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Der französische Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau 1965

Der französische Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau 1965 vor einem Tauchgang / Foto: © dpa - Fotoreport

TV-Doku über den Pionier der Meeresforschung

''Abenteuer Erde - Jacques Cousteaus Vermächtnis'' im WDR

Das hagere Gesicht mit der Raubvogelnase wettergegerbt, eine rote Matrosenmütze auf dem Kopf – so erinnert sich eine ganze Generation an Jacques-Yves Cousteau. Mit seiner Serie "Geheimnisse des Meeres" entführte der Franzose die Fernsehzuschauer ab Ende der 1960er-Jahre in die faszinierende Unterwasserwelt. Unvergessen die regelmäßig wiederkehrende Szene, wie er sich im Taucheranzug rücklings von seinem Forschungsschiff „Calypso“ ins Wasser fallen lässt.

Als Cousteau 1997 im Alter von 87 Jahren starb, ging er als legendärer Unterwasserfilmer, Ikone der Meeresforschung und engagierter Naturschützer in die Geschichte ein. "Seine Pionierleistungen sind enorm", sagt der Dokumentarfilmer Ulf Marquardt, der zwei Jahre lang den Spuren Jacques Cousteaus folgte.

Tatsächlich hat der Franzose das Tauchen revolutioniert: Gemeinsam mit seinem Ingenieurkollegen Émile Gagnan entwickelte der Marineoffizier 1943 das erste funktionstüchtige Presslufttauchgerät der Welt, die sogenannte Aqualunge. Hatten Taucher bis dahin in bleibeschwerten Anzügen ziemlich unbeholfen und nur für kurze Zeit über den Meeresboden stapfen können, erlaubte die Konstruktion der Pressluftflaschen mit dem Atemregler endlich die freie Bewegung unter Wasser – und das bis zu zwei Stunden lang. Der Tüftler Cousteau entwickelte außerdem wasserdichte Kameragehäuse, die erstmals Filmaufnahmen unter Wasser möglich machten.

Forschen im Dienst der Industrie

Mit der von der irischen Brauerei Guinness gesponserten "Calypso", einem vom Minensuchboot zum schwimmenden Laboratorium umgebauten Forschungsschiff, begann Cousteau 1951 die Erkundung und Erforschung der Weltmeere. Dabei zielten seine ersten Expeditionen vor allem auf die Ausbeutung der marinen Ressourcen ab. So erhielt Cousteau Anfang der 1950er-Jahre von der Ölfirma British Petroleum den Auftrag, im Roten Meer Gesteinsproben zu sammeln und die Gegend geologisch zu vermessen. Fast 40 Jahre später sagte der Franzose in einem Interview: "Wir waren diejenigen, die Öl im Golf entdeckt haben. Wir haben das Emirat Abu Dhabi reich gemacht!"

Sein Film "Die schweigende Welt" entstand quasi als Nebenprodukt dieser Ölmission – und begründete Cousteaus Ruhm als Unterwasserfilmer. Erstmals erhielten die Kinozuschauer spektakuläre Einblicke in einen bis dahin nie gesehenen Kosmos: bunte Fischschwärme, leuchtende Korallen, skurrile Meerestiere aller Art. Als erster Dokumentarfilm der Welt erhielt das Werk 1956 die Goldene Palme, ein Jahr später einen Oscar.

Auch seine zukunftsweisenden Unterwasserlaboratorien plante und konstruierte Jacques Cousteau im Auftrag der Ölindustrie. In seinem ebenfalls Oscar-prämierten Film "Welt ohne Sonne" von 1964 dokumentierte er den Alltag auf diesen Meeresstationen, in denen die von ihm ausgebildeten "Aquanauten" mehrere Wochen lang lebten und arbeiteten.

Fasziniert von der Schönheit der Ozeane und angetrieben von einem unermüdlichen Forschergeist, zeigten "Le Commandant" und seine Crew anfangs jedoch wenig Gespür für den Natur- und Tierschutz. Filmemacher Marquardt formuliert es drastischer: "Die haben sich damals auf den Meeren benommen wie die sprichwörtliche Axt im Wald."

