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Der Kampf ums Erbe von Musikgenie Richard Wagner

Der Kampf ums Erbe von Musikgenie Richard Wagner ist der perfekte Stoff für eine Familiensaga. Foto - © ZDF/Hannes Hubach

Familiensaga

Der Wagner Clan

Der Kampf ums Erbe von Musikgenie Richard Wagner ist der perfekte Stoff für eine neue pralle TV-Saga.

Ein grauenhafter Schrei gellt durch den alten Palazzo in Venedig. Cosima wirft sich voller Verzweiflung über ihren reglosen Mann Richard Wagner: "Er darf nicht sterben!"

Doch der 69-Jährige ist tot. Herzversagen nach einem Sexspiel mit seiner jungen Geliebten und dem folgenden heftigen Streit mit seiner Frau Cosima. Ob es so gewesen ist? Historisch verbürgt ist, dass es vor Wagners Tod am 13. Februar 1883 Streit zwischen den Eheleuten gab. Dass er ein notorischer Fremdgeher war ebenso. Dies zu verquicken gehört zum Selbstverständnis der Filmemacher, denen mit "Der Wagner- Clan" frei nach wahren Begebenheiten eine kurzweilige Chronik über die Erbengeneration gelungen ist. Eine pralle Familiensaga, in der geliebt, gelitten – und auf Teufel komm raus intrigiert wird.


"Der Wagner-Clan wirft einen entstaubten, modernen Blick auf den Mythos Wagner. Dabei kommt der Komponist, der schon zu Lebzeiten ein gefeiertes Genie war, nur in wenigen Rückblenden vor. Stattdessen rückt der TV-Film die "Ära Cosima" in den Mittelpunkt: Unfähig, den Tod des Göttergatten zu akzeptieren, schwört sie ihre Kinder auf ihre "heilige Pflicht" ein: Die Zukunft von Bayreuth stehe auf dem Spiel. Isolde, Eva und Siegfried sollen ihr Leben ganz in den Dienst der Bewahrung von Wagners Werk stellen, um dem "Meister" zur Unsterblichkeit zu verhelfen.


Wagner (Justus von Dohnányi) mit Baby Isolde - Foto © ZDF/ Hannes Hubach


"Heute würde man sagen, dass Cosima die perfekte PR-Managerin für Wagners Erbe war. Dem hatten sich auch die Wünsche und Neigungen der Kinder zu unterwerfen. Ihr Wohl war ihr weniger Wert als Wagners Vermächtnis, was sie als Mutter nicht sonderlich sympathisch macht", sagt Iris Berben, die höchst überzeugend die kompromisslose Wagner-Witwe spielt.

In den folgenden Jahrzehnten entzweien Rivalitäten und Größenwahn, Enttäuschungen und geheime Affären den Familienverbund. Oft befeuert durch Cosimas engen Vertrauten, den rechtslastigen Engländer Chamberlain (Heino Ferch), der eifersüchtig einen Keil zwischen die Geschwister und ihre Mutter treibt.


Der Film findet prächtige Bilder dafür, wie es ist, im Schatten eines Genies aufzuwachsen. Eine herrschaftliche Villa am Traunsee in Österreich, an der doch allenthalben der Putz von den Wänden rieselt, dient als Kulisse für die Villa Wahnfried, das von König Ludwig II. gesponserte Heim der Wagners in Bayreuth. Bauarbeiten hätten einen Dreh am Originalschauplatz verhindert, heißt es.

Petra Schmidt-Schaller genießt ihren Auftritt als Isolde. Schmal, blond und groß, verkörpert sie glaubhaft die Arroganz der Tochter eines berühmten Mannes, die sich gescheit und charmant über Normen hinwegsetzt, dem einflussreichen Chamberlain einen Korb gibt und stattdessen die Ehe mit dem ehrgeizigen Dirigenten Beidler ertrotzt.


Verbotene Liebe: Der schwule Siegfried (Lars Eidinger, r.) - Foto © ZDF/ Hannes Hubach


Siegfried Wagner hingegen leidet unter dem übermächtigen Namen, möchte lieber zeichnen als dirigieren. 1908 übernimmt er die Festspielleitung. "Euer Vater hat ihm nur die Nase vererbt", spottet Beidler und verrät Siegfrieds Homosexualität. "Siegfried wurde unterschätzt", sagt Lars Eidinger, der den zerrissenen Sohn spielt. "Ich bin überzeugt, er war ein guter Dirigent. Er wurde gefeiert, nur reichte er nicht ans genialische Talent des Vaters heran."

Siegfried lässt sich auf eine arrangierte Ehe mit Winifred ein und bekommt mit ihr vier Kinder. Die Ehe soll die Dynastie sichern, beschädigt sie aber stattdessen: Winifred und Chamberlain werden zu glühenden Anhängern Hitlers, der Wagners Werk als Inspiration für seine Rassentheorien beansprucht. Die Nähe zu den Nazis lässt Cosimas Willen, den Meister unsterblich zu machen, letztlich scheitern – ihr persönliches Drama von geradezu wagnerianischem Ausmaß.

Autor: Sabine Goertz-Ulrich