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Papst Franziskus I. ist Mitglied des geheimnisumwitterten Jesuitenordens.

Papst Franziskus I. ist Mitglied des geheimnisumwitterten Jesuitenordens. / Foto: © picture alliance / Pressefoto Ulmer

Der Orden von Papst Franziskus

''Die geheime Macht der Jesuiten'' im ZDF

Heiligabend, zwei Stunden vor Mitternacht im Petersdom. Papst Franziskus hält seine erste Christmette. Damit zelebriert diese Messe, eine der wichtigsten des Kirchenjahres, zum ersten Mal ein Jesuit, Mitglied der uralten "Gesellschaft Jesu", die einer der größten Männerorden der Welt ist. Ein Geheimbund, sagen viele. Von Verschwörungen ist die Rede, von dunklen Machenschaften. Die TV-Doku ''Die geheime Macht der Jesuiten'' (MI, 25.12., ZDF, 19.30 Uhr) liefert Antworten auf diese und andere Fragen.

Einfluss von ganz oben

Tatsächlich begann alles 1534 mit einem Armuts-und Keuschheitsgelübde. Ordensgründer Ignatius von Loyola verpflichtete sich zudem, die Seelen im Heiligen Land auf den rechten Weg zu bringen. Dieses Ziel erreichten er und seine Mitstreiter allerdings nie, weil auf dem Weg dorthin ein Krieg tobte. Aber sie kamen bis nach Rom. In den folgenden Jahrhunderten als Missionare auch an viele andere Orte der Welt.

Ihre Mitglieder: oft hochgebildete, angesehene Künstler, Forscher, Astronomen. "Sie gründeten ein weltweites Netz externer Schulen, die in Konkurrenz zu alteingesessenen Universitäten gingen", weiß Historiker und Jesuitenforscher Markus Friedrich von der Universität Hamburg. "An den vielen Verschwörungstheorien über den Orden ist jedoch kaum etwas richtig.

Der Einfluss der Jesuiten ging vielen zu weit." Friedrich bestätigt aber: "Es gibt Geschichten von Spekulanten unter ihnen, die das Vermögen einer Ordensniederlassung aufs Spiel setzten. Andererseits waren es immer die Jesuiten, die leidenschaftlich diskutierten, ob sie beim Geldverleihen überhaupt Zinsen nehmen durften."

Jesuitenorden

Als Pilger kamen Ignatius von Loyola und seine Gefährten 1537 nach Rom. / Foto: © ZDF und Martin Papirowski

Heute hält der Orden wie alle katholischen Vereinigungen enorme Vermögenswerte, darunter Aktienpakete multinationaler Konzerne. Den meisten Jesuiten aber war allein ihre Vision wichtig. Friedrich: "Sie wollten immer dort sein, wo es brennt." Ganz geheuer waren sie dabei wohl auch dem Papst nicht: 1773 ließ er den Orden verbieten. Bis zur Aufhebung des Verbots 1814 verschwand er von der Bildfläche.

Wer Jesuit werden wollte, hatte einen harten Weg vor sich: Zwei Jahre mussten sich die jungen Männer im Noviziatenheim bewähren, anschließend folgten zehn bis zwölf Jahre Studium. Leicht machte es der Orden keinem Interessenten. Dafür brachte er unter seinen derzeit rund 17.000 Mitgliedern in 125 Ländern eine ganze Reihe bekannter Köpfe hervor: Bernd Hagenkord, Leiter der deutschsprachigen Redaktion im Radio Vatikan, Klaus Mertes, Rektor am Schwarzwälder Kolleg St. Blasien, Bernhard Ehlen, Gründer von Ärzte für die Dritte Welt. Und natürlich Jorge Mario Bergoglio – Papst Franziskus.

Der Mann, der mit Vatikanangestellten in der Mensa isst, sich mit einem 30 Jahre alten Auto fahren lässt und Luxus nicht mag. Dass in diesem Jahr ein Jesuit zum Papst gewählt wurde, grenzt an ein Wunder. "Das Verhältnis der Jesuiten zu den Päpsten war in den vergangenen 500 Jahren sehr gespannt", erklärt Friedrich. Und vermutet: "Wahrscheinlich schien es jetzt attraktiv, mit dem Jesuiten Jorge Bergoglio jemanden zu haben, der andere Seiten der Kirche zum Vorschein bringt."

Das Jesuitische halt: die Liebe zu den Armen, die Annahme von Menschen am Rande der Gesellschaft, die Absage an Verschwendung. All das eben, was in den vergangenen Jahrhunderten im Vatikan nicht immer ganz oben auf der päpstlichen Agenda stand.


Sendehinweis:

''Die geheime Macht der Jesuiten''
So prägt der Orden seit 500 Jahren unsere Welt
MI, 25.12., ZDF, 19.30 Uhr

Autor: Silke Pfersdorf