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Hermann Hesse in der Casa Camuzzi (1929).

Hermann Hesse - Jugendautor, Schwärmer und Agent geistiger Erweckung. Er verstarb am 9. August 1962 in Montagnola. - Foto © picture alliance / akg-images

Im TV: Die Heimkehr, 02.05., 20:15 Uhr, Das Erste

50. Todestag von Hermann Hesse

Der Mann mit den asketischen Zügen lässt im Leben wirklich nichts aus: Als Jugendlicher flieht er aus der Klosterschule und wird für "partiell verrückt" erklärt, als Ehemann verlässt er Frau und drei Söhne, um in der Künstlerkolonie auf dem Monte Verità bei Ascona das einfache Leben zu probieren. 1911 fährt er für Monate mit einem Freund nach Indien, vorübergehend lebt er in einer Höhle, in späteren Jahren wird er auf Festen exzessiv tanzen und Drogen nehmen. Gleichzeitig aber ist der Freigeist auch Moralist: "Oh Freunde, nicht diese Töne!", schreibt er zu Beginn des Ersten Weltkriegs in der "Neuen Zürcher Zeitung" und mahnt zur Mäßigung.


Udo Lindenberg beschreibt hier, was ihm Hermann Hesse bedeutet


Hermann Hesses berühmtes Gedicht "Stufen"

Im Zweiten Weltkrieg setzt der Wahlschweizer ein Signal gegen den faschistischen Rassenwahn, als er für ein schwedisches Blatt jüdische Autoren wie Stefan Zweig rezensiert. Hermann Hesse sprengt die Fesseln eines frömmelnden Elternhauses, schert sich nicht um Moralvorstellungen seiner Zeit, geht kompromisslos seinen Weg. Stillstand ist ihm ein Graus, sein berühmtes Gedicht "Stufen" beschwört den Zauber des Neuanfangs.

1946 wird der Nonkonformist aus Schwaben mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet, nachdem er von seinem Freund Thomas Mann immer wieder vorgeschlagen worden war. "Thomas Mann und Hermann Hesse stehen bis heute für ein Deutschland, das von den Nazis nicht korrumpierbar war", erklärt der Lektor und Hesse-Kenner Herbert Schnierle-Lutz.


Das Erste zeigt "Die Heimkehr" zum 50. Todestag von Hermann Hesse

Zu Hesses 50. Todestag zeigt die ARD jetzt die Verfilmung einer frühen Novelle: "Die Heimkehr"

Die Sehnsucht nach Heimat und das Bedürfnis nach Aufbruch Diese Gegensätze prägen Hesses Werk, sie finden sich auch bereits in seinem frühen "Gerbersau"-Erzählzyklus. Gerbersau ist ein Synonym für seine Geburtsstadt Calw. Seine Novelle "Die Heimkehr", jetzt erstmals von der ARD verfilmt, schrieb Hesse im Jahr 1909.
Der Inhalt: Der im Ausland zu Wohlstand gekommene August Staudenmeyer (August Zirner) kehrt nach Gerbersau zurück. Aber die Heimatgefühle schwinden schnell angesichts der geistigen Enge, die er dort erlebt. Immerhin kann er einer im Ort geächteten Witwe (Heike Makatsch) beistehen. Als deren Haus einem Brandanschlag zum Opfer fällt, verlassen die beiden gemeinsam die Stadt. Regisseur Jo Baier und seine Hauptdarsteller Zirner und Makatsch hauchen der Moritat Leben ein. Die hochkomplexe Gedankenwelt des Autors allerdings lässt sich in diesem betulich in Szene gesetzten Frühwerk kaum erahnen.

August Staudenmeyer (August Zirner) interessiert sich für die schöne Witwe Katharina Entriß (Heike Makatsch). - Foto © SWR / Markus Fenchel


Als Hermann Hesse 1877 in Calw zur Welt kommt, scheint sein Lebensweg festgelegt: Der Vater arbeitet als Lehrer an der Missionsschule, der Sohn soll ihm folgen und wird in die Klosterschule Maulbronn geschickt. Aber der sensible Junge hält die Enge nicht aus. Er flüchtet, wird aufgegriffen und in die Nervenheilanstalt gebracht. Mit 18 beginnt er eine Buchhändlerlehre in Tübingen, wechselt nach Basel, lernt Antiquar. 1901 der nächste Aufbruch: Italien. Zwei Jahre später erneut Italien, zusammen mit Maria Bernoulli, seiner späteren Frau. Das Flair des Südens tut ihm gut.

1904 veröffentlicht Hesse den Entwicklungsroman "Peter Camenzind". Aber erst 15 Jahre später, nach dem Tod des Vaters und dem Beginn einer Psychoanalyse, folgt sein schriftstellerischer Höhenflug: 1919 erscheint "Demian", 1922 "Siddhartha". 1927 folgt "Der Steppenwolf", 1930 "Narziss und Goldmund". 1943 schließlich sein Alterswerk "Das Glasperlenspiel". "Es sind immer dieselben Themen, die er in verschiedene Schläuche abfüllt", so Lektor Schnierle-Lutz. Hermann Hesse fahndet nach dem gemeinsamen Nenner innerhalb der Weltreligionen, ihn interessiert die Versöhnung eines ausufernden und eines ruhigen Lebensstils, stets ist er auf der Suche nach Lebenssinn.

Hermann Hesse stirbt am 9. August 1962 in Montagnola

Privat erlebt der Autor mehrfaches Scheitern: Seine Ehefrau Maria wird gemütskrank, er trennt sich, die Söhne werden bei Freunden untergebracht. Immer wieder leidet er selbst unter Depressionen, nur das Aquarellieren in freier Natur verschafft ihm Linderung. 1924 heiratet er die junge Ruth Wenger, drei Jahre später sind sie wieder geschieden. 1931 zieht Hesse in die Casa Rossa in Montagnola, heiratet wieder. Ihm ist, als ließe er sich ein drittes Mal "einen Ring durch die Nase ziehen". Ninon Hesse versucht, dem unruhigen Geist durch Rituale Ruhe zu geben. Abend für Abend liest sie ihm zwei Stunden lang vor. Nur alle sechs Wochen darf sie sein Arbeitszimmer zum Putzen betreten. Montagnola bleibt die letzte Station. Am 9. August 1962 erliegt Hesse dort 85-jährig einem Gehirnschlag.

Bis heute gilt er als Impulsgeber: Die Wandervögel der Zwanzigerjahre haben "Peter Camenzind" im Gepäck, die Hippiebewegung beruft sich auf den freiheitshungrigen "Steppenwolf", Sinnsucher finden sich noch heute in "Siddhartha" wieder, dem Märchen vom Brahmanensohn.

Auch die beiden Schauspielstars aus "Die Heimkehr" haben Hesses Lebensthema Heimat für sich neu definiert. Heike Makatsch, die lange in London lebte: „Ich glaube, dass man Heimat auch in einem anderen Menschen finden kann.“ August Zirner, aufgewachsen im amerikanischen Mittelwesten, empfindet es ähnlich: "Heimat ist da, wo ein gutes Gespräch stattfindet, wo nach und nach so etwas wie Wärme entsteht."

Autor: Angela Meyer-Barg