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Sebastian Rudolph in der Rolle von Rudolf Augstein in Die Spiegel-Affaere

Sebastian Rudolph in der Rolle von Rudolf Augstein in der TV-Verfilmung "Die Spiegel-Affäre". Foto: © BR/Wiedemann & Berg/Stephan Rabo

TV-Verfilmung des Politskandals

"Die Spiegel-Affäre" im TV

Der Streit um kritische "Spiegel"-Artikel 1962 war eine Zerreißprobe für die junge Demokratie.

Der Artikel ist gespickt mit Details und zäh zu lesen. Er erscheint am 12. Oktober 1962 im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" und zündet wie eine Bombe. "Bedingt abwehrbereit", lautet die Überschrift. Autor Conrad Ahlers belegt aufgrund des Nato-Manövers "Fallex 62" akribisch, dass die Verteidigungskraft der Bundeswehr zugunsten nuklearer Rüstung vernachlässigt worden ist: "Eine Vorwärtsverteidigung der Bundeswehr ist nicht möglich, eine wirksame Abschreckung bleibt fraglich."

Der Artikel ist eine Ohrfeige für Verteidigungsminister Franz Josef Strauß – weshalb seine Seilschaften sofort die Staatsanwaltschaft alarmieren. Vorwurf: Landesverrat! Was in den nächsten Wochen und Monaten geschieht, wird die Bundesrepublik erschüttern.

Die ARD zeigt "Die Spiegel-Affäre" jetzt als Politthriller und Duell zweier Alpha-Tiere. Denn der Machtkampf zwischen Strauß und "Spiegel"-Chef Augstein eskaliert.


TV-Tipp

Mi 7.5., "Die Spiegel-Affäre", Das Erste, 20.15 Uhr
Verfilmung des Polit­skandals von 1962. Mit Francis Fulton-­Smith (s. auch TV-Tipps rechts)


Wenige Tage nach Erscheinen des Heftes fällt die Staatsgewalt in das Pressehaus am Hamburger Speersort ein: Redaktionsräume werden durchsucht, Akten und Unterlagen beschlagnahmt. Mehrere Redakteure verschwinden in U-Haft, das Erscheinen des Blattes hängt an einem seidenen Faden. "Die Kapitaldecke war seinerzeit dünn", erinnert der damalige Chefredakteur Claus Jacobi. "Wären nur einige Nummern nicht erschienen, hätte das das Aus bedeutet."

Strauß gegen Augstein

Was damals ablief, beleuchtet der Fernsehfilm aufgrund einer exzellenten Faktenlage. Er konzentriert sich dabei auf die beiden Machtmenschen Rudolf Augstein (Sebastian Rudolph) und Franz Josef Strauß (Francis Fulton-Smith), die sich in der Affäre feindselig wie Feldherren gegenüberstehen.

Der "Spiegel"-Herausgeber will Strauß als möglichen Nachfolger von Adenauer verhindern, der Bayer wiederum scheut keine Intrige, um den missliebigen Medienzaren im Norden zu Fall zu bringen. Sebastian Rudolph über seine Rolle als Augstein: "Ich wollte diese Mischung darstellen: charmanter Ehrgeiz und gleichzeitig die Verbissenheit eines Menschen, der um alles in der Welt seine Erkenntnis durchsetzen will."

Fulton-Smith über seine Innenansicht von Strauß: "Er war Adenauers Kronprinz, als brillanter Kopf auserwählt. Aber dann hat er sich vergaloppiert – komplett." Die Affäre spitzt sich zu, als "Spiegel"-Autor Conrad Ahlers auf Betreiben von Strauß mitten in der Nacht im Spanien-Urlaub verhaftet wird. Es sei "Gefahr im Verzuge", hatte Strauß dem dortigen Militärattaché weisgemacht.

Ein Sieg der Pressefreiheit

Jetzt geschieht, womit niemand gerechnet hat: Tausende gehen auf die Straße und demonstrieren. Selbst die Konkurrenten am Ort, darunter der konservative Axel Springer Verlag, zeigen sich solidarisch und stellen ihre Archive zur Verfügung, um die Produktion des "Spiegel" sicherzustellen. Für die junge Demokratie wird die Affäre zu einer Nagelprobe. Sie endet mit einem Sieg der Pressefreiheit. Strauß muss zurücktreten. Ein Jahr später wird auch die Ära Adenauer beendet sein. Augstein wird im Februar 1963 aus der Untersuchungshaft entlassen, das Ermittlungsverfahren 1965 aus Mangel an Beweisen eingestellt.

Wie wichtig eine freie Presse ist, zeigt sich bis heute – zuletzt durch die Aufdeckung des NSA-Überwachungsskandals. Astrid Frohloff von "Reporter ohne Grenzen": "Journalisten kümmern sich jetzt weltweit um die Aufarbeitung des Materials. Nur so erfahren wir, wie die Geheimdienste auch normale Bürger überwachen." Dass dies möglich ist, verdanken wir auch dem Kampf von 1962.

Autor: Angela Meyer-Barg