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Das Zeugenhaus im ZDF

Generalmajor Erwin Lahousen (Matthias Brandt, l.) wird beim Frühstück von den anderen
Gästen ausgefragt. Rechts: Herr Ross (Matthias Matschke). Foto: ZDF / Volker Roloff

Schatten der Vergangenheit

"Das Zeugenhaus"

Eine halb verfallene Villa in Nürnberg, zwölf Gäste und eine geheimnisvolle Gräfin als Hausherrin: Das sind die Zutaten für einen der besten Spielfilme des ausklingenden Fernsehjahres (Mo., 24.11., 20.15 Uhr, ZDF, Doku direkt im Anschluss, s. auch TV-Tipps rechts). Denn die besagte Villa war kein beliebiges Gebäude, sondern das historische "Zeugenhaus".

1945 warteten hier Gestapoleute und ehemalige Mitarbeiter Hitlers, aber auch KZ-Überlebende auf den Beginn der Nürnberger Prozesse. Nach und nach musste jedes Mitglied dieser illustren Runde vor Gericht aussagen. Während die Hausgemeinschaft den ergreifenden Prozessberichten im Radio lauschte, lüftete sich allmählich die wahre Identität der Zimmernachbarn. Das barg Stoff für Konflikte. Schließlich waren viele Gäste Erzfeinde.

"Dass die Zeugen der Anklage und der Verteidigung damals innerhalb eines Hauses lebten, war mir völlig neu", verrät Produzent Oliver Berben im Gespräch mit HÖRZU. "1945 war Deutschland ein besiegtes Volk. Niemand wollte sich freiwillig öffnen gegenüber den Alliierten. Deshalb führten die Siegermächte höchstwahrscheinlich eine Konstellation herbei, um auf andere Weise Spannungen aufbrechen zu lassen – und die Menschen mit diesem Trick zum Reden zu bringen. Denn verwanzt war das Haus anscheinend nicht."

"Das Zeugenhaus": Kammerspiel und Krimi

Für das TV-Drama konnte Oliver Berben ein hochklassiges Ensemble gewinnen, darunter Tobias Moretti als Gestapogründer Rudolf Diels, Udo Samel als Hitlers Leibfotograf Heinrich Hoffmann und Gisela Schneeberger als Görings Exsekretärin. Auch bei der Regie gelang Berben ein Coup: Seine Wahl fiel auf Matti Geschonneck, dessen Vater den Zwangsaufenthalt in den KZs Dachau, Sachsenhausen und Neuengamme überlebte.

Geschonneck zu HÖRZU: "Die traumatischen Erlebnisse meines Vaters habe ich verschiedenen Filmfiguren zugeordnet, etwa den KZ-Überlebenden Gärtner und Marie-Claude Vaillant-Couturier, gespielt von Edgar Selge und Vicky Krieps." An die Hand genommen und durch das mysteriöse Haus geführt werden die Zuschauer von Gräfin Belavar. Diese historisch belegte Figur, eine nach Ungarn ausgewanderte Thüringerin, wird von den Alliierten gezwungen, in die Rolle der Gastgeberin zu schlüpfen. Dargestellt wird sie von Iris Berben. Die Schauspielerin zu HÖRZU: "'Das Zeugenhaus' ist auch ein Krimi – wobei der Massenmord vor der einsetzenden Handlung stattgefunden hat. Hoffentlich führt unser Film zu Diskussionen darüber, wie wir heute richtig mit neu aufkeimendem Antisemitismus umgehen."

Autor: Mike Powelz