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Thomas Roth

"Tagesthemen"-Moderator Thomas Roth (63). - Foto: © rbb/Matthias Nareyek

Thomas Roth zur Zukunft der TV-News

"Die Frage der Glaubwürdigkeit spitzt sich zu"

Gibt's News bald nur noch topaktuell im Internet? Werden Youtube-Stars die News bald im TV präsentieren?

HÖRZU fragt den "Tagesthemen"-Moderator Thomas Roth (63) zur Zukunft der TV-Nachrichten

Interview mit Thomas Roth

HÖRZU: Konsumieren die Zuschauer in zehn Jahren mutmaßlich verstärkt "Breaking News" im Netz? Und Inwiefern werden die TV-Nachrichten dadurch - vorausgesetzt, dass dem so ist - seichter oder härter?

Thomas Roth: In zehn Jahren wird es noch mehr Plattformen geben und noch mehr mobile Nutzung, die "Breaking News" jeder Art abbilden. Die Frage der Glaubwürdigkeit wird sich nicht zuletzt deshalb noch mehr zuspitzen. Es werden im Meer zunehmender relevanter und irrelevanter Angebote nur solche "Leitmedien" beim Publikum "überleben", die Kompetenz, Glaubwürdigkeit und seriöse Orientierung täglich neu einlösen. Das wird die größte Herausforderung sein und bleiben.

HÖRZU: Verkünden die klassischen Anchormen in zehn Jahren die Nachrichten eher auf Kanälen wie YouTube - oder sitzen Youtube-Stars wie LeFloid dann vielleicht sogar in den Studios der klassischen Fernsehsender?

Thomas Roth: Das wird sich vermutlich komplementär entwickeln. Youtube Stars wie LeFloid sind nur in ihrer Subjektivität "kompetent" und "radikal", kommen aber, wie gesehen, schnell an ihre Grenzen, wenn sie aus ihrer persönlichen "lifestyle-Welt" in der Wirklichkeit landen. Gut möglich, dass sie, wenn sie relevant und intelligent sind, im Kern die künftigen Anchormen oder Anchorwomen sind. Umgekehrt werden die traditionellen "Anchormen" und "Anchorwomen" entspanntere und offenere Formen entwickeln. Aber auch hier: Im Kern wird wichtig bleiben, dass die Persönlichkeiten kompetent und glaubwürdig sind, statt leerer lifestyle Hülsen. Jedenfalls wenn es um Journalismus und seriöse Information geht.

HÖRZU: Wie verändern sich die Korrespondentennetze mutmaßlich durch neue Tools wie Periscope? Werden sie größer oder kleiner? 

Thomas Roth: Der Kostendruck wird größere Korrespondentennetze verhindern. Bei den öffentlich-rechtlichen und erst recht bei anderen Anbietern. Intelligente Formen von Vernetzung (nicht einfach nur wahllose Formen von Verknüpfung) müssen entwickelt werden. Korrespondentenbüros und Heimatredaktionen werden sich noch mehr in rasch reaktionsfähige Kompetenz- und Analysezentren wandeln müssen. Trotzdem: Entscheidend wird sein, dass vor Ort Erfahrung, Sprachkenntnis und persönliche Zeugenschaft die Netzwerke glaubwürdig ergänzen. Zumindest bei seriösen Medien. Das macht dann den "Unterschied" aus. Auch den qualitativen.

HÖRZU: Welche technischen Maßstäbe revolutionieren die TV-Nachrichten voraussichtlich in den kommenden zehn Jahren?

Thomas Roth: Die Studios werden technisch noch mehr "können" als jetzt und immer neue Vorstellungen von Modernität liefern. Die Gefahr wird noch mehr sein als jetzt, dass die Inszenierung die Inhalte dominiert oder gar erschlägt. Wer nichts wirklich weiß und nichts Orientierendes zu sagen hat, wird sich in die Irrelevanz inszenieren. Seriöse Anbieter müssen dieser Gefahr widerstehen, ohne langweilig und verstaubt zu wirken. Das ist schwierig, aber möglich.

HÖRZU: Gibt es in zehn Jahren wohl noch feste Anfangszeiten für die Nachrichtensendungen - oder werden diese tendenziell fließender?

Thomas Roth: Es wird weiter sowohl lineares Fernsehen als auch feste Anfangszeiten zumindest bei den großen Anbietern als Gerüst geben. Begleitet von noch mehr Möglichkeiten, die Angebote online "nachzuholen". Diese Tendenz ist jetzt schon sichtbar. Diese Entwicklungen werden sich gegenseitig ergänzen und fortentwickeln, aber nicht aufheben.

HÖRZU: Die Bild-Zeitung hat so genannte Leser-Reporter eingeführt, die im Netz für Furore sorgen mit  selbst produzierten Videos, die oftmals auch die Persönlichkeitsrechte der mitunter unwissentlich Gefilmten verletzen. Inwiefern drohen solche Videos in Zukunft in die Haupt-Nachrichten der Fernsehsender zu gelangen?

Thomas Roth: Das Kriterium für Hauptnachrichtensendungen bleibt immer gleich: Egal von wem was kommt, was zählt ist Verlässlichkeit von Quellen (also auch Videos etc). Darauf muss sich der Zuschauer verlassen können. Und: Fremde "Zulieferung" ersetzt nie die eigene Recherche. Alles andere wäre ein sicheres Rezept zur Selbstabschaffung.

Autor: Mike Powelz