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Daschners Verteidiger Eckart Hild

''Der Fall Jakob von Metzler'' im ZDF: Daschners Verteidiger Eckart Hild, hier in einer Prozesspause, hätte das Urteil gegen seinen Klienten gern angefochten. / Foto: © dpa - Fotoreport

TV-Drama

''Der Fall Jakob von Metzler'' im ZDF

Der Fall Jakob von Metzler ist die Geschichte eines Verbrechens. Es ist aber auch die Geschichte eines tragischen Konflikts, der bis heute unlösbar scheint. Wie weit darf ein leitender Polizeibeamter gehen, um das Leben eines Kindes zu retten? Der Fernsehfilm über den Fall führt noch einmal hinein in die Tage des Bangens und Hoffens. Er zeigt vor allem, wie hilflos der Rechtsstaat und seine Vertreter sind, wenn sie es mit einem Täter zu tun haben, der die Polizei verhöhnt und mit den üblichen Verhörmethoden nicht zu fassen ist.

Jakob ist ein Junge mit einem fröhlichen Lachen. Das von der Polizei veröffentlichte Foto, das ihn mit kurz geschnittenen Haaren und kariertem Hemd zeigt, wird zum Symbol für einen der aufrüttelndsten Entführungsfälle der Republik. Am 27. September 2002 wird der elfjährige Bankierssohn aus Frankfurt auf dem Schulweg gekidnappt. Kurz darauf geht bei seiner Familie eine Lösegeldforderung ein.

Der mögliche Täter – ein Bekannter der Familie – gerät schnell ins Visier der Polizei. Kurz nach der Geldübergabe wird er gefasst: Magnus Gäfgen, ein Jurastudent, der sich verdächtig gemacht hatte, weil er mit dem Lösegeld ein Luxusauto angezahlt und eine teure Reise gebucht hatte. Aber wo ist Jakob? Lebt er noch? Ist er womöglich in einem Erdloch gefangen?

Für die ermittelnden Beamten unter Vorsitz des stellvertretenden Polizeipräsidenten Wolfgang Daschner beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Gäfgen leugnet die Tat. Stattdessen beschuldigt er Bekannte, mit denen er einst eine Wohngemeinschaft teilte. Aber die nächtliche Razzia der Polizei dort verläuft im Sande. Gäfgen leugnet weiter. Als man seine Mutter in den Verhörraum bringt, ist ihm nur wichtig, ihr seine teure Uhr in Verwahrung zu geben.

Die Nerven der Ermittler liegen blank. Wie lange kann ein Kind ohne Nahrung, ohne Wasser überleben? Wolfgang Daschner trifft eine einsame Entscheidung. Er beruft sich auf den übergesetzlichen Notstand, wie er im Strafgesetzbuch definiert wird, und beauftragt den Polizeihauptkommissar Ortwin Ennigkeit, dem Verdächtigen "unmittelbaren Zwang" anzudrohen. Die Anordnung hinterlässt er in einem Aktenvermerk bei der Staatsanwaltschaft. Ausgerechnet dieser Vermerk wird später vom Anwalt Gäfgens gegen ihn verwendet.

Das juristische Eis, auf das sich Daschner hinauswagt, ist dünn. Aber die Drohung hilft: Endlich gibt Magnus Gäfgen das Versteck des Kindes preis. Vier Tage nach der Entführung bergen Polizisten aus einem See bei Frankfurt einen Plastiksack, der unter einem Steg vertäut ist. Darin die Leiche des Jungen. Magnus Gäfgen hatte Jakob noch am Tag seiner Entführung ermordet.

Der Mann, der den Elfjährigen aus Habgier erstickt und die Polizei über Tage mit Lügen und falschen Beschuldigungen hingehalten hatte, wird zu lebenslanger Haft unter besonderer Berücksichtigung der Schwere der Schuld verurteilt. Aber auch Wolfgang Daschner und Ortwin Ennigkeit werden angeklagt: Ihnen wird schwere Nötigung zur Last gelegt.

Polizeibild von Jakob von Metzler

Polizeibild von Jakob von Metzler / Foto: @ dpa - Fotoreport

Die Szenen aus dem Gerichtssaal, die im Zentrum des TV-Films stehen, sind für Zuschauer schwer zu ertragen. Im Zeugenstand: ein verurteilter Mörder, der sich weinerlich als Opfer darstellt. Das Wort "Folter" steht im Raum – und wird in zahlreichen Schlagzeilen aufgegriffen. Daschners Anwalt Eckart Hild erinnert sich heute mit Schaudern an die Gerichtsverhandlung: "Drei Meter von mir entfernt saß Gäfgen, hat mich eiskalt angeguckt und mit Blicken verhöhnt. Es ist mir noch nie vorher passiert, dass mir eine Situation so widerwärtig war."

Die beiden Polizeibeamten werden der Nötigung für schuldig befunden und verwarnt. Daschner muss seinen Posten in Frankfurt aufgeben und wird nach Wiesbaden versetzt. Seit 2008 ist er im Ruhestand. Sein Anwalt über die Verfassung seines früheren Mandanten: "Er fühlt sich zu Unrecht verurteilt und hat das Verfahren bis heute nicht verwunden. Ich hätte die Rechtsfrage des Vorliegens eines übergesetzlichen Notstandes oder einer Nothilfe gern höchstrichterlich durch den Bundesgerichtshof klären lassen, aber mein Mandant wollte das nicht."

Aus der Haft heraus schreibt der Mörder Gäfgen ein Buch, in dem er sich weiter als Opfer inszeniert. Auch Ermittler Ortwin Ennigkeit erklärt sich in einem Buch ("Um Leben und Tod", Heyne, 16,99 €). Darin schreibt er: "Gäfgen flieht in sein bewusst falsch beschriebenes Foltermärchen." Eine Frage bleibt dennoch offen: Wie weit darf man gehen, um das Leben eines Kindes zu retten?

"Es ging um die Abwägung des Grundrechts auf Unantastbarkeit der Menschenwürde", so Hild. "Die geringere Verletzung der Menschenwürde lag nach Ansicht meines Mandanten aufseiten von Gäfgen, weil er die ganze Situation herbeigeführt hatte." Hild wertet die Unterstützung der Dreharbeiten durch die Familie von Metzler als Versuch einer Ehrenrettung für den leitenden Beamten.


Hanns Zischler und Jenny Schily als Friedrich und Sylvia von Metzler

Hanns Zischler und Jenny Schily als Friedrich und Sylvia von Metzler / Foto: @ ZDF und Hans-Joachim Pfeiffer

Der TV-Film

In der Verfilmung des Falles Metzler gibt es Szenen, die für juristische Laien schwer nachvollziehbar sind. Szenen, in denen ein verurteilter Mörder als Zeuge aussagen darf, Schmerzensgeld fordert und es erhält. Diese Szenen machen das Dilemma des Rechtsstaats deutlich.

Drehbuchautor Jochen Bitzer hat lange mit dem damaligen Polizeivizepräsidenten Wolfgang Daschner und dem Ehepaar von Metzler gesprochen. Jakobs Eltern erlaubten dem TV-Team sogar, in ihrem Haus zu drehen. Hauptdarsteller Robert Atzorn, der Daschner darstellt, sagt:"Wir haben alle mit dem Bild dieses Kindes vor Augen gespielt. Allein das war uns eine Verpflichtung."

Sendehinweis: ''Der Fall Jakob von Metzler''

TV-Film über die tragische Entführung des Bankierssohnes
Mo 24.9. ZDF 20.15 Uhr

Autor: Angela Meyer-Barg