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"Deutschlands Superhirn 2011": Moderator Jörg Pilawa und Konstantin Skudler.

"Deutschlands Superhirn 2011": Moderator Jörg Pilawa und Kandidat Konstantin Skudler. Der Schüler kann sich in 100 Sekunden die Reihenfolge von 100 Brautleuten merken. - Foto © ZDF / Max Kohr

Jörg Pilawa

Deutschlands Superhirn 2011

Manchmal bleibt nur Staunen: Da kommt ein zwölfjähriger Berliner und merkt sich spielend mehr als 500 Zahlen in 30 Minuten. Selbstzweifel? Von wegen! Vor laufender Kamera will Konstantin Skudler jetzt sogar sechs Konkurrenten mit seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten schlagen. "Deutschlands Superhirn 2011" heißt die neue ZDF-Show (siehe TV-Tipp rechts), in der Jörg Pilawa erstaunliche Hirnleistungen präsentiert – eine Art Casting für Genies.

Was sind das für Menschen, die das Zeug zum Superhirn haben? Zerstreute Kopfakrobaten? Und welche Geheimnisse stecken hinter ihrem Können? Moderator Jörg Pilawa wollte es genau wissen und besuchte Kandidaten zu Hause. Ein Unternehmen mit Aha-Effekt: "Da kommt man in eine ganz normale Familie und trifft auf einen Jungen mit Justin-Bieber-Frisur, der mitten im Leben steht, Pizza mag und einfach nur Spaß an Gedächtnisübungen hat", erinnert sich Pilawa an seine erste Begegnung mit Konstantin Skudler. Dieser Spaß führt allerdings zu sensationellen Erfolgen.


Die Kandidaten von "Deutschlands Superhirn 2011"

Wer das Superhirn werden will, muss viele Herausforderungen meistern.

1. Konstantin Skudler (12)
Der Junge aus Berlin mit dem Supergedächtnis. Sein Talent: "Ich kann mir in 100 Sekunden die Reihenfolge von 100 Brautleuten merken."
Beruf: Schüler.

2. Gerhard Wolters (48)
Der Mann mit dem Supergehör. Sein Talent: "Ich kann bei einem Sinfonieorchester exakt heraushören, welche Musiker gerade nicht mitspielen."
Beruf: Diplom-Musikpädagoge.

3. Jan van Koningsveld (41)
Der Geschwindigkeitsmesser. Sein Talent: "Ich bin eine menschliche Radarfalle und kann im Kopf die Geschwindigkeit fahrender Autos berechnen."
Beruf: Industriekaufmann.

4. Jule Kupsch (11)
Meisterin des perfekten Gesichter-Erkennens. Ihr Talent: "Ich habe von eintausend Babys alle Gesichter, Namen und Geburtsdaten im Kopf."
Beruf: Schülerin.

5. Rebecca Fischer (13)
Die Gedächtniskünstlerin. Ihr Talent: "Ich kenne das komplette Fernstreckennetz der Deutschen Bahn und auch alle zugehörigen Bahnhöfe auswendig."
Beruf: Schülerin.

6. Robin Wersig (29)
Das Mathematikgenie. Sein Talent: "Ich bin der Superkopfrechner und löse das Magische Quadrat mit dem Rösselsprung blind."
Beruf: Erzieher.

7. Jürgen Seliger (39)
Der Mann mit dem fotografischen Gedächtnis. Sein Talent: "Ich erkenne 101 Dalmatiner nur an einem kleinen Fellausschnitt.“
Beruf: Angestellter einer Holzbau-Softwarefirma.


