HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
TV-Film Bornholmer Strasse

TV-Film "Bornholmer Straße": Peter Arndt (Rainer Bock), Harald Schäfer (Charly Hübner)
und Burkhard Schönhammer (Max Hopp) versuchen sich vom Dach eines Postenhäuschens
einen Überblick zur Lage vor dem Grenzübergang zu verschaffen.
Foto: © MDR/UFA FICTION/Nik Konietzny

TV-Sendungen zum Mauerfall

Brillanter TV-Film "Bornholmer Straße"

Vor 25 Jahren öffnete sich die Berliner Mauer. Und die DDR war Geschichte. Der brillante TV-Film "Bornholmer Straße" erzählt, wie gefährlich und emotional es zuging.

Es ist der 9. November 1989. Oberstleutnant Harald Schäfer, Dienstleiter am Grenzübergang Bornholmer Straße, hat Magen-Darm-Probleme. Hörbar. Das ist unschön, aber nicht zu ändern. Mit dieser irritierend menschlichen Begebenheit beginnt die sehr sehenswerte Tragikomödie über "die unglaubliche, aber wahre Geschichte von OL Schäfer".

Charly Hübner ("Polizeiruf 110") spielt den Mann, der als Erster die Mauer zwischen Ost- und Westberlin öffnete, so stoisch uneitel, dass es bei aller Dramatik auch überaus lustig zugeht. Diese ungewohnte Leichtigkeit zieht sich durch den gesamten Film "Bornholmer Straße" und macht ihn so besonders glaubwürdig.


Filme und Dokus zm Mauerfall

Di, 4.11.

- "Wahnsinn '89": Wie die Mauer fiel. Dokumentation. ZDF, 20.30 Uhr

- "Aufbruch im November": Die größte Demo der DDR am 4.11.1989 auf dem Alexanderplatz. RBB, 21.00 Uhr

- "Das Leben der anderen": Oscarprämierter Film von Florian Henckel von Donnersmarck. Das Erste, 22.45 Uhr

Mi, 5.11.

- "Bornholmer Straße": Tragikomödie mit Charly Hübner, Ulrich Matthes. Das Erste, 20.15 Uhr

- "Die Nacht des Mauerfalls": Wie es wirklich war. Menschen, die 1989 zur Bornholmer Straße aufbrachen, erzählen von Erwartungen, Ängsten und dem Freudentaumel der Wiedervereinigung. Dokumentation. Das Erste, 21.45 Uhr (s. auch TV-Tipps rechts


Die Nacht der Grenzöffnung

Regisseur Christian Schwochow wuchs im Osten auf, wohnte zwei Kilometer vom Grenzübergang entfernt. Im Vorfeld zu "Bornholmer Straße" hat er sich oft mit Harald Jäger getroffen, dem echten Oberstleutnant. Nach 25 Jahren Abstand klang dessen Darstellung der Nacht der Grenzöffnung "wie ein Stück von Ionesco, Theater des Absurden". Denn das, was sich damals im Inneren der Grenzwache abspielte, wirkt heute so aberwitzig und grotesk, wie es sich wohl keiner ausdenken kann. Zugleich schien ein Blutbad unter den Demonstranten vor dem Schlagbaum gefährlich real.

Sechzehn Grenzer mit unterschiedlichem Auftrag schieben an jenem Novemberabend Dienst. Man langweilt sich, pflegt seine Marotten. Oberleutnant Rotermund etwa ist Parteisekretär, dazu Fahndungsoffizier. Verbissen nutzt er seine Fähigkeiten, um nach dem Verbleib verschwundener Kekse zu suchen. Oder Hauptmann Schönhammer. Der Sicherheitsoffizier gefällt sich als Großmaul. Und ist der Erste, der die Nerven zu verlieren droht, als die Ereignisse vor der Schranke eskalieren. Am Anfang ist nur Gemurmel zu hören. Zehn, vielleicht zwanzig Leute rücken zaghaft auf den Übergang nach Westberlin zu. Viel zu ungeheuerlich erscheint, was Günter Schabowski am Ende einer Pressekonferenz verkündet hat: Alle DDR-Bürger können ohne besondere Genehmigungen die Grenzen passieren. Völlig unmöglich, darüber ist man sich im Wachraum einig. Ein Missverständnis. Womöglich hat der Schabowski vorher zu viel Braunen gesoffen, als er auf die Frage, wann die neue Verordnung in Kraft trete, stotterte: "Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich."

Schäfer spürt, dass sich etwas zusammenbraut. Zunächst setzt er auf Dienstvorschriften, wartet auf Befehle von oben. Aber die kommen nicht. Keiner seiner Vorgesetzten will Verantwortung übernehmen. Inzwischen sind es Zehntausende, die vor dem Schlagbaum stehen. "Tor auf! Macht das Tor auf!", skandieren sie. Die Grenzsoldaten entsichern ihre Waffen, fühlen sich bedrängt, jeden Moment könnte einer von ihnen in die Menge schießen.

Der Refisseur Christian Schwochow

Schwochows Fernsehfilm ist auch ein Familienwerk. Das Drehbuch schrieben seine Eltern Heide und Rainer. Sie gehörten tatsächlich zu den Ersten, die am 9. November die Mauer passierten. Schwochow selbst war elf und verschlief den historischen Moment. Erst am nächsten Tag durfte er mit rüber.

Der Regisseur, längst in Gesamtdeutschland angekommen, bewies schon mit dem preisgekrönten Film "Der Turm" sein außerordentliches Talent, DDR-Wirklichkeit nicht nur schwarz-weiß abzubilden. Hier nun hat er Harald Jäger ein Denkmal gesetzt: "Er ist ein tragischer Held. Jäger hat den 'antiimperialistischen Schutzwall' mit eigenen Händen aufgebaut. Er hat ihn bewacht und mit Gewalt verteidigt. Doch in dieser Nacht im November reifte in ihm die Überzeugung, dass es nur eine richtige Entscheidung geben kann: Um 23.30 öffnete er den Schlagbaum." Und das gewaltfreie Wunder von Berlin, an das niemand zuvor geglaubt hätte, veränderte die Welt.

Autor: Sabine Goertz-Ulrich