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Im Mai 1971 ging die Rateshow "Dalli Dalli" im ZDF erstmals auf Sendung.

Im Mai 1971 ging die Rateshow "Dalli Dalli" im ZDF erstmals auf Sendung – und wurde sofort ein großer Erfolg. Zur Jury gehörten damals Brigitte Xander, Monika Sundermann, Ekkehard Fritsch Hans Rosenthal und Mady Riehl (v. l.n.r.). - Foto © picture-alliance / dpa

Plus: TV-Legende Hans Rosenthal

Das neue ''Dalli Dalli''

Hans Rosenthal, Nummer eins der HÖRZU-Reihe über TV-Ikonen, wurde mit "Dalli Dalli" berühmt. Nun feiert seine Rateshow neue Erfolge. Für vorerst drei Sendungen kommt "Dalli Dalli" unter dem Namen "Das ist Spitze!" (siehe TV-Tipp rechts) ins Erste. Wie schon im NDR wird Kai Pflaume die Sendung moderieren, vier prominente Paare spielen gegeneinander. Der Erlös geht an die Hans-Rosenthal-Stiftung.

Die Kandidaten tragen häufig Schulterpolster und Minipli, sie wirken schüchtern, und es braucht eine gewisse Mühe, sie aufzulockern. Dem Showmaster merkt man diese Mühe an. "Jetzt schauen Sie doch mal her, Sie sollen das Spiel doch verstehen", mahnt er und schippt Zementstückchen in einen Kasten. "Jetzt passen Sie mal gut auf", sagt er, und es fehlt nur, dass er ungeduldig auf das Zifferblatt seiner Uhr tippt.

Der Titel "Dalli Dall" ist Programm. Wie am Schnürchen soll das Ratespiel laufen, die Assistentin kontrolliert, die Jury zählt und rechnet blitzschnell. Wer sich verhaspelt, wird vom Showmaster entschuldigt, als sei es eine schwere Panne, auf die Schnelle keinen anderen Namen für Dackel (Teckel!) zu finden. Nur die Pointen nehmen Anlauf, bis auch der Letzte begriffen hat, dass der einstudierte Wortwechsel jetzt unweigerlich auf einen Lacher hinsteuert.

Dalli Dalli Hans Rosenthal

Hans Rosenthal 1983 in der Kultshow "Dalli Dalli". - Foto © picture alliance / Keystone

Wer jemals daran gezweifelt hat, dass es schwer ist, Heiteres herzustellen, der sieht es Hans Rosenthal in der Rückschau an. Er arbeitet hart an der heiteren Muse, man spürt förmlich die Erleichterung, wenn die Sendung sich dem Ende zuneigt und alle Protagonisten zum Schlusslied antreten: "Die Show ist zu Ende, die Lichter sind aus". Alles soll gelingen, muss gelingen. Wer kam jemals auf die Idee, dies sei ein leichter Job?

Am 11. September 1986 verabschiedet er sich von seinem Publikum, der lustige Rosenthal, den alle Hänschen nennen. Das erspielte Geld geht an eine Familie, die die Mutter an Krebs verloren hat. Eine Sekunde lang stockt seine Stimme, und der Zuschauer, der die Szene heute im Internet verfolgt, hält mit den Atem an: Wird er die Fassung verlieren, er, der die eigene Krebsdiagnose kurz zuvor erhalten hat? Aber Hans Rosenthal bringt die Sendung zu Ende, es wird seine 153. und letzte sein.

Er verweist auf den nächsten Auftritt in Wien, empfiehlt Spaziergänge im leuchtenden Herbst, er winkt seinem Publikum zu, ein kleiner Mann in unauffälligem Beige, dem die Heiterkeit Programm geworden ist. Fünf Monate später, am 10. Februar 1987, erliegt er knapp 62-jährig seinem Leiden. Hans Rosenthal, ein Holocaust-Überlebender, der für das Tätervolk den heiteren Harlekin spielte. Ein Jude, der den Deutschen mit seiner Arbeit zeigen wollte: Ich bin doch einer von euch, wie konntet ihr das vergessen.

Hans Rosenthal, ein kreatives Genie

Sie haben ihn nicht vergessen: 26 Jahre später, an einem Donnerstag im September 2013, wird die unverkennbare Melodie von Heinrich Riethmüller im Studio Adlershof in Berlin erklingen. Vier prominente Kandidatenpaare werden Spiele spielen, die jedem Kindergeburtstag zur Ehre gereichen, und Spielmacher Kai Pflaume wird auf Knopfdruck des Publikums in die Luft springen, die Knie angewinkelt, den Arm mit ausgestrecktem Zeigefinger hochgerissen, so, wie es Hans Rosenthal einst tat: "Sie sind der Meinung, das war … spitze!"

