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Die Große Show der Naturwunder

Im Pandakostüm: Ranga Yogeshwar schlüpfte in die Kluft der Pfleger. Foto © SWR/Jonny Eilers

Ranga Yogeshwar und der seltene Liebesakt in Schwarz-Weiß

"Die Große Show der Naturwunder": Zeuge einer Panda-Hochzeit

Moderator Ranga Yogeshwar reiste nach China zu den bedrohten Bären und wurde Zeuge einer seltenen Hochzeit. In "Die Große Show der Naturwunder", berichtet er über diese Erfahrungen.

"Paarung in 20 Minuten“, ruft die Chinesin und eilt voran. Kurz darauf steht Moderator Ranga Yogeshwar vor dem Gehege eines Pandaweibchens. Die Bärin tapst unruhig hin und her, stößt helle Rufe aus. Eindeutig, hier geht etwas Besonderes vor. Sonst sitzen die Riesenteddys meist gemütlich da und fressen. 80 Prozent des Tages verbringen sie mit der Nahrungsaufnahme. "Der Panda ist ein merkwürdiges Tier: ein Bär, der fast vegetarisch lebt", erklärt Yogeshwar. "Weil sein Darmtrakt die Nahrung nicht so gut wie ein Wiederkäuer verwerten kann, muss er riesige Mengen Bambus fressen." Zehn bis 40 Kilo vertilgt ein Tier am Tag.

140 Tierärzte, Wissenschaftler und Pfleger kümmern sich

Für "Die große Show der Naturwunder" reiste der Wissenschaftsjournalist ins Reich der Mitte. Mit seinem TV-Team legte er über 7000 Kilometer zurück und besuchte das Forschungsund Zuchtzentrum für Große Pandas in Bifengxia, das in einem malerischen Tal mit Wasserfällen, Wäldern und schroffen Felsen in Sichuan liegt. Die Provinz ist Pandaland. Etwa zehn Prozent der insgesamt rund 1860 wilden Bären leben in den entlegenen Bergwäldern Sichuans. Auf dem 400 Hektar großen Areal des Zuchtzentrums kümmern sich etwa 140 Tierärzte, Wissenschaftler und Pfleger um rund 60 Tiere. Ein Team karrt tonnenweise Bambus und Gemüse heran, ein anderes backt sogar Brot für die Bären.


Die große Show der Naturwunder
Die Moderatoren Frank Elstner und Ranga Yogeshwar führen durch die Sendung. Gäste sind: Ute Lemper, Andrea Kiewel, Dietmar Bär, Thomas Anders Foto © SWR/Andrea Kremper.

Lange galten die schwarz-weißen Riesenteddys als Sexmuffel. Man versuchte dem Familienglück mit Viagra, Brunftgeräuschen und Pandapornos auf die Sprünge zu helfen. Mittlerweile weiß man mehr. "Das Weibchen ist nur zwei bis drei Tage fruchtbar – pro Jahr", so Yogeshwar. Außerdem sind die Damen bei der Partnerwahl wählerisch. Die Zuchtspezialisten haben in diesem Jahr 26 Weibchen und 19 Männchen als potenzielle Eltern ausgewählt. Sie tragen Namen wie Qiaoqiao, Tai Chan, Wen Yu, Cui Cui oder Lu Lu. Das deutsche Filmteam hatte riesiges Glück: Eine Pandadame war in Stimmung – und nicht zu überhören.

600.000 verfolgen Paarung per Livestream

Ihr helles Bellen dröhnte bis in das Nachbargehege, wo ein Männchen auf seine Chance hoffte. Die Bärin lief aufgeregt hin und her. Schließlich öffneten die Pfleger die Verbindungstür. Die Bären fanden schnell zueinander. Die Chinesen stoppten akribisch die Zeit. Der Liebesakt in Schwarz-Weiß währte zwei Minuten und 44 Sekunden, dann trollte sich das Männchen. Ob sich der erhoffte Nachwuchs einstellt, weiß man jedoch erst kurz vor der Geburt im August oder September. Doch eine riesige Fangemeinde fiebert bereits mit. "Es waren kurioserweise mehrere chinesische Filmteams da", sagt Yogeshwar. "Den Livestream im Web verfolgten 600.000 Zuschauer. Tage später hatte der Link Millionen Klicks."

Angesichts dieser Popularität sei auch der Druck spürbar, der auf den Mitarbeitern laste. "Wenn ein Panda stirbt, gleicht das einer nationalen Katastrophe", so Yogeshwar. "Der Aufwand für die Bären ist enorm." Die Pandas sind das freundliche Gesicht der oft kritisierten Weltmacht. Als Wappentier des WWF stehen sie für die Zerstörung der Natur durch den Menschen. Logisch, dass jeder Nachwuchs euphorisch begrüßt wird. Bei der Geburt wiegen Pandas nur 90 bis 130 Gramm. Die zunächst blinden Kleinen werden in Brutkästen gewärmt, mit Ersatzmilch gefüttert und später im Kindergarten gepäppelt. In Freiheit wären viele dem Tod geweiht: "Bei Mehrlingsgeburten kümmert sich die Mutter nur um ein Jungtier", so Yogeshwar. "Doch hier sollen alle durchkommen. Die Jungen werden abwechselnd zur Mutter gebracht."

Alle Pfleger tragen Pandakostüme

Nach Jahrzehnten Erfahrung, Forschung und vielen Rückschlägen sind die Zahlen heute eindrucksvoll: 2015 erblickten allein in Bifengxia 18 Pandas das Licht der Welt. In den vergangenen Jahren wurden Hunderte Bambusbären in den Stationen in Bifengxia, Chengdu und Wolong gezüchtet. Sind die Gene vielversprechend, kommt das Jungtier in das Naturreservat Wolong. Dort werden die Kleinen zwei Jahre für ein Leben in Freiheit trainiert. Sie sollen die wilden Artgenossen mit frischen Genen verstärken. "Und hier wird es richtig merkwürdig: Alle Pfleger des Auswilderungsprogramms tragen Pandakostüme, damit die Tiere keinen Kontakt mit Menschen haben", so der Moderator.

"Ich bin skeptisch, ob man sie täuschen kann – und an harte Fakten zu kommen, ist schwierig." Auch er ging in Wolong als Bär, einen wilden Panda sah er nicht. Das Programm läuft mal besser, mal schlechter: Seit 2006 starben zwei von fünf ausgewilderten Bären. In diesem Frühjahr wird die zweijährige Hua Yan in die Wildnis entlassen: eine neue Hoffnungsträgerin für die wohl am meisten umhegte Tierart der Welt.

Autor: DAGMAR WEYCHARDT