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Die angehende Hebamme Gesa will Schwangeren helfen.

Die angehende Hebamme Gesa will Schwangeren helfen.- Foto © 2014 SAT.1 / Jiri Hanzln

Historienfilm

"Die Hebamme" - Drama der Frauenmedizin

Der Historienfilm "Die Hebamme" (Sat.1, Die. 25.3., 20:15Uhr) zeigt das Drama der Frauenmedizin um 1800- als Krimi und Liebesgeschichte. Eine gewagte Operation.

Es ist eine Männerwelt, in der Gesa Langwasser (Josefine Preuß) 1799 in Marburg den Beruf der Hebamme erlernen will: Ehefrauen sollen möglichst Söhne gebären. Dienstmädchen haben auch im Bett des Hausherrn zu Diensten zu sein. Im Gebärhaus degradiert der Medicus (Axel Milberg) hochschwangere Ledige zu Studienobjekten und mutet ihnen durch die Stümpereien seiner Studenten Torturen zu.

Phantomschmerzen im Unterleib

"Als ich beim Drehen in meiner Rolle als Hebamme danebenstand, hatte ich Phantomschmerzen im Unterleib", gesteht Hauptdarstellerin Josefine Preuß. Schränkt aber ein: "Hätten Ärzte nicht geforscht, wären wir in der Geburtsmedizin heute nicht so weit, wie wir sind." Was der Sender Sat.1 für den Historienfilm "Die Hebamme" auffährt, ist eine dieser Materialschlachten des "Ereignisfernsehens", in denen nicht gekleckert, sondern geklotzt wird.

Bei den Geburten wird geschrien, Chirurgenbesteck schneidet in pralle Schwangerenbäuche, Blut fließt in Strömen. In der Pathologie des Dr. Heuser (Andreas Pietschmann) verweilt die Kamera mit lustvollem Grusel auf den Exponaten missgebildeter Föten. Durch den Verschlag eines mordverdächtigen Landstreichers huschen Ratten – die aus heutigen Historienfilmen nicht mehr wegzudenken sind.


Die Hebamme
"Die Hebamme" ist ein historisches Drama aus der Zeit um 1800. Nach dem Buch von Kerstin Cantz. - Foto © 2014 SAT.1 / Jiri Hanzl

Birth and Crime

Damit nicht genug: Produzent Oliver Berben weiß, dass Zuschauer nicht nur Nervenkitzel, sondern auch Romantik wünschen. Also rahmt er sein aufwendiges Geschichtsgemälde mit einem Liebesdrama und einem Krimi. Und schafft damit fast ein neues Genre: "Birth and Crime". Im Mittelpunkt steht der Einblick in die damalige Kunst der Hebammen, die die Empfängnis verhindern oder bereits entstandene Schwangerschaften abbrechen konnten. Mit ihren Kenntnissen traten sie in Konkurrenz zu den Dogmen der Kirche und dem Halbwissen der damaligen Ärzte.

Garniert mit Liebe und Gewalt

Die historische Genauigkeit im Film garantierte eine Hebamme, die am Set jeden Handgriff der Schauspieler kontrollierte. Preuss: "Ich habe viel gelernt. Etwa, wie man zu jener Zeit mit Wendestäbchen ein Kind im Mutterleib gedreht hat." Auch die Requisiten sind historisch genau gewählt. Wenn Stadthebamme Elgin (Lisa Maria Potthoff) zu den Gebärenden eilt, trägt sie etwa, wie damals üblich, auf ihrem Rücken einen zusammenklappbaren Gebärstuhl.

Die zweite Ebene des Films bildet die Liebesgeschichte zwischen Gesa Langwasser und dem attraktiven Arzt Dr. Heuser. In seiner Pathologie werden die Leichen von Selbstmördern abgeliefert. Dass sie alle Würgemale zeigen, macht ihn erstaunlicherweise nicht stutzig. Ungewöhnlich auch, dass sich der gebildete Mediziner ausgerechnet in die junge Hebamme verliebt, denn in der damaligen Zeit herrschte striktes Standesdenken. Der Heiratsantrag, den Dr. Heuser im Film Gesa macht, war auch für Josefine Preuß ein Höhepunkt: "Mein erster Antrag in einem Film! Den Verlobungsring habe ich als Talisman behalten."
Das junge Glück gerät schnell in Schieflage, denn den geliebten Beruf soll Gesa aufgeben. Für eine Gattin nicht schicklich!


Die Hebamme
Der Richter und die Ärzte begutachten in der Pathologie Frauenleichen. - Foto © 2014 SAT.1 / Jiri Hanzl

Ein Unhold im schwarzen Umhang

Als dritter Erzählstrang wird eine Krimihandlung eingeführt – auf grausige Art: Unter einem Steg, auf dem Gesa sich gerade niedergelassen hat, treibt eine Wasserleiche auf. Es wird nicht die letzte sein. Auch junge Mütter mit neugeborenen Babys, die kurz zuvor im Gebärhaus Zuflucht gesucht hatten, sind unter den Toten. In der Stadt irrt währenddessen ein Unhold im schwarzen Umhang durch die Gassen, der die Menschen erschreckt – oder auch nur neckt. Als Verdächtiger wird bald der Landstreicher Konrad (Vladimir Burlakov) in den Kerker geworfen. Doch ist er tatsächlich der Täter? Und was hat es mit den vielen Selbstmorden auf sich?

Diese reißerische Krimihandlung überlagert zunehmend den ganzen Film. So wird die Chance vertan, tiefe, ernsthafte Einblicke in ein filmisch kaum ausgeleuchtetes Kapitel der Medizingeschichte zu geben. Fragwürdig sind auch die Bilder, in denen hochschwangere Frauen im Hörsaal vom Medicus und seinen Studenten untersucht und dabei allen Blicken preisgegeben werden. Um solch heikle Szenen in respektvoller Form zu inszenieren, bedarf es wohl einer größeren Sensibilität, als sie den Machern dieses Eventfilms zur Verfügung stand.

Autor: Angela Meyer-Barg