Bei Weltmeisterschaften räumt Konstantin Skudler alles ab. Er hält acht Weltrekorde, kein Mensch in seinem Alter kann sich so viele Zahlen, Wörter, Bilder, Vokabeln oder Geschichtsdaten merken. In seinem Zimmer ist kaum noch Platz für die vielen Pokale, die er schon gewonnen hat. Dass Konstantin mehr kann als andere , merkten seine Eltern, als sie mit dem damals Dreijährigen ins Schwimmbad gingen. In der Umkleidekabine lernte der Knirps die Reihenfolge der Zahlen an den Schränken. Schon mit fünf Jahren wurde der Hochbegabte mit dem Intelligenzquotienten 140 eingeschult – gleich in die 2. Klasse. Jetzt geht er in die 9. Klasse, genau wie seine zwei Jahre ältere Schwester Friederike. Die beiden sind ein Herz und eine Seele, neidisch auf ihn ist Friederike nicht.

Die Familie geht angenehm gelassen mit Konstantins Hochbegabung um. Er besucht ein normales Gymnasium, wird aber vielfältig gefördert. Und so merkt sich das Wunderkind nicht nur unfassbar lange Zahlenreihen, sondern spielt auch Schach, Tischtennis und Klavier, singt und puzzelt, ist Fußball- und Formel-1-Fan. Sein liebstes Hobby aber ist Karate. Zum Training nimmt er Jörg Pilawa mit. Der TV-Star kommt ins Schwitzen, als ihn Konstantin in den Würgegriff nimmt und mit einem gekonnten Trick auf die Matte wirft.

Superhirn: ohne Fleiss kein Preis

Der Zwölfjährige trägt den blauen Gürtel, das ist die fünfte Stufe beim Karate. Konstantin ist ehrgeizig. Was er anpackt, macht er gut. "Ich will mich immer weiter verbessern", sagt er. Auch beim Gedächtnissport. In der ZDF-Show wagt er deshalb eine knifflige Herausforderung: Der junge Berliner will sich in 100 Sekunden die Reihenfolge von 100 Brautleuten merken. Schafft so etwas nur ein Superhirn? "Wie bei den meisten Höchstleistungen steckt eine Kombination aus Begabung und Training dahinter“, erklärt Prof. Tobias Bonhoeffer vom Münchner Max-Planck-Institut für Neurobiologie.

"Das ist ähnlich wie beim Sport. Intensives Basketballtraining reicht sicherlich nicht aus, um ein zweiter Dirk Nowitzki zu werden. Andererseits könnte Nowitzki nur mit Begabung allein nicht so überragend spielen." Erst die Formel "Talent plus Fleiß" bringt den großen Erfolg. Und wer nicht so begabt ist? Der kann sich durch Üben zumindest verbessern – es muss ja nicht gleich ein WM-Titel sein.

Prof. Bonhoeffer, der Jörg Pilawa in der Show als Experte begleitet: "Das gilt für alle Hirnleistungen, also auch für das, was in der Sendung präsentiert wird." Bei Training und Tricks setzen Superhirne auf bewährte Strategien. "Dazu gehört die sogenannte Loci-Methode", sagt Neurobiologe Bonhoeffer. "Man assoziiert vertraute Orte mit neuen Gedächtnisinhalten, die man sich auf diese Weise besser merken kann."

Auch Wunderkind Konstantin baut sich solche Eselsbrücken. Zunächst verknüpft er Zahlen oder Fakten mit Bildern. Die platziert er dann entlang bekannter Routen. Solche Wege führen durch Haus und Garten, aber auch bei den Großeltern und in Ferienwohnungen hat er seine Gedächtnisstützen. Die Methode kann jeder beim Einkaufszettel nutzen: Auf dem Sessel liegt die Erdbeermarmelade (weil der Sessel rot ist), auf dem Fernsehgerät die Zahnpasta (wegen der TV-Werbung). Wer in Gedanken die Route abschreitet, kann sich besser erinnern. Andere Eselsbrücken helfen, wenn man sich etwa PIN-Codes der Kreditkarten merken will.

