HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Die Deutsche Bahn verärgert ihre Kunden mit Verspätungen und Ausfällen.

Zug der Deutschen Bahn am Ruhr-Viadukt / Foto: www.piqs.de / Fotograf: Knipsermann, CC (Some rights are reserved.)

HÖRZU-Umfrage zur Kundenzufriedenheit

Die Pannen der Deutschen Bahn

Exklusive Hörzu-UmfrageEs war kein schöner Zug der Bahn: Eigentlich wollten Bernd und Gisela Knoth nur von München nach Köln reisen. Mit dem ICE. Und einer Platzreservierung. Als sie am 13. Februar 2010 um 11.23 Uhr ihren Wagen bestiegen, ahnten sie noch nichts von der bevorstehenden Odyssee. "Zuerst", so Bernd Knoth, "fehlte unser Abteil, trotz Platzreservierung. Der ICE kam nur als Kurzzug." Die Folge: totale Überfüllung. Statt Wagen anzuhängen, ließen die Schaffner in Augsburg und Ulm noch mehr Reisende zusteigen. Beim nächsten Stopp forderte der Bahnführer alle Passagiere ohne Sitzplatz auf, den Zug zu verlassen. Ob im Rollstuhl oder mit Kleinkindern, die Kunden mussten bei minus fünf Grad raus in die Kälte.

Für das Ehepaar Knoth ging es weiter Richtung Stuttgart – im Kriechtempo, weil der ICE angeblich "zu schwer" war. Nach erneutem "Rausschmiss" von Passagieren endlich leicht genug, ging’s mit immenser Verspätung weiter Richtung Frankfurt. Als kleine Entschuldigung versprach die Bahn jedem ein Gratis-Getränk im Bistro – was nur wenige in Anspruch nehmen konnten, da durch überfüllte Gänge kaum einer das Bistro erreichte. Immerhin: Die Knoths kamen an.

Anders als Sabine Bous. Sie wollte am 22. Dezember 2009 per Regionalexpress 7 von Köln-Deutz nach Leverkusen-Opladen. Eine Fahrt von 14 Minuten. Plötzlich jedoch hielt ihr Zug außerplanmäßig in Köln-Mülheim, ohne dass sich Türen öffneten. Dann verkündete der Bahnführer: "Wir ändern unsere Richtung – und fahren nach Düsseldorf." Bous stockte der Atem: Düsseldorf war fast 60 Kilometer vom fast erreichten Ziel entfernt! "Statt mich in Mülheim aussteigen zu lassen, von wo ich noch nach Opladen gekommen wäre, beharrte der Schaffner darauf, die Tür nicht öffnen zu dürfen", so Bous. Von Düsseldorf aus musste sie zurückreisen – und stellte der Bahn die Kosten in Rechnung. Antwort der Beschwerdeabteilung: "Kein Anspruch." Erst nach dem zweiten Brief gab’s als Entschädigung einen Fahrgutschein, Wert: 30 Euro. Doch der ließ sich nicht einlösen: Die Gutscheinnummer wurde nicht akzeptiert.

Unternehmen Zukunft. Unternehmen Geisterbahn? Inzwischen gibt es in Deutschland sogar Bahnkunden, die ein Zug-Tagebuch führen – wie der Manager einer Firma, der aus Gründen des Umweltschutzes mit einer Bahncard 50 durch Deutschland reist. "Nach einem Jahr in Zügen beschloss ich, meine häufig ärgerlichen Erlebnisse festzuhalten", erzählt Geschäftsführer Lothar Goecke. Sein Fazit: Von den bislang 25 Fahrten im Jahr 2010 gab es lediglich drei ohne Vorkommnisse, ansonsten waren Verspätungen von durchschnittlich 15 bis 20 Minuten die Regel. Mal verpasste er deswegen den Anschluss, mal endete ein Zug in Frankfurt statt in Stuttgart, dann wieder fuhren Züge ohne die gebuchte 1. Klasse, oder es gab kein Bistro. Oder nur defekte Steckdosen. Ein Skandal.

Die Bahn macht Schlagzeilen. Letzter Vorfall: Bei voller Fahrt verliert ein ICE eine Tür. Unvergessen sind auch aus dem Zug genötigte Kinder. Zum normalen Alltag gehört schon, dass es täglich 40.000 bis 60.000 Verspätungen gibt auf dem mit 34.000 Streckenkilometern größten zusammenhängenden Schienennetz Europas. Was sagen die Kunden dazu? Welche Schulnote würden sie der Bahn geben? Exklusiv für HÖRZU befragte das Institut TNS Emnid 1003 Zugreisende. Ergebnis: Nur 39 Prozent sind noch mit der Bahn zufrieden. Als Note bekommt sie eine 3,2 bis 3,5 – schlechter als "befriedigend" .

Lesen Sie das Statement von Dr. Rüdiger Grube, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bahn AG, zur HÖRZU-Umfrage

Über die Bahn kann man sich nur noch wundern – wie auch Dörte Weykonath-Grimm. Ihr Erlebnis: "Am 15.12.2009 fuhr ich mit dem ICE 785 von Hamburg nach Passau, doch in Hannover wurde ein Getriebeschaden gemeldet. Angeblich säßen wir auf unbestimmte Zeit fest." Dann ein Aufatmen: Eine freundliche Durchsage lotste das Gros der Reisenden nach draußen: "Auf dem Nachbargleis startet bald ein früherer Zug Richtung München." Weil kein Schaffner zu finden war, den sie fragen konnte, blieb Weykonath- Grimm im Abteil. Die meisten aber schleppten sich mit Koffern, Kindern oder auf Krücken durch eine Unterführung aufs Nebengleis. "Als alle draußen waren", so Weykonath- Grimm, "kam die Durchsage, dass unser Zug doch losführe." Umgehend schlossen sich die Türen. Weykonath-Grimm sah nur noch die entsetzten Gesichter der Ausgestiegenen. Sie fuhr im fast leeren Zug weiter Richtung Passau – mit einem komischen Gefühl: "Ehrlich gesagt hatte ich den Eindruck, unser Zug war überbucht und das Verhalten des Personals eine ‚besondere Maßnahme‘."

Passagiere einfach rauswerfen? Kein Einzelfall, wie Sören Sieg aus Hamburg bestätigt. Der Familienvater fuhr mit Sohn Jakob von Hamburg nach Elmshorn, das Ticket löste er beim Busfahrer. Im Zug angekommen, kritisierte ein Schaffner, dass eine Tarifzone fehlte – und verlangte 60 Euro Strafe. Andernfalls sollte Sieg sofort aussteigen. Wenige Kilometer vor dem Ziel wurden Vater und Sohn rausgeworfen. Jakob erinnert sich noch genau, wie sein Vater anschließend entgleiste: "Papa brüllte wie ein Löwe."

Autor: Mike Powelz