bundesbürger pro Woche. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt nur 300 bis 600 Gramm, da ein hoher Fleischkonsum die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs begünstigt. Das lässt sich derzeit etwa in China beobachten. Denn während der Fleischverzehr in den Industrieländern seit Jahren stagniert oder abnimmt, steigt er in den Entwicklungs- und Schwellenländern stark an – und geht dort mit der Zunahme von Zivilisationskrankheiten einher.

Tiere brauchen Futter

Die globale Fleischeslust birgt jedoch nicht nur gesundheitliche Risiken, sie bedroht unseren Planeten. Hielte der derzeitige Trend an, würde sich der weltweite Fleischkonsum bis 2050 verdoppeln. Das Problem: Nach Angaben des WWF beansprucht die Tierhaltung bereits heute fast 80 Prozent aller landwirtschaftlich genutzten Flächen. Ein Drittel des weltweiten Ackerlandes dient dabei der ausschließlichen Produktion von Futtermitteln: Getreide, Raps, Mais und zunehmend Soja. Tendenz steigend.

Bioschweine

Glückliche Schweine: Biologisch gehaltene Tiere verursachen deutlich weniger Emissionen und tun der Umwelt gut. - Foto © picture alliance

Grund ist die zunehmende Stallhaltung. Fraßen Nutztiere früher Gras oder Heu, werden sie heute in auf Effizienz getrimmten Massenbetrieben ohne Auslauf und Tageslicht mit Kraftfutter zur Schlachtreife gemästet. Das aber bedeutet eine irrwitzige Verschwendung von Nahrungsenergie: Für eine Kalorie Rindfleisch werden zehn Kalorien Getreide verfüttert! Beim Schwein beträgt das Verhältnis eins zu drei, beim Huhn eins zu vier. Experten prognostizieren, dass das Schlachtvieh im Jahr 2050 ebenso viel Pflanzennahrung braucht wie vier Milliarden Menschen – ein Schreckensszenario, weil es dafür nicht genug Fläche gibt.

Doch die Fleischproduktion vergeudet weitere wertvolle Ressourcen. Ganze 70 Prozent des weltweit verfügbaren Süßwassers fließen derzeit in die Landwirtschaft, ein Drittel davon in die Nutztierhaltung. Bewässerung des Futters, Trinkwasser, Stallreinigung – berücksichtigt man alle Faktoren, verschlingt die Herstellung von einem Kilo Rindfleisch mehr als 15.000 Liter Wasser, die von einem Kilo Schweinefleisch 10.000 Liter. Zum Vergleich: Für ein Kilo Kartoffeln braucht man nur 255, für ein Kilo Reis 2500 Liter. Ein bedenkliches Verhältnis angesichts der Tatsache, dass die Ressource Wasser durch Bevölkerungswachstum und Klimawandel immer knapper wird.

Klimakiller Fleisch

Zusätzlich belastet die Viehwirtschaft das Wasser: Gülle und Düngemittel, aber auch Pestizide und die in der Massentierhaltung intensiv eingesetzten Antibiotika hinterlassen Schadstoffe im Grundwasser. Das Klima leidet ebenfalls. Zwar variieren die Zahlen je nach Bemessungsgrundlage – unstrittig ist aber, dass durch die Viehhaltung Treibhausgase freigesetzt werden. Der WWF geht davon aus, dass die Viehwirtschaft 18 Prozent aller Treibhausgasemissionen verursacht – das ist mehr als der gesamte Transportsektor.

Mitverantwortlich ist der hohe Methanausstoß von Wiederkäuern wie Rindern oder Schafen. Die meisten klimarelevanten Emissionen sind aber auf die Rodung von Wäldern zugunsten des Futtermittelanbaus und die Stickstoffdüngung zurückzuführen. Als Faustregel kann man davon ausgehen, dass die Herstellung tierischer Lebensmittel etwa zehnmal so viel Treibhausgase freisetzt wie die pflanzlicher Produkte.

Doch niemand muss gleich Vegetarier werden, um die Welt zu retten. Schon mit dem Griff zu Biofleisch ist viel getan, da die Futtermittel in der ökologischen Landwirtschaft deutlich weniger Emissionen verursachen. Weiterer Pluspunkt: Der Konsument weiß, dass das Tier artgerecht gehalten wurde. Aber auch eine Reduzierung des Fleischkonsums ist aktiver Umweltschutz: Würde jeder Bundesbürger nur einmal pro Woche auf Fleisch verzichten, könnten laut WWF jährlich rund neun Millionen Tonnen Treibhausgase verhindert werden. Das entspricht 75 Milliarden Autokilometern.

Autor: Judith Heisig