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Die Seelen im Feuer ZDF

"Die Seelen im Feuer": Geschunden wird Johanna (Silke Bodenbender, re.) aus ihrer Haft
entlassen. Cornelius (Mark Waschke, li.) wartet vor dem Malefizhaus (Hexengefängnis)
auf sie. Foto: ZDF/Erika Hauri

Eine Stadt im Hexenwahn

"Die Seelen im Feuer"

Bamberg, Mitte des 17. Jahrhunderts: Eigentlich will der Wiener Arzt Cornelius Weinmann (Mark Waschke) nur kurz haltmachen in seiner Heimatstadt. Doch dann läuft er dort seiner Jugendliebe über den Weg, der schönen Apothekerstochter Johanna (Silke Bodenbender), und verliebt sich erneut in sie. Das Glück des jungen Paars wird jedoch von einer finsteren Macht bedroht: Kein Geringerer als der gefürchtete "Hexenkommissar" Herrenberger (Axel Milberg) will Johanna auf dem Scheiterhaufen brennen sehen – genau wie Tausende weiterer unschuldiger Frauen.

Beim Versuch, die Liebe seines Lebens zu retten, gerät auch Cornelius in die Fänge der Inquisition. Zuerst wird das Paar von Herrenbergers Schergen gefoltert, dann droht der Tod durch Verbrennen. Die packende Geschichte des Films "Die Seelen im Feuer" (Mo., 2.3., 20.15, ZDF, s. auch TV-Tipps rechts) ist zwar Fiktion, beruht aber auf historischen Tatsachen: Unter Papst Innozenz VIII. wird "Hexerei" erstmals genau definiert und systematisch verfolgt. Unter seiner Ägide veröffentlicht der Dominikaner Heinrich Kramer 1486 die Schrift "Malleus Maleficarum", ein Sammelsurium aller gängigen Vorurteile gegen "Hexen".

Im Bann des "Hexenhammers"

Vor allem Frauen, so seine Einschätzung, seien empfänglich für satanische Einflüsse. Durch den Buchdruck wird Kramers Werk, im Volksmund auch der "Hexenhammer" genannt, schließlich in ganz Europa verbreitet. Zwischen 1612 und 1630 erreicht die Hexenverfolgung ihren Höhepunkt – auch im biederen Bamberg. Dort werden um die 1000 Frauen und Männer als Hexen oder Hexer verbrannt. "Auftraggeber dieser Vernichtungswelle war kein Geringerer als der weltlich-geistige Herrscher jener Zeit: Fürstbischof Fuchs von Dornheim, eine Marionette in den Händen des fanatischen katholischen Weihbischofs Friedrich Förner", erklärt Historikerin Sabine Weigand, auf deren gleichnamigem Bestseller der TV-Film basiert.

Weigand beruft sich auf über 800 Verhörprotokolle, Geständnisse, Anklageschriften, Testamente und Urteile – Zeugnisse der Zeit, die noch immer in den Bamberger Archiven lagern. Es sind Dokumente des Grauens. Die vermeintlichen Hexen wurden damals als irdische Hilfstruppen des Teufels angesehen und systematisch zu Tode gequält. Opfer des Hexenwahns waren anders, als es späteren Generationen überliefert wurde, keineswegs nur rothaarige Menschen. Es waren auch nicht auschließlich Heilerinnen, Hebammen oder Kräuterkundige. "Zwar waren Frauen, die sich damals berufsbedingt mit Krankheit und Tod beschäftigten, potenzielle Opfer", erklärt Sabine Weigand, "doch treffen konnte der Fluch der Hexenverfolgung jeden Bürger, egal welchen Standes, Geschlechts oder Alters!"

Hexenverfolgung: Der Fluch konnte jeden treffen

"Hexen" und "Hexer" wurden immer öfter als Schuldige für alle möglichen Alltagsprobleme ausgemacht: War beispielsweise die Ernte durch eine extreme Wetterlage gefährdet – wie durch die Kältewelle im Jahr 1628, als es im Sommer hagelte – waren garantiert "Hexen" verantwortlich für diese Naturkatastrophe. Besonders perfide: Um in die Fänge der Inquisition zu geraten, reichte es aus, dass der eigene Name "eingesagt" wurde. Ärgerte sich ein braver Bürger über die verfaulten Kartoffeln in seinem Garten, konnte er behaupten, unliebsame Nachbarn hätten die Pflanzen verhext.

Die Unschuldigen wurden dann verhaftet und so lange gefoltert, bis sie die Namen weiterer "Hexen" preisgaben. "Dabei glaubten die Hexenkommissare tatsächlich, dass das Böse existent sei", erläutert Historikerin Sabine Weigand. "Für sie waren Hexen eine feststehende Tatsache." Gleichzeitig profitierten die Inquisitoren aber auch von den Verhaftungen: Immer öfter ließ sich Fürstbischof Fuchs von Dornheim als Erbe der Exekutierten einsetzen, ihr Eigentum ging an ihn über. Erst im Jahr 1631 wurde dem Spuk ein Ende gesetzt: Der Fürstbischof floh aus Bamberg und starb mit nur 46 Jahren im österreichischen Exil. Bis dahin jedoch hatte er den kompletten Stadtrat als Hexer töten lassen – und ihn anschließend beerbt.

Autor: Mike Powelz