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PHOENIX DER ERSTE WELTKRIEG, Moderation: Guido Knopp

Prof. Dr. Guido Knopp. auf dem Soldatenfriedhof am Hartmannsweilerkopf. - Foto: © PHOENIX

phoenix-Thementag zum Ersten Weltkrieg

Auf Zeitreise mit Guido Knopp

Der Erste Weltkrieg gilt als "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts", danach war die Welt nicht mehr dieselbe. 100 Jahre nach dessen Ausbruch geht Guido Knopp am Sonntag, 22. Juni, ab 13.00 Uhr für phoenix auf Zeitreise und führt durch den Thementag.

Der langjährige Leiter Zeitgeschichte im ZDF besucht Original-Schauplätze in Sarajevo und im belgischen Ypern, er fährt zum Hartmannsweilerkopf im Elsass und ins Deutsche Historische Museum nach Berlin. Dort erläutert und analysiert er mit den Experten und Autoren Prof. Herfried Münkler ("Der Große Krieg"), Prof. Jörn Leonhard ("Die Büchse der Pandora") und Prof. Gerd Krumeich ("Deutschland im Ersten Weltkrieg") das Kriegsgeschehen.


Guido Knopp über den Einsatz von Giftgas als Kampfmittel in Ypern


Bewegende Dokumentationen (s. auch TV-Tipps rechts) beleuchten entscheidende Momente des Ersten Weltkriegs: Sie zeichnen den Weg in die Katastrophe nach, beschreiben das Kriegsgeschehen, beschäftigen sich mit Waffenstillstand und Versailler Vertrag. Highlights des Doku-Programms sind der aufwändig produzierte Dreiteiler "Weltenbrand", in dem nachträglich koloriertes Originalmaterial zu sehen ist, sowie die Dokumentation "Mit Jubel in die Hölle", die in eindringlichen Spielszenen das Leid der jungen Soldaten nachzeichnet.


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Interview mit Guido Knopp

Herr Knopp, gerade haben Sie für den phoenix-Thementag zum Ersten Weltkrieg im flandrischen Ypern gedreht. Wie haben Sie den ehemaligen Kriegsschauplatz erlebt?

Ich war zum ersten Mal in Ypern und fand es sehr eindrucksvoll. Die Stadt, die damals völlig zerstört worden war, wurde wunderschön rekonstruiert. Das Museum "In Flanders Fields" ist exzellent und bringt den Besuchern das Erleben des Krieges, die Verwundungen und das Sterben, emotional nahe. Sehr eindringlich und bewegend war für mich der Besuch des deutschen Soldatenfriedhofs in Langemark. Dem Heeresbericht aus dem November 1914 zufolge stürmten junge Freiwillige siegreich auf die feindlichen Linien zu, während sie das Deutschlandlied sangen. In Wahrheit wurden sie, die Lehrlinge, Schüler und Studenten, zu Tausenden im Maschinengewehrfeuer niedergemäht. In Langemark wird der Unterschied zwischen Mythos und bitterer Wirklichkeit mehr als deutlich.

Was können Originalschauplätze nach 100 Jahren noch vermitteln?

Wenn man weiß, was geschehen ist, schließt man vor Ort kurz die Augen und stellt sich all die jungen Leute vor, die auf beiden Seiten in den Kampf getrieben wurden. Eine ganze Generation ist da geopfert worden. Wir waren auch an dem Ort, an dem erstmals Giftgas eingesetzt wurde. Wir hatten in Flandern das Gefühl, dass die jungen Menschen damals gar nicht wussten, was ein technisierter, fabrikmäßiger Krieg bedeuten würde.

Für phoenix reisen Sie außer nach Ypern auch nach Sarajevo und zum Hartmannsweilerkopf. Was ist das Besondere an dem 20-stündigen Thementag zum Ersten Weltkrieg?

Kein anderer deutscher Fernsehsender gestaltet einen solchen großen Thementag, wie phoenix. Das ist wirklich einzigartig. Mit Dokumentationen und Diskussionen zu unterschiedlichen Aspekten wollen wir das ganze Bild vermitteln. Ich weiß von manchen phoenix-Zuschauern, dass einige es sogar lieben, den ganzen Tag zuzuschauen. Respekt! Das bestätigen mir auch Zuschriften, die ich nach jeder Ausstrahlung meiner Reihe "100 Jahre – Der Countdown" erhalte.

Was erwartet die Zuschauer bei der Zeitreise mit Ihnen?

Sie bekommen ein umfassendes Bild. In Sarajevo sind wir an dem Ort des Attentats auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand. Dort spreche ich mit dem Freiburger Historiker Jörn Leonhard unter anderem darüber, ob ein Waffengang zwangsläufig war. Dann sind wir am Hartmannsweilerkopf im Elsass, einem der umkämpftesten Frontabschnitte. Dort vermitteln wir das Leben und Kämpfen der Soldaten in den Schützengräben, der Erfahrung einer ganzen Generation. In ein paar Wochen treffen sich dort Bundespräsident Joachim Gauck und der französische Präsident François Hollande. Die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg ist in Europa sehr unterschiedlich. In Deutschland gilt er als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, die Franzosen wiederum sprechen vom Grande Guerre, die Engländer vom Great War. Dort schwingt jeweils Nationalstolz über den Sieg mit. Wenn es uns gelingt, zumindest in Ansätzen ein gemeinsames europäisches Gedächtnis zu initiieren, ist viel gewonnen.

Außerdem drehen Sie in Berlin.

Dort geht es um die Folgen des Ersten Weltkriegs, die das 20. Jahrhundert geprägt haben. Von 1918 bis 1939 gab es keinen echten Frieden, sondern nur eine Zwischenkriegszeit, die in Deutschland von dem Wunsch nach Revision geprägt war. Der Erste Weltkrieg war das "Schlangenei" des Zweiten.

Worin liegt die Bedeutung des Ersten Weltkriegs?

Der Erste Weltkrieg war der Beginn eines drei Jahrzehnte währenden Weltbürgerkriegs. Dessen unmittelbare Folge wiederum war der Kalte Krieg. In ihm standen sich die USA und die Sowjetunion, Sieger des Weltbürgerkrieges, vier Jahrzehnte feindlich gegenüber. Deutschland, an der Nahtstelle der Blöcke, wäre in einem Atomkrieg als erstes betroffen gewesen. Dass uns das erspart geblieben ist, ist Glück und Gnade der Geschichte. Heute sind wir eingebettet in Europa und umzingelt von Verbündeten. Allen Krisen zum Trotz ist das 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs eine Situation, für die wir dankbar sein sollten.

Gibt es Folgen, die bis heute nachwirken?

Es gibt Menschen, die Angst haben, dass wir zurzeit wieder eine ähnliche Situation erleben wie damals, und die Krim mit Serbien oder Bosnien vergleichen. Das ist Unsinn. Bedingt durch die Erinnerung an die Zeit der Weltkriege wissen auch die Mächtigen, was ein großer Krieg bedeuten würde. Russlands Präsident Wladimir Putin ist kein Hitler, sondern ein vorsichtiger russischer Bär, der das nimmt, was er ohne große Gegenwehr bekommen kann. Der Osten der Ukraine ist die rote Linie, die er nicht überschreiten darf. Und dennoch müssen wir, gerade wir Deutsche, dafür sorgen, dass im Osten unseres Kontinents kein neuer Eiserner Vorhang entsteht.

Mit Guido Knopp sprach Daniela Greulich, phoenix-Presse und Information

Autor: Pressemitteilung