HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Das grosse Schluepfen im ZDF

"Das große Schlüpfen": Show rund ums Ei. Live aus Köln.
Foto: © picture alliance/Mary Evans Picture Library

Show mit Johannes B. Kerner

"Das große Schlüpfen - live"

Am Anfang war das Ei. Gut geschützt wächst darin der Nachwuchs heran - jetzt sogar live in der TV-Show "Das große Schlüpfen" mit Moderator Johannes B. Kerner.

Die Vögel tun es. Die Krokodile auch. Hering, Lurch, Honigbiene - sie alle schlüpfen aus dem Ei. Sogar die Dinosaurier vor 200 Millionen Jahren nutzten schon diese Strategie. Die Show mit Johannes B. Kerner "Das große Schlüpfen" bringt uns dieses Wunder jetzt näher (1.4., 20.15 Uhr, ZDF, s. auch TV-Tipps rechts und im TV-Programm) - Aufbruch ins Leben live!

Spezielle Brutstation

Damit Tiere wie Haushuhn, Strauß oder Hai vor laufender Fernsehkamera schlüpfen können, baute das Produktionsteam unter Beratung von Experten eine spezielle Brutstation. Und auf welchen Nachwuchs ist der Moderator besonders gespannt? Johannes B. Kerner: "Vielleicht auf den Katzenhai. Aber nachdem ich gelernt habe, dass 99 Prozent aller Lebewesen aus dem Ei schlüpfen, fällt mir die Entscheidung schwer."

Das Ei

Für Evolutionsbiologen ist das Ei viel mehr als nur ein idealer Brutkasten. Es spiegelt die Entwicklung des gesamten Lebens auf der Erde wider. Im Meer fing alles an. Bevor die Tiere das Land eroberten, reichte eine gallertartige Masse als Schutz fürs neue Wesen. Denn im Wasser oder in einem ausreichend feuchten Biotop können die Eier nicht austrocknen. Heute finden wir solche Formen noch beim meist massenhaft abgelegten Laich etwa der Frösche oder Fische. An Land klappt das nicht. Erst durch die Erfindung einer festeren Hülle konnte der Nachwuchs auch dort in feuchterer Umgebung heranreifen. Amnion nennen Biologen den mit Fruchtwasser gefüllten Schutzpanzer, der quasi das Urmeer simuliert. Im Lauf der Jahrmillionen entwickelte sich dann die perfekte Verpackung etwa eines Hühnereis, in dem der Embryo geborgen und gut versorgt heranwächst.

So variantenreich das Äußere der Eier auch sein mag, das Prinzip bleibt stets gleich. Der Dotter liefert den Proviant für das Küken, im wasserhaltigen Eiweiß sind zusätzliche Proteine gespeichert. Die Hagelschnüre halten den Dotter bei Vogeleiern stets in der Mitte und fangen wie Sicherheitsgurte alle Stöße ab. Schließlich kommt die luftdurchlässige Kalkschale mit einer elastischen Haut.

Das Heranwachsen im Ei

Doch was passiert genau, wenn der Nachwuchs nach wochenlanger Reifezeit endlich schlüpft? Ein Team des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen hat erstmals diesen magischen Moment in Echtzeit gefilmt. Dazu nutzten die Forscher einen Magnetresonanztomografen (MRT), der sonst in der Medizin eingesetzt wird. Vom ersten Bruttag bis zum Aufbrechen der Schale verfolgten sie die Entwicklung des neuen Lebens. "Besonders beeindruckt haben uns die Bewegungen des Kükens im Ei", erzählt der damalige Projektleiter Dr. Roland Tammer. "Durch die harte Schale sieht man das ja normalerweise nicht. Aber genau wie beim Menschen ist der Embryo ständig aktiv."

Für ihr Experiment wählten die Göttinger Wissenschaftler das Ei eines Marans, einer größeren Hühnerrasse. Ab dem zehnten Tag zeigten sich auf den Bildern des MRT-Scanners die ersten Strukturen: Augen, Schnabel und Füße deuteten sich an. Bis zum 18. Tag formten sich alle Organe und nahmen an Größe zu. Das Hühnerküken war nun fast lebenstüchtig und musste nur noch drei Tage lang weiterwachsen. Während der ganzen Zeit wechselten sich Ruhe- und Wachphasen ab. So wie das Baby im Bauch der Mutter strampelt und tritt, so turbulent ging es auch im Hühnerei zu.

Das Schlüpfen

Viel Platz hat das Küken dafür allerdings nicht. Dr. Tammer: "Wie ein Akrobat verdreht lag es im Ei. Es war unglaublich spannend, zu sehen, wie der kleine Brustkorb arbeitete." Kaum zu glauben, dass so viel Vogel in eine so winzige Hülle passt. Um der Enge zu entfliehen, wird der Nachwuchs zum Panzerknacker.

Erster Akt: Ein spezieller Schlüpfmuskel im Nacken sorgt für das Anheben des Kopfes.

Zweiter Akt: Das Küken dreht sich um die eigene Achse. "Mit ruckartigen Bewegungen rotiert es gegen den Uhrzeigersinn", erklärt Roland Tammer. "Das machte uns die Arbeit mit dem MRT-Scanner so schwer." Der Kopf stößt hin und her, um die Schale am stumpfen Ende kreisförmig aufzubrechen - wie mit einem Schweißbrenner. Dabei hilft eine verhornte Erhebung am Schnabel. Reptilien haben dafür einen speziellen Eizahn.

Dritter Akt: Mit einer letzten Anstrengung sprengt der junge Vogel den Deckel ab. "Bei unserem Küken zog sich der Schlüpfvorgang mehr als 36 Stunden hin", erinnert sich Roland Tammer voller Bewunderung. "Und das alles ohne jede Hilfe von außen. Dieser Lebenswille ist unglaublich."

Jede Tierart hat ihre eigenen Tricks

Die meisten Lebewesen unseres Planeten kommen mit einem solchen Kraftakt auf die Welt. Trotzdem ist Ei nicht gleich Ei. Um die Überlebenschancen zu verbessern, hat jede Tierart ihre eigenen Tricks. Die Trottellumme etwa brütet auf Klippen. Also legt sie Eier, die an einem Ende spitz zulaufen. So können sie nicht aus den flachen Nestern rollen und in die Tiefe stürzen. Höhlenbrüter verzichten auf aufwendige Tarnung, weil ihre Eier gut versteckt sind. Andere Vögel wie etwa Möwen legen gesprenkelte Eier, die sich perfekt der Nestfarbe anpassen. Ornithologen stellten fest, dass dafür bei allen Vogelarten zwei Farbstoffe ausreichen - das bläulich-grüne Biliverdin für die Grundfarbe und das rötlich-braune Protoporphyrin für die Muster.

Auch bei der Lebenstüchtigkeit zeigen sich große Unterschiede. Blaumeisen etwa schlüpfen nackt und blind, müssen 20 Tage lang aufgepäppelt werden. Hühnerküken dagegen können gleich nach ihrer Geburt sehen, laufen, picken und trinken. Roland Tammer: "Es ist ein Wunder, dass in nur drei Wochen quasi aus dem Nichts ein lebenstüchtiges Wesen wird." Auch junge Meeresschildkröten schlüpfen bereits völlig entwickelt aus dem Ei. Die Mutter gräbt für ihr Gelege eine bis zu 50 Zentimeter tiefe Grube am Strand, das Ausbrüten überlässt sie dann der Sonne. Kaum haben die Winzlinge ihre Schale gesprengt, krabbeln sie auch schon über den Sand Richtung Meer. Das große Abenteuer Leben kann beginnen.

Autor: Kai Riedemann