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Wut-TV

Die Zuschauer ärgern sich immer häufiger über das Fernsehen – aus gutem Grund.
Foto: © picture alliance / blickwinkel/McPHOTOs

Wiederholungen, Programmänderungen, Lügenformate

3 Dinge, die uns am Fernsehen nerven

Zu viele Wiederholungen, Programmänderungen und Lügenformate: Warum sich die Zuschauer von den TV-Sendern verschaukelt fühlen.

Ein gemütlicher Fernsehabend auf dem Sofa – darauf hat sich HÖRZU-Leserin Gaby Heimann de Nunez schon den ganzen Tag gefreut. Am 24. August 2014 schaltet sie um 20.15 Uhr RTL ein, um "Kampf der Titanen" zu sehen. Doch anstelle des angekündigten Fantasyfilms läuft auf dem Kölner Privatkanal die US-Komödie "American Pie" – eine Uraltwiederholung. Heimann de Nunez ist enttäuscht. Sie wechselt zu ProSieben, wo das Filmhighlight "Magic Mike" versprochen wurde. Doch dort läuft nun die Comicverfilmung "Captain America". Jetzt hat die Zuschauerin die Nase voll: Ihr schöner Fernsehabend ist für sie gelaufen.

Gaby Heimann de Nunez ist kein Einzelfall: Woche für Woche erreicht HÖRZU ein Berg von Leