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Auf Talfahrt: die Marktanteile von RTL, Sat.1 & ProSieben. - Foto: © dpa - Report

Zuschauerschwund bei RTL, Sat.1 und ProSieben

Das Ende der Privatsender?

Im Jahr 2014 brachen ihre Quoten gnadenlos ein. Können RTL, Sat.1 und ProSieben den Zuschauerschwund noch stoppen? Eine Analyse.

Auf diese besondere TV-Premiere mussten die Zuschauer lang warten: 25 Jahre lang! Am 29.12.2014 zeigte RTL dann erstmals "Arielle, die Meerjungfrau". Natürlich rechnete der Kölner Sender mit exzellenter Einschaltquote, schließlich ist der Film ein beliebter Disney-Klassiker. Doch die Meerjungfrau soff ab, sang- und klanglos: Nur 2,15 Millionen Fans wollten die von vielen Werbepausen unterbrochene TV-Premiere sehen.

Das "Arielle-Syndrom"

Derzeit leiden viele RTL-Formate unter dem "Arielle-Syndrom". Ob Shows, Filme, Dokusoaps oder TV-Serien: Der Großteil der Formate wird vom Publikum versenkt. Nur drei Beispiele: 2015 musste die groß angekündigte Daily Soap "Berlin Models" wegen mieser Quoten eingestellt werden. Actionfilme wie Schwarzeneggers "The Last Stand" versagen selbst gegen schwächere "Tatort"-Folgen, und Shows wie "Das Supertalent" oder "DSDS" befinden sich ebenso im Sinkflug wie "Der Bachelor" und "Das Jenke-Experiment". Zwar täuschen bei RTL 7,56 Millionen Dschungelcamp-Zuschauer über diese Schwäche hinweg, doch selbst die beste Folge aus Australien lag im Januar nur noch auf Platz 13 der meistgesehenen Fernsehsendungen – weit hinter "Tatort", "Traumschiff" und "Tagesschau".

Sat.1 und ProSieben stecken in der Krise

RTL ist nicht der einzige Privatsender, dem die Zuschauer davonlaufen. Auch Sat.1 und ProSieben stecken in der Krise: Beim 20. Geburtstag von "Akte" feierten auf Sat.1 nur noch 1,12 Millionen Zuschauer mit. "Die Millionärswahl" auf ProSieben wurde von Lesern des Medienmagazins dwdl.de sogar zur "Peinlichkeit des Jahres" gewählt. Der kritische Medienbeobachter Michael Kessler ("Switch Reloaded"), ein Eigengewächs der ProSiebenSat.1-Gruppe, bringt die Schwäche seines Heimatsenders so auf den Punkt: "Wenn Sat.1 mit dem Programmslogan 'Freut euch drauf!' wirbt, fragt man sich immer öfter, worauf man sich eigentlich freuen soll: 'Der letzte Bulle' ist von der Weide geritten, und 'Danni Lowinski' hat den Dienst quittiert." Selbst die Jungen schalten ab

Quoten auf dem Tiefpunkt

In puncto Quoten sind die Privatsender auf dem absoluten Tiefpunkt der vergangenen 20 Jahre angekommen (siehe unten). Nur in ihrer selbst definierten Zielgruppe haben sie noch die Nase vorn. Dazu teilten sie die Zuschauer in eine jüngere "werberelevante" Gruppe ein, die bei ProSieben von 14 bis 49 Jahre reicht, bei RTL von 14 bis 59. Und in eine ältere, an Werbung eher uninteressierte, also für Werbekunden uninteressante Gruppe ab 60. Die Jüngeren gelten aus Sicht der Sender als aufgeschlossen, modern, konsumorientiert. Ein wichtiges Argument für Firmen, die Spots schalten. Umso ärgerlicher, dass den Privaten jetzt auch die 14- bis 59-Jährigen abhandenkommen: Sie bevorzugen DVDs und Digitalsender – oder werbefreies Bezahlfernsehen.

Das Ende der Privatsender?

Ist damit der Anfang vom Ende der Privatsender eingeläutet? Ihr Überleben hängt jedenfalls maßgeblich von Werbeeinnahmen ab. Bislang reagieren sie mit immer billiger wirkenden Formaten. Entwickeln sie sich zum "Unterschichtenfernsehen", wie es der Medienwissenschaftler Jochen Hörisch und Entertainer Harald Schmidt bereits 2001 und 2005 prophezeiten? "Unsinn", wettert der ehemalige RTL-Chef Helmut Thoma im HÖRZU-Interview. "RTL ging es nie besser! Der Sender macht Millionen mit seinen Programmen! Selbst wenn er den ganzen Tag Messiewohnungen zeigte, würde der Rubel noch rollen." Auf diese Prognose sollten sich die Privaten aber nicht allzu sehr verlassen, denn mit der Quote können auch die Werbepreise einbrechen. Beispiel Formel 1: Im Jahr 2014 führte der starke Zuschauerschwund dazu, dass der teuerste Spot dort "nur" noch 60.600 Euro kostete statt 84.000 Euro wie im Jahr 2013.

ARD und ZDF profitieren

Von der Schwäche der Privatsender profitieren derzeit ARD und ZDF: Dank Millionen von Gebührenzahlern produzieren sie Woche für Woche neue Filme wie den "Tatort", der 2014 bis zu 13,22 Millionen Zuschauer begeisterte und zu den fünf meistgesehenen TV-Sendungen zählte. Bei RTL, Sat.1 und ProSieben indes sank der Anteil von Neuproduktionen am Programm. Natürlich gibt es auch bei den Privaten Erfolgsgaranten, etwa "Wer wird Millionär". Doch dessen Zukunft hängt von einem Handschlagvertrag mit Günther Jauch ab. Oder das Dschungelcamp – doch dessen Stern ist bereits im Sinken. Das bekam kürzlich auch Frauke Ludowig zu spüren, deren Krawallshow "Das große Wiedersehen" mit Ex-Dschungel-Kandidaten floppte.

Freuen darf sich RTL indes auf die Ausstrahlung der Miniserie "Deutschland 83", die bereits an den US-Sender SundanceTV weiterverkauft wurde. Auch ProSiebenSat.1 punktet mit neuen Serien wie "Scorpion". Kleine Lichtblicke am drastisch verdüsterten Horizont.


Auf Talfahrt: die Marktanteile von RTL, Sat.1 & ProSieben

Im Jahr 2014 blieb Privatsender RTL mit 10,3 Prozent Marktanteil knapp im zweistelligen Bereich, während Sat.1 auf 8,1 Prozent und ProSieben auf 5,5 Prozent der Zuschauer kamen. Damit verzeichneten die drei großen Privatsender die schwächsten Werte der letzten 20 Jahre. An die Spitze setzte sich nach einem Tiefpunkt 2011 erneut das gebührenfinanzierte ZDF mit starken 13,3 Prozent Marktanteil. Dicht dahinter: die ebenfalls öffentlich-rechtliche ARD mit guten 12,5 Prozent.

Autor: Mike Powelz