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Rainer Voss im Dokumentarfilm Der Banker

Rainer Voss, einer der ehemals führenden Investmentbanker Deutschlands. - Foto:HR / © HR/bauderfilm

Machenschaften in der Finanzwelt

Dokumentarfilm: "Der Banker"

Gefährliche Millionendeals, Größenwahn & Gier: die spannende Beichte eines Insiders aus dem Investmentbereich.

Am Anfang ist es wie ein Traum: Mit einem kleinen Koffer kommt Rainer Voss am Münchner Hauptbahnhof an. Der junge Mann aus einfachen Verhältnissen sucht einen Job und heuert bei einer Bank an. Innerhalb kürzester Zeit gelingt ihm ein rasanter Aufstieg als Investmentbanker. Noch keine 30 Jahre alt, jongliert er mit Millionen.

In dem Dokumentarfilm "Der Banker: Master of the Universe" erzählt Rainer Voss, in den 80er-Jahren einer der führenden Investmentbanker in Deutschland, von den Abgründen und der Skrupellosigkeit der Finanzwelt, von der maßlosen Gier und der unerbittlichen Härte des Geschäfts, denen er schließlich selbst zum Opfer fällt.


TV-Tipp

Di, 17.06: "Der Banker: Master Of The Universe", Dokumentarfilm über die Machenschaften in der Finanzwelt; Arte, 22.55 Uhr (s. auch TV-Tipps rechts)


"Als ich anfing, war in Deutschland alles reguliert. Es lief ruhig und harmlos, ein kuscheliger Kapitalmarktzoo", sagt Voss. Mitte der 80er-Jahre begann eine Privatisierungswelle, Auslandsbanken wurden zugelassen. "Plötzlich tauchten Banker aus den USA auf und erklärten uns, wie der Kapitalmarkt funktioniert. Wir hingen an den Lippen, das waren gottgleiche Wesen für uns." Voss war einer der jungen Wilden, die ihre Chancen erkannten. Er besuchte Seminare bei US-Bankern, die wirkten wie Gordon Gekko aus dem Film "Wall Street". Schnell profilierte er sich gegen die Traditionalisten: "Wir hatten Herrschaftswissen und galten als Experten, weil wir mit ComComputern umgehen konnten."

Finanzinnovationen

Das Schlagwort der Stunde hieß "Finanzinnovationen". Dabei geht es darum, ständig neue Finanzprodukte zu erfinden, deren einziger Sinn es ist, viel Geld zu verdienen. Der Zweck heiligt die Mittel, die unersättliche Gier treibt Banker und Anleger zum Höhenrausch. "Es entstand ein Gefühl von Größenwahn. Plötzlich hast du das Gefühl, du kannst die Welt verändern." Doch es bleibt eine Scheinwelt: "Das ist ein geschlossenes System, man entfernt sich immer weiter von der Wirklichkeit."

Wer mitspielt, muss bedingungslos loyal und gehorsam sein – und bereit, rund um die Uhr zu arbeiten: "Man muss sein Leben in den Dienst der Institution stellen. Letztlich ist es wie bei der Armee." Die Familie und das Privatleben blieben bei Rainer Voss irgendwann auf der Strecke. Und auch das Gewissen: "Man macht sich keine Gedanken darüber, ob die Deals irgendwelche Auswirkungen auf die Welt da draußen haben." Nach seinem Ausstieg sieht er klarer: "Da sind solche Geldsummen unterwegs, mit denen man inzwischen auch Länder angreifen kann."

Finanzkrisen, Banken- und Staatspleiten

Alte Börsenregeln haben längst ausgedient: "Vor 20 Jahren betrug die Haltedauer einer Aktie im Durchschnitt vier Jahre. Heute sind es 22 Sekunden." Das Rad dreht sich immer schneller, die Finanzkrisen wachsen in neue Dimensionen, Banken- und Staatspleiten nehmen zu. Als Nächstes sieht Voss Frankreich in Gefahr. Doch der Wahnsinn findet kein Ende. Denn für die Schäden kommen die Steuerzahler auf. "Finanzmärkte lernen nicht aus Krisen." Die Spirale dreht sich einfach weiter. Trotz der Pleiten machen Finanzjongleure fette Geschäfte. Kürzlich wurde vermeldet, dass der US-amerikanische Hedgefondsmanager David Tepper rund zehn Millionen US-Dollar verdient – pro Tag!

Autor: Thomas Kunze