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Yvonne Catterfeld spielt die mutige Tauch-Pionierin Lotte Baierl.

Biografie im TV: ''Das Mädchen auf dem Meeresgrund'' - Yvonne Catterfeld spielt die mutige Tauch-Pionierin Lotte Baierl. / Foto: © ZDF und Petro Domenigg

Mit Yvonne Catterfeld und Benjamin Sadler

Biografie im TV: ''Das Mädchen auf dem Meeresgrund''

Das Ungeheuer schwimmt heran, lautlos und schnell. Angstvoll kauert die junge Frau in einer Grotte auf dem Meeresgrund, fuchtelt wild mit einer Harpune, versucht, die Gefahr zu vertreiben: Weg, weg! Nur gut, dass Hilfe nah ist. Vom Boot aus startet Hans Hass einen seiner großen Einsätze – und rettet die Vorwitzige vor dem Hai. Auch vor Tiefenrausch und tückischen Schlingpflanzen hat er sie schon bewahrt. Lotte ist sein Star.

Wenn die junge Frau in die Tiefe taucht, wenn ihre Beine mit den Schwimmflossen im Grau einer Höhle verschwinden, möchte man heute noch die Luft anhalten. Wäre sie nicht an seiner Seite gewesen, er hätte sie glatt erfinden müssen, dieser Tausendsassa Hass, der schon 1939 anfing, die Unterwasserwelt zu erkunden. Aber erst Lotte Baierl, wie sie in seinem ersten Film noch hieß, brachte ihm Glück und Glanz. Eine junge Sekretärin aus Wien, schön wie Lauren Bacall und mit jenem Liebreiz ausgestattet, den man in den 50er-Jahren bei Frauen gern sah.

Film ab für Lotte, die ihren tauchenden Hans neckisch zum Frühstück ruft, Blende auf für Lotte, die einen Pinguin an Bord schmuggelt und – mal trotzig, mal schmeichelnd – die Männerdomäne des Tauchens erobert. Es gibt Geschichten, die könnte sich kein Regisseur besser ausdenken. Die Story des tollkühnen Tauchers und seiner schönen Meerjungfrau gehört dazu. Keine Grotte ist ihnen zu dunkel, kein Hai zu groß. Jede Koralle, jeden Kraken, jede Muschel feiern sie wie ein Wunder.

Der Film "Das Mädchen auf dem Meeresgrund" (Donnerstag, 8.12., 20.15 Uhr, ZDF) mit Yvonne Catterfeld und Benjamin Sadler in den Hauptrollen – frei nach der Autobiografie von Lotte Hass – setzt den beiden Pionieren jetzt ein Denkmal.


Lesen Sie auch unser Kurz-Interview mit Yvonne Catterfeld.

Als Lotte und Hans Hass 1951 ihren ersten Film "Abenteuer im Roten Meer" drehen, sind Unterwasserkameras noch schwerfällige Geräte, die wie Einkaufskörbe vor dem Leib gehalten werden. Die Pressluftvorräte sind begrenzt, auf Tauchanzüge verzichtet der Abenteurer Hass ganz: "Man hat dann kein Gefühl für das Meer und die Tiere."

Die Welt unter Wasser ist grenzenlos. Ungeniert brechen Hass und seine Begleiter Korallenbäume ab, unbeirrt von politischer Korrektheit werden die "Eingeborenen" in Ägypten oder in der Karibik präsentiert. Eine fast kindliche Neugier zeichnet die Experimente aus: Lotte etwa interessiert sich für die Hypnose von Tieren und liest, dass man ihnen nur etwas Glitzerndes vor die Augen halten müsse. Schon taucht die schöne Nixe mit einer Weihnachtsbaumkugel in die Tiefe und schwenkt sie vor einem Fisch hin und her. Hans Hass muss einmal mehr den strengen Lehrer geben, der zum Auftauchen mahnt. "Ach", schmollt Lotte, "der Fisch hat schon so schön die Augen verdreht."

Auch die These, Fische könnten hören und sich am Geräusch ihrer Flossen orientieren, lässt sich nicht halten. Aber der Versuch ergibt schöne Bilder: Ein kleiner Lautsprecher wird auf den Meeresgrund gesenkt, von Bord aus ein Walzer von Johann Strauss eingespielt. Prompt scheint es, als würden die Fische rund um das Töne speiende Gerät einen Kreis bilden – und tanzen.

Im zweiten Film firmiert Lotte Baierl schon als Lotte Hass und steigt zur "Assistentin" auf. Die Rollen aber ändern sich nicht: Er der Forscher und gestrenge Lehrer, sie die unbekümmerte Elevin, die ihm auch gern mal eine Nase dreht. Die Ausrüstung wird moderner, die Schauplätze wechseln – was bleibt, ist die gefahrvolle Suche nach einem Monster der Tiefsee, wahlweise ein Riesenrochen – oder eben ein Hai.

Im ZDF-Film hat Yvonne Catterfeld als Lotte Hass in dieser Szene ihren stärksten Auftritt. Als ihr Hans schon von einem Weißen Hai attackiert worden ist und blutend an Bord liegt, taucht sie im Alleingang ein zweites Mal, sucht die Konfrontation mit dem Raubtier. Die Schöne und das Biest – eine Vorlage, die Generationen von Regisseuren aufgegriffen haben.

Der Film endet mit dem ersten großen Triumph der Unterwasserfilmer: "Abenteuer im Roten Meer" wird 1951 in Venedig als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. Die Kamera schwenkt auf die Loge, in der Catterfeld und Sadler als Lotte und Hans Hass die Premiere erleben. Dann folgt ein Schnitt, und in der Loge sitzen – weißhaarig, gebeugt, aber glücklich über den Applaus des Publikums – Lotte und Hans Hass, 83 und 92 Jahre alt.

Vor Beginn der Dreharbeiten empfing das Paar die beiden Schauspieler in seiner Wohnung in Wien. "Die Begegnung hat mich tief berührt", sagt Yvonne Catterfeld. "Man merkt, wie sehr sie sich immer noch lieben und wie viel Humor sie verbindet."

Den Hai übrigens, den beide so oft gefilmt und verfolgt haben, sehen Hans und Lotte Hass heute mit anderen Augen. Seit Jahren engagieren sich die Tauchpioniere in einem Schutzprojekt für Haie.

Autor: Angela Meyer-Barg