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Der Medicus Teil 1

"Der Medicus": Rob (Tom Payne, re.) bemerkt, dass sein väterlicher Freund, der Bader
(Stellan Skarsgård), allmählich sein Augenlicht verliert. - Foto: © ARD Degeto/UFA Cinema

Medizin im Mittelalter

"Der Medicus" im TV

Mit Säge, Bohrer oder Wein: Das Filmepos "Der Medicus" zeigt, wie handfest Heiler früher ihre Patienten behandelten.

Wer im Mittelalter krank wurde, hatte die Wahl: Entweder er bestellte einen Priester oder den Bader, einen fahrenden Heiler. Sich gleich für die letzte Ölung zu entscheiden ersparte dem Patienten zumindest die Therapie, die oft ähnlich qualvoll ausfiel wie das Leiden selbst. Gesundung war damals reine Glückssache. "Denk immer daran: je schmerzhafter die Behandlung, desto größer der Respekt vor dem Bader", sagt der alte Lehrmeister zum jungen Rob Cole im Film "Der Medicus", der jetzt zum ersten Mal im Fernsehen läuft.


"Der Medicus" im TV-Programm

Mo., 29.12.: Teil 1 der dreistündigen Fernsehfassung des Kinofilms "Der Medicus". Das Erste, 20.15 Uhr

Di., 30.12.: Teil 2, Das Erste, 20.15 Uhr

Mit knapp 3,6 Millionen Zuschauern war "Der Medicus" mit Jungstar Tom Payne und Oscar-Gewinner Ben Kingsley der erfolgreichste deutsche Film des Jahres 2013. Die zweiteilige Fernsehfassung der Verfilmung des Bestsellers von Noah Gordon dauert 180 statt 150 Minuten (s. auch TV-Tipps rechts). "Wir konnten die wichtigsten Szenen verlängern", erklärt Regisseur Philipp Stölzl. "Das gibt dem Film mehr Atem."


Das bedeutendste Problem der Medizin im Mittelalter: Die Heiler, die nebenbei ihr Geld als Gaukler verdienten, hatten keine Ahnung, wie es im Menschen aussah. Weil die Kirche die Öffnung von Leichen verbot, gab es nur grobe Vermutungen. Zwar waren die Ärzte der Römer und Griechen weiter vorgedrungen, doch deren Schriften hielten die Klöster unter Verschluss.

Krankheit als göttliche Strafe

Grundsätzlich galt Krankheit als göttliche Strafe und Störung des Verhältnisses der vier Körpersäfte Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle. Stimmte deren Balance nicht, war auch das seelische Gleichgewicht gefährdet. Manche Heiler therapierten dieses Leiden mit Wein und gutem Essen. Ob eine Behandlung erfolgreich war, hing nach dem damaligen Weltbild vor allem vom festen christlichen Glauben ab.

Allheilmittel Aderlass

Allheilmittel war der Aderlass: Man öffnete eine Armvene des Patienten und ließ Blut abfließen – das sollte Gifte aus dem Körper spülen. Tatsächlich war die Behandlung bei Bluthochdruck erfolgreich. "Patienten sind durchaus gern zum Aderlass gegangen", so Medizinhistoriker Prof. Gundolf Keil aus Würzburg, der eine Studie über mittelalterliche Medizin verfasst hat. "Erst wurde über mehrere Stunden gebadet, dann folgte der Aderlass. Das war offensichtlich ganz angenehm."

Chirurgen galten als Handwerker

Chirurgen galten im Mittelalter als Handwerker. Ihre wichtigsten Werkzeuge waren die Knochensäge und scharfe Messer, um Amputationen möglichst schnell durchführen zu können. Mutige Heiler schreckten auch vor Schädelbohrungen nicht zurück – etwa bei Kopfschmerzen. Die Löcher wurden mit Silbermünzen verschlossen – was, wie spätere Skelettfunde belegten, gelegentlich funktionierte. "Es sieht so aus, als hätte schon im 14. Jahrhundert ein norddeutscher Chirurg einen Hirntumor entfernt", so Prof. Keil.

Der Starstich

Über Jahrhunderte erfolgreich war auch der Starstich, mit dem im Film die Blindheit geheilt wird: Mittels einer ins Auge gestochenen Nadel wurde die Linse zurückgedrückt. Dass die "Okulisten", die solche Operationen durchführten, oft zum fahrenden Volk gehörten, war auch eine Schutzmaßnahme: So war man vor der Reaktion der Patienten bei Komplikationen gefeit.

Der Ausbruch der Pest allerdings führte die Heiler damals an ihre Grenzen: Mehr als ein wirkungsloses Gebräu aus Kräutern und Vipernfleisch hatten sie dem Schwarzen Tod nicht entgegenzusetzen.

Autopsien im 16. Jahrhundert

Weitreichende Kenntnisse über die Anatomie des Körpers erlangte die Medizin tatsächlich im 16. Jahrhundert, als Autopsien erst geduldet und 1523 schließlich von Papst Clemens VII. offiziell erlaubt wurden. Einige Jahre zuvor hatte Leonardo da Vinci erstaunlich detaillierte Zeichnungen vom inneren Aufbau des Menschen angefertigt. Waren die Leichenöffnungen anfangs noch vor allem der Bestätigung der alten Vier-Körpersäfte-Theorie dienlich, suchten Ärzte fortan gezielt nach der körperlichen Ursache von Krankheiten – und hatten so überhaupt erst eine Chance, sie womöglich zu heilen.

Autor: Michael Fuchs