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Elmar Thevessen

Elmar Theveßen (48), Leiter von ZDF-Aktuell. - Foto: © ZDF / Svea Pietschmann

Elmar Theveßen zur Zukunft der TV-News

"Der Bedarf an Eilmeldungen im Internet wird steigen"

Gibt's News bald nur noch topaktuell im Internet? Werden Youtube-Stars die News bald im TV präsentieren?

HÖRZU fragt Elmar Theveßen (48), Leiter von ZDF-Aktuell, zur Zukunft der TV-Nachrichten.

Interview mit Elmar Theveßen

HÖRZU: Konsumieren die Zuschauer in zehn Jahren mutmaßlich verstärkt "Breaking News" im Netz? Und Inwiefern werden die TV-Nachrichten dadurch - vorausgesetzt, dass dem so ist - seichter oder härter?

Elmar Theveßen: Der Bedarf an Breaking News im Netz wird steigen. Je nach Nutzungssituation werden die Nutzer auf kurze Textinfo, Liveblogs oder eben auf Bereaking-News-Sendung als Livestream setzen. Wenn Fernsehsender in solchen Fällen eh live senden, müssen sie dies nur in den Stream einfüttern, vermutlich ergänzt mit Untertiteln. Die Hauptnachrichten am Abend stehen dann noch mehr in der Pflicht, Zusammenhänge zu erklären und Hintergründe zu liefern - also nix mit softer ...

HÖRZU: Verkünden die klassischen Anchormen in zehn Jahren die Nachrichten eher auf Kanälen wie YouTube - oder sitzen Youtube-Stars wie LeFloid dann vielleicht sogar in den Studios der klassischen Fernsehsender?

Elmar Theveßen: Anchormen sind immer weniger Verkünder, sondern mehr Vermittler, egal auf welcher Plattform. Unsere sind das meist jetzt schon. Sie müssen als Fels in der Brandung der täglichen Nachrichtenflut stehen und Orientierung geben, das entscheidende Signal herausfiltern aus all dem Lärm der Mutlimediawelt (siehe unten). Und einen Daniel Bröckerhoff haben wir ja auch schon.

HÖRZU: Wie verändern sich die Korrespondentennetze mutmaßlich durch neue Tools wie Periscope? Werden sie größer oder kleiner? 

Elmar Theveßen: Die Korrespondentennetze werden hoffentlich nicht kleiner und vermutlich auch nicht größer, nur die Werkzeuge werden vielfältiger. Periscope nutzen wir zwar auch an der ein oder anderen Stelle, aber unser Werkzeug wird eher LiveU sein - als Kamera, deren Signal direkt auf die Server der Zentrale läuft und das wir live durchreichen könnten, und als App auf den Handys unserer Reporter, die damit ebenfalls Material liefern oder gar live geschaltet werden können. Aber die Möglichkeit zur mehr Authentizität mitten aus dem Geschehen wird und darf die Notwendigkeit der einordnenden Berichterstattung nicht überschatten oder gar ablösen.

HÖRZU: Welche technischen Maßstäbe revolutionieren die TV-Nachrichten voraussichtlich in den kommenden zehn Jahren?

Elmar Theveßen: Virtual- und Augmented Reality spielen bei uns jetzt schon eine große Rolle. Sie werden von den Zuschauern als sehr nützlich für die Verständlichkeit der Nachrichten gesehen. Dieser Trend wird sich weiterentwickeln. Außerdem die Möglichkeit für 360 Grad Berichterstattung. Schon jetzt gibt es Dokumentationen, die mit 360-Grad-Kameras gefilmt sind. Noch ist aber unklar, ob und wie dies auch in News nutzbar sein wird.

HÖRZU: Gibt es in zehn Jahren wohl noch feste Anfangszeiten für die Nachrichtensendungen - oder werden diese tendenziell fließender?

Elmar Theveßen: News werden vermutlich auch in zehn Jahren in Echtzeit gewünscht, weil man nur so das Gefühl hat, auf dem neuesten Stand zu sein. Während die Anfangszeiten tagsüber nicht mehr so wichtig sind, werden die Hauptnachrichten abends vermutlich weiter ihren festen Platz haben müssen. Für viele bleibt der Fernsehnachrichtenkonsum vermutlich festes Ritual, aber die Zahl derer, die sie mobil abrufen wollen, wird wachsen.

HÖRZU: Die Bild-Zeitung hat so genannte Leser-Reporter eingeführt, die im Netz für Furore sorgen mit  selbst produzierten Videos, die oftmals auch die Persönlichkeitsrechte der mitunter unwissentlich Gefilmten verletzen. Inwiefern drohen solche Videos in Zukunft in die Haupt-Nachrichten der Fernsehsender zu gelangen?

Elmar Theveßen: Solcher user-generated-content wird als Quelle - zum Beispiel aus Krisengebieten - immer wichtiger. Aber mit dem wachsenden Angebot, wächst auch die Verantwortung einer noch sorgfältigeren Auswahl. Nur wenn die rechtlichen und ethischen Rahmenbedingungen eingehalten werden, nutzen wir solches Material. Damit wollen und müssen wir uns unterscheiden von denen, denen diese Rahmenbedingungen zunehmend egal sind. Alexis Ohanian von Reddit hat das einmal sehr gut auf den Punkt gebracht: "In a world where everyone can report on news, there is a lot of noise. And the journalist’s role is now more important than ever to find the signal in all of that noise and tell a story with authority and context, that helps all of us to understand what the hell is actually going on."

Autor: Mike Powelz