Dalli Dalli Hans Rosenthal

Hans Rosenthal mit seiner Frau Edeltraud. - Foto © picture-alliance / dpa

Nach einem längeren Testlauf im NDR-Fernsehen öffnet sich für vorerst drei Folgen "Das ist Spitze!" die ganz große Bühne. Der geänderte Titel ist Empfindlichkeiten beim ZDF geschuldet, aber das stört nicht weiter. In der ersten Reihe wird Rosenthals Witwe Traudl sitzen, daneben Sohn Gert, der die Hans-Rosenthal-Stiftung verwaltet.

Besuch in einer Kanzlei in Berlin- Schöneberg, in der Gert Rosenthal (55) als Anwalt arbeitet. Er ist ein freundlicher Mann, dem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten. "Hätte man meinem Vater vorausgesagt, dass seine Idee mehr als 25 Jahre trägt und neu aufgelegt wird, er hätte das nicht geglaubt und sich riesig darüber gefreut." Rosenthal erzählt von einer Kindheit, die vom Showgeschäft geprägt war. Als kleiner Junge sprach er in Hörspielen, diente als Strohkandidat, wollte selbst Showmaster werden: "Aber dann wollte ich meinem Vater nicht hinterherrennen."

Er erzählt von dem Haus auf Föhr, das Hans Rosenthal seiner Familie baute und in dem einmal jährlich der "Spinnerclub" tagte – Kreative, die sich neue Spielideen ausdachten. Er berichtet von der Genauigkeit und Bedachtsamkeit Rosenthals: "Mein Vater war kein Freund schneller Entschlüsse, aber er war hartnäckig."

Dalli Dalli Hans Rosenthal

Hans Rosenthal wurde am 2. April 1925 in Berlin geboren und starb am 10. Februar 1987 an Krebs. - Foto © picture-alliance / dpa

Das Schicksal des Juden Rosenthal, dessen jüngerer Bruder Gert in einem Konzentrationslager starb, der zur Zwangsarbeit eingeteilt wurde und die letzten beiden Kriegsjahre nur überlebte, weil zwei Rentnerinnen ihn in einer Gartenlaube versteckt hielten – das alles hat diese Familie geprägt. In seiner Autobiografie "Zwei Leben in Deutschland" berichtet Rosenthal von der Einsamkeit des zu Tode Verängstigten, der sein Versteck nur verlassen konnte, wenn draußen Bomben fielen – und seine Häscher in Luftschutzbunkern Schutz suchten.

Eine Familie wünschte sich der verwaiste 20-Jährige. Aber als er endlich eine eigene Familie hat, ist er meistens unterwegs. "Die Urlaube mit ihm waren toll, sonst habe ich meinen Vater selten gesehen", sagt der Sohn. Hans Rosenthal hetzt durch sein kurzes Leben. Er moderiert zeitweilig mehrere Sendungen, einige noch im Hörfunk, er führt Regie, konzipiert, probt – und er heftet in einem Ordner die antisemitischen Briefe ab, die ihn erreichen. Dass der Entertainer jüdischen Glaubens ist, wurde einem Großteil seines Publikums erst mit seinen 1980 erschienenen Erinnerungen bekannt. "Er wollte kein Quotenjude sein", sagt sein Sohn.

DIE GOLDENE KAMERA von HÖRZU für Hans Rosenthal

Vorsichtig zeigt Rosenthal in seinem dritten Leben Flagge. Er lädt einen Pastor und einen Rabbiner in seine Sendung ein. Ein einziges Mal tritt er aus der Rolle des Showmasters heraus, als er in seiner Sendung vor einer Vereinigung Rechtsradikaler warnt. Er genießt die Publikumspreise, die er erhält. Hans Rosenthal wurde dreimal mit der GOLDENEN KAMERA von HÖRZU ausgezeichnet (1974, 1979, 1984). Der im Dritten Reich Verfemte erlebt es als Ehre, dass der damalige Kanzler Helmut Kohl nur von ihm, dem "kleinen Juden Rosenthal", interviewt werden will.

Hans Rosenthal wollte sich und seinem Publikum ein Stück Normalität zurückgeben. Er suchte sich dafür die Ebene einer Unterhaltungssendung, in der alle miteinander spielen dürfen – unbelastet wie Kinder.

Autor: Angela Meyer-Barg