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Weimaraner Finn und Dr. Nicole Rebenbeck (Liana Forestieri)

Die Quote entscheidet: Gehen Weimaraner Finn und Schauspielerin Liana Forestieri mit ''Mantrailer'' in Serie? / Foto: © RTL / Hardy Spitz

Geht ''Mantrailer'' nach der Pilotfolge in Serie?

Die Quote im Blick: So entsteht ein Fernseh-Hit

Man nehme einen Star, exotische Kulissen, ein paar überraschende Wendungen – fertig ist der TV-Knüller? Wenn es doch so einfach wäre. "Mit zwei Menschen, die sich vor einem Sonnenuntergang auf Hawaii in die Arme fallen, können sie heute keine Katze mehr hinterm Ofen hervorlocken", sagt ZDF-Fiktion-Chefin Heike Hempel. TV-Macher müssen Trends erspüren und Zuschauerforschung betreiben. Bevor eine Idee sendefertig ist, vergehen oft Jahre. Selbst bei sorgfältigster Vorbereitung ist der Erfolg nicht garantiert.

In dieser Woche startet RTL den Pilotfilm zur Krimiserie ''Mantrailer''. Ihr Star: ein Spürhund. Ein Risiko, wie immer. Nur wenn der Marktanteil bei 17 Prozent liegt, geht das Format in Serie. Wie versuchen die Sender, Hits zu landen? Die wichtigsten Fragen:

> Woher kommen die Ideen?
TV-Redakteure schwärmen jedes Jahr aus und besuchen Programmmessen in den USA, in Großbritannien und Skandinavien. Viele Formate sind Adaptionen. "Mantrailer" etwa hat ein amerikanisches Vorbild. Aber auch deutsche Autoren reichen Drehbücher ein.

Der Geschmack der Zuschauer wandelt sich ständig: Die Serie "Dallas" etwa, in den 80ern im Ersten ein Hit, wurde mit neuen Folgen bei RTL zum Flop. Diana Schardt, Pressechefin Sat.1. und stolz auf die Vorzeigeserie "Danni Lowinski": "Wir müssen auf eine eigene deutsche Serienidentität setzen und nicht das kopieren, was uns die USA vorgeben." Serien gelten als wichtiges Bindemittel. "Die Identifikation mit einem Sender funktioniert am besten über deutsche Serien", weiß auch Produzent Michael Esser von Phoenix-Film.

> Nach welchen Kriterien werden Schauspieler besetzt?
Sie sollen zur Rolle passen und die Zuschauer zum Einschalten bewegen. Konsequenz: Wenn Stars wie Veronica Ferres, Christine Neubauer, Iris Berben oder Heino Ferch mitspielen, ist ein Erfolg fast schon garantiert.

Andererseits wollen gerade die öffentlichrechtlichen Sender, also ZDF und ARD, auch neue Gesichter entdecken. Deshalb bekam Theaterstar Caroline Peters eine Chance in "Mord mit Aussicht", deshalb spielten im ZDF-Großprojekt "Unsere Mütter, unsere Väter" völlig unbekannte junge Darsteller mit.

> Welche Themen sind aktuell?
Das Fernsehen will die gesellschaftliche Entwicklung begleiten, die Zuschauer sollen sich mit ihren Lebensthemen wiederfinden. Beispiel: 1973 trat mit Katinka Hoffmann die erste weibliche TV-Kommissarin ihren Dienst an, heute wimmelt es von weiblichen Ermittlern. Gut vertreten sind auch alleinerziehende oder geschiedene Mütter und Väter, Filme über Mobbing, Burnout, Datenklau oder Integration.

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Abschied vom ''Marienhof'': Das Erste stellte die Daily Soap mit Viktoria Brams nach Folge 4053 im Februar 2011 endgültig ein. / Foto: © ARD/Jo Bischoff

Manche Fomate dagegen haben sich überlebt: Die ARD kippte "Marienhof", das Zweite "Forsthaus Falkenau" und den "Landarzt". Heike Hempel vom ZDF: "Es geht auch darum, Sicherheitszonen zu verlassen. Dafür zahlt der Zuschauer Gebühren."

> Wie wichtig ist die Quote?
Immer wichtiger. Vor allem bei den Privatsendern, die sich über Werbung finanzieren. Werbespots kosten viel Geld und werden deshalb bevorzugt in einem quotenträchtigen Programmumfeld platziert. Bei RTL, Pro7, Sat.1 und anderen Privatkanälen wird auch darauf geachtet, dass die Zuschauer nicht zu alt sind: Besonders die Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen gilt als konsumfreudig und ansprechbar für Werbebotschaften.

Aber auch ARD und ZDF wollen den Zuschauererfolg. Dass das ZDF-Flaggschiff "Wetten, dass ..?" bei der letzten Ausgabe im März nur noch 7,43 Millionen Zuschauer holte (früher bis zu 11 Millionen), gilt intern als Katastrophe.

> Wieso schafft es gerade der Krimi "Mantrailer" auf den Schirm?
Dass ein Hund Verbrecher jagt, ist nicht neu. "Kommissar Rex" ermittelte einst bei Sat.1, später im ZDF. Der RTL-Pilotfilm "Mantrailer" will sich aber deutlich vom betulichen Vorbild absetzen.

Neu ist, dass der Spürhund viel feinere Spuren aufnimmt. Neu ist auch der Look: Als Hauptdarsteller wurde statt eines Schäferhundes der Weimaraner Finn ausgesucht. "Ein sehr hübscher Hund, den man auch mit jungen Frauen in Berlin-Mitte assoziiert", so Produzent Michael Esser. "Da denkt keiner mehr an Förster Willy auf dem Brocken."

> Warum gibt es bei RTL-Krimis immer so viel Action?
Erstens soll ein junges Publikum angesprochen werden, das Action liebt. Zweitens werden Actionszenen für die Trailer benötigt, die als Anheizer eingespielt werden. Das Problem bei "Mantrailer": Verfolgungsjagden im Auto sind bei einem Spürhund als Serienstar ausgeschlossen.

Stattdessen gibt es nun reichlich Explosionen. Laut Drehbuch wurde Hauptdarsteller Finn einst durch eine Explosion traumatisiert. In der Pilotfolge spitzt sich die Lage zu: Wird er sein Trauma überwinden, um sein Frauchen zu retten?

> Haben sich die Fernsehmacher schon mal geirrt?
Natürlich! Das tun sie ständig. Misserfolge gehören zur Geschichte des Fernsehens. Im ARD-Vorabend fiel die Talkshow "Gottschalk Live" genauso durch wie die Schwaben-Krimis "Fuchs und Gans" oder eine Styling-Show mit Bruce Darnell. Die RTL-Serie "Die 25. Stunde" wurde überhaupt nie ausgestrahlt. Sat.1. versendete vor ein paar Jahren eine Friseurserie – ein Riesenflop: "Bis in die Spitzen."


Sendehinweis: ''Mantrailer – Spuren des Verbrechens''

Pilotfilm zur neuen Krimiserie um Spürhund Finn
DO, 25.4., RTL, 20.15 Uhr

Autor: Angela Meyer-Barg