Gedächtnissportler stellen sich die Zahlen bildlich vor: Die Null wird zum Ei, die Fünf zur Hand, die Zwei zum Schwan. Jetzt verknüpft man diese Bilder mit einer fantasievollen Geschichte. "502" wäre: Die Hand greift zum Ei, das der Schwan gelegt hat. "Assoziationen helfen sehr viel", sagt Prof. Bonhoeffer, der sich in seinen Forschungen seit Jahren mit Lernen und Gedächtnis beschäftigt. "Wir verbinden neue Informationen mit etwas, was wir sowieso wissen."

Gedächtnistraining: Spaß muss sein

Loci-Methode, Zahlen-Assoziationen – das klingt nach Arbeit. Doch Superhirne schreckt das nicht. Sie haben eine besondere Eigenschaft: Begeisterung! Das spürt man bei Konstantin Skudler. Was fasziniert ihn so am Gedächtnissport? "Keine Ahnung", antwortet der Berliner, "es macht mir einfach Spaß." Trotz der starken Konkurrenz ist er siegessicher – obwohl er nur wenige Minuten pro Tag intensiv übt. "Den Titel des Trainingsweltmeisters wird Konstantin nie gewinnen", lästert sein Vater. "Na und", kontert der Sohn. "Ich habe ja auch noch Besseres zu tun."

Demnächst steht ein Konzertauftritt auf seinem Programm: Konstantin übt ein Stück von Robert Schumann auf dem Klavier. Wie immer spielt er es auswendig. Vielleicht reicht es ja trotz Trainingsrückstands für den Titel "Superhirn 2011". Darüber entscheiden die Zuschauer im Studio. Eine prominente Jury begleitet den Wettkampf der Genies – und trainiert dabei gleichzeitig die eigenen grauen Zellen. Dafür bringen die Kandidaten den Stars knifflige Aufgaben mit, die sie in der Show meistern sollen. Genau der richtige Weg. "Wir können unser Gedächtnis auf Zack halten, wenn wir geistig aktiv sind und uns ständig fordern", sagt Prof. Tobias Bonhoeffer. "Eine Wunderdroge fürs Gehirn hat die Forschung bislang nicht entdeckt."

Als legales Doping für den Kopf gelten immerhin fünf Strategien:

1. Bewegung
Sport verbessert die Durchblutung des Gehirns und aktiviert auch Regionen, die für das Gedächtnis zuständig sind. Bewährt haben sich regelmäßiger Ausdauersport wie Laufen und Radfahren, aber auch Wandern.

2. Üben
Das Gehirn muss gefordert werden, damit neue Verknüpfungen zwischen den Zellen wachsen. Mit Strategiespielen wie etwa Schach oder schweren Denkaufgaben gelingt das. Immer nur Kreuzworträtsel lösen reicht nicht.

3. Tanzen
Ausdauer, Koordination, schnelle Reaktionen – all das erfordert geistige Hochleistung und ist deshalb so effektiv.

4. Soziale Kontakte
Bleiben Anreize aus, bilden sich Verknüpfungen im Gehirn zurück. Das Zusammensein mit anderen bringt jedoch neue Anregungen, wirkt sich so positiv auf Denkvermögen und Gedächtnis aus.

5. Ernährung
Als wichtigster Energielieferant für das Gehirn gilt Glukose. Ideal sind Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten, Nudeln, Obst und Gemüse. Ebenfalls wichtig: ausreichend Flüssigkeit!

Weil mit der Zeit die Konzentration nachlässt, bringt zu langes Gehirntraining jedoch nichts. Das weiß auch Jörg Pilawa, der sich für seine Sendung intensiv mit dem Thema Hirnforschung beschäftigt hat: "Entscheidend für den Erfolg sind vor allem die Motivation und der Wille. Konstantin ist ein gutes Beispiel dafür." Der hat über 700 Routen angelegt, genug, um sich mehr als 4200 Zahlen zu merken: "Das reicht erst mal."

Autor: Thomas Kunze / Kai Riedemann