So wird man beispielsweise in "Die schweigende Welt" Zeuge, wie Cousteau ein Korallenriff sprengen lässt, um anhand der toten Fische die Artenvielfalt zu bestimmen. Ein andermal nähert sich die "Calypso" einem Walkalb so unvorsichtig, dass es in die Schiffsschraube gerät und getötet werden muss. Die Haie, die sich daraufhin einstellen, werden von der Mannschaft wie im Rausch als "Todfeinde der Taucher" abgeschlachtet. Bekannt ist auch, dass der selbst ernannte Meeresforscher für manchen dramatischen Effekt nicht zimperlich mit Tieren umging.

Doch bereits in den 1960er-Jahren änderte sich seine Einstellung. "Cousteau hat ja die ganze Welt bereist und überall die zunehmende Zerstörung des Lebensraums erkannt", so erklärt sich Filmer Marquardt den Sinneswandel. Cousteau selbst formulierte es folgendermaßen: "Ich habe gesehen, wie die Fische sterben, die ich liebe, ich habe nach dem Grund gesucht. Der Mensch ist schuldig."

In den folgenden Jahren wandelte sich der Tauchpionier und Abenteurer immer mehr zum engagierten Kämpfer gegen Umweltverschmutzung und Überfischung. 1973 gründete er mit seinem Sohn Philippe die Cousteau Society zur Erforschung und zum Schutz der Meere. Sein unermüdlicher Einsatz machte ihn zu einer angesehenen und einflussreichen Persönlichkeit: Er beriet die Uno und die Unesco, nahm 1992 am Umweltgipfel in Rio de Janeiro teil.

Manche Kritiker zweifelten an der Aufrichtigkeit seines Engagements, warfen dem umtriebigen Selbstdarsteller Geschäftemacherei vor. Doch Cousteau glaubte an eine zukünftige Rückkehr des Menschen in die Ozeane und träumte vom "Homo aquaticus", einem an das Leben unter Wasser angepassten Menschen. Der Erhalt des Ökosystems Meer war ihm allein deshalb eine Herzensangelegenheit.

Inspiration mit Folgen

"Schützen wir das Meer, schützt es uns, missbrauchen wir es, zahlt es uns den Missbrauch heim", lautet die Botschaft in Cousteaus letztem Buch "Der Mensch, die Orchidee und der Oktopus". Seine über 100 Filme und mehr als 50 Bücher zeigen und beschreiben eine Unterwasserwelt, die in dieser Form heute nicht mehr existiert.

Dennoch hat Cousteaus Botschaft Millionen Menschen erreicht und beeinflusst. "Seine große Lebensleistung besteht darin, derart viele Menschen inspiriert zu haben", sagt Ulf Marquardt. "Er hat der Forschung und dem Naturschutz wichtige Impulse gegeben." Impulse, die nicht nur bei einer ganzen Generation von Meeresbiologen nachwirken, sondern auch zur Erhaltung manches Tierparadieses führten.

So entdeckte der Filmemacher, dass es heute im Crystal River Park in Florida so viele Seekühe gibt wie niemals zuvor – ein Vermächtnis von Cousteau. Dessen Film "Die vergessenen Meerjungfrauen" gab Anfang der 1970er-Jahre den Anstoß zur Erforschung und zum Schutz der ebenso majestätischen wie friedlichen Tiere. Vor Ort fand Marquardt noch Teile eines hölzernen Pferchs, den Cousteau damals für eine gefangene Seekuh gebaut hatte. Dass die Tiere sich heute genüsslich an den Überresten schubbern, hätte dem Naturschützer sicher gut gefallen.


Sendehinweis: ''Abenteuer Erde - Jacques Cousteaus Vermächtnis''

Ein Dokumentarfilm von Ulf Marquardt
DI 11.9. WDR, 20.15 Uhr

Autor: Judith Heisig