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Die Himmelsleiter Zweiteiler im Ersten

"Die Himmelsleiter": Der Ex-Parteibonze Armin Zettler (Axel Prahl, li.) hat bei der
Entnazifizierung einen Persilschein erhalten und mischt wieder fleißig mit.
Foto: © ARD Degeto/Stephanie Kulbach

Nachkriegsdrama im Ersten

"Die Himmelsleiter"

Köln im Nachkriegsjahr 1947: Trauer um vermisste Familienmitglieder, Verzweiflung angesichts von Hunger und Krankheit, der Kampf ums nackte Überleben – das alles prägt den Alltag in der völlig zerbombten Domstadt. Doch die Kölner lassen sich nicht unterkriegen: Über verminte Waldwege, die sogenannte "Himmelsleiter" (gleichnamiger Zweiteiler am Fr., 27.2., 20.15 Uhr, Das Erste sowie am 28.2., s. auch TV-Tipps rechts), schmuggeln sie Kupfer und Blei nach Belgien – im Tausch gegen Brot und Butter von Bauern.

Auch Schneiderin Anna Roth (Christiane Paul) hält ihre Großfamilie mit Schlangestehen und Schmuggeln über Wasser – und duldet obendrein die gefährlichen Tauschtouren ihres 16-jährigen Sohnes Michel (Jonathan Berlin) über die "Himmelsleiter". Dass die Familie wieder auf die Beine kommt, möchte einer jedoch mit allen Mitteln verhindern: der Altnazi Armin Zettler (Axel Prahl). Sein Motiv: Sobald ihm die bitterarmen Nachbarn ihre Ruine zum Spottpreis verkauften, gehörten ihm alle Häuser im Viertel – und die belgischen Besatzer könnten dort eine Kaserne errichten. Damit wäre Zettlers Zukunft gesichert. Zuvor jedoch muss er Anna ausschalten.

Axel Prahl in den Trümmern von Köln

"Die Himmelsleiter" ist ein spannender Historienkrimi, angelehnt an die Lebenserinnerungen des Autors Peter Zingler (71). Der Zweiteiler wartet zudem mit einem großen Starensemble auf: In den Trümmern von Köln kämpfen neben Christiane Paul ("Das Adlon") auch Henning Baum ("Die Spiegel-Affäre"), Nikolai Kinski ("Krupp: Eine deutsche Familie") und Jürgen Schornagel ("2030: Aufstand der Alten") ums Überleben.

Die Kulissen der Ruinenstadt, die für den Film in Prag errichtet wurden, beeindruckten Schauspieler Axel Prahl nachhaltig. Der 54-Jährige wandelte sich für die TV-Produktion vom komödiantisch angehauchten "Tatort"-Kommissar aus Münster zum fiesen Erzschurken. Im Interview mit HÖRZU verrät er: "Erst als ich den aufwendigen Set in Tschechien sah, habe ich richtig begriffen, wie groß und wichtig dieses Filmprojekt ist. Schließlich wurde die Nachkriegszeit
filmisch noch nicht stark beleuchtet. Dabei ist es hoch spannend, was damals in Deutschland geschah – und das gilt besonders für Köln, wo die auf 40.000 Einwohner geschrumpfte Bevölkerung dem kollektiven Leiden nicht nur ihre positive Weltsicht entgegenstellte, sondern obendrein die Karnevalstradition wieder aufleben ließ!"

Schmuggel mit Segen von oben

Tatsächlich überlebten viele Kölner die Nachkriegsjahre nicht zuletzt wegen ihres ausgeprägten Optimismus – und dank des "Fringsens", benannt nach dem damaligen Erzbischof Joseph Frings: Im bitterkalten Winter 1946/47 erlaubte er in seiner Silvesterpredigt ausdrücklich das Schmuggeln und Stehlen, aber auch den Schwarzmarkt: "Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann."

Bösewicht Prahl alias Zettler nutzt diesen Freibrief schamlos aus: "Meine Figur kehrt die positiven Seiten des Kölner Klüngels, darunter Nächstenliebe und Nachbarschaftshilfe, um in ihr trauriges Gegenteil: Korruption und Amtsmissbrauch. Das zu spielen war eine tolle Herausforderung!"

Autor: Mike Powelz