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Talkshow Beckmann

Gastgeber Reinhold Beckmann (r), Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (l) und Peter Scholl-Latour (M). - Foto: © dpa

Schlechte Quoten für den Talker

"Beckmann" in der Krise

Stell dir vor, es läuft "Beckmann", und keiner sieht zu. Ein Witz. Aus der Branche. Böse! Zu böse? Nein, realistisch. Reinhold Beckmann laufen die Zuschauer weg.

Dabei galt der 56-Jährige lang als einer der erfolgreichsten Talker Deutschlands, erhielt 1996 die GOLDENE KAMERA von HÖRZU. Er befragte mehrere Male Kanzlerin Angela Merkel und hatte die Ehre, Loriots letzten Talkshow-Auftritt zu präsentieren.

Dabei entwickelte er einen eigenen Stil, manche sagen eine Attitüde: Weit über den Tisch gebeugt versucht er, seinem Gegenüber nahezukommen, auf den Pelz zu rücken, ihm wie im Beichtstuhl Geständnisse zu entlocken. Tiefgründiges kommt dabei selten zutage. Einige finden das Gebaren zu "flauschig", etliche pseudoseriös, nur wenigen gefällt es.

Schließlich wird es sogar in Comedyshows parodiert, etwa in "Switch Reloaded", wo Beckmann alias Max Giermann Studiogast Jesus mit Dünnbrettphilosophie quält, kaum ausreden lässt und so aus dem Studio treibt.

Beckmanns Konkurrenz

Der eigentliche Absturz aber beginnt, als Das Erste ab 2003 weitere Talker an den Start schickt: zuerst Sandra Maischberger ("Menschen bei Maischberger"), 2007 sowohl Frank Plasberg ("Hart aber fair") als auch "Anne Will", 2011 dann "Günther Jauch". Plötzlich gibt es in der ARD fünf Talkmaster – fünfmal hausinterne, harte Konkurrenz.

Vier der Kollegen schaffen es, in diesem Wettstreit ihre Konturen zu schärfen: Plasberg hakt noch schonungsloser nach, Maischberger polarisiert durch interessante Gästekombinationen, Jauch profitiert vom Starbonus. Beckmann jedoch bleibt Beckmann – flauschig.

Problematisch ist für ihn zudem, dass er mit Jauchs Dienstantritt einen neuen Sendeplatz erhält: donnerstags statt montags. Plötzlich läuft sein Nachttalk im Ersten parallel zu "Maybrit Illner" und "Markus Lanz" im ZDF. Auch das kostet Zuschauer: Während es den anderen ARD-Talkern gelingt, ihre Quoten zu stabilisieren, rutscht Beckmann ab. In der Ära vor Jauch erreichte er im Schnitt 1,55 Millionen, in der Ära nach Jauch nur 1,04 Millionen. Ein Desaster.

Beckmanns Image leidet

Doch es kommt noch dicker. Auch das Image leidet. In Umfragen hagelt es plötzlich Häme und Kritik. Das Debattenmagazin "The European" befindet beim Test der ARD-Talker: "Beckmann ist der am wenigsten fähige der fünf." Auf die Frage, welchen Talker sie am wenigsten vermissen würden, antworten 2012 in einer Emnid-Umfrage 21 Prozent der Zuschauer: Beckmann.

"Was nun, Herr Beckmann?", möchte man den Norddeutschen fragen. Doch ein Interview bekommt HÖRZU nicht. Zuerst wiegelt Beckmanns Agent ab: Ein Gespräch sei in der Sommerpause sinnlos. Nach dem Urlaub werden Anfragen erneut abgeblockt. Immerhin ist NDR-Pressesprecherin Iris Bents bereit, sich zu Gerüchten zu äußern, die ARD plane, "Beckmann" zurück auf den Montag zu legen – direkt hinter "Hart aber fair". Bents: "Reinhold Beckmann talkt jeden Donnerstag um 22.45 Uhr im Ersten. Daran wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern."

Parallel kursieren Gerüchte, einer der fünf ARD-Talker solle ausrangiert werden. Ein "Geheimpapier" der ARD bescheinigt Beckmann zwar, "brillant" zu sein – doch Fakt ist auch: 2013 läuft sein ARD-Vertrag aus.

Muss er gehen? Soll er bleiben? Was denken Sie? Schreiben Sie HÖRZU Ihre Meinung!

Autor: Mike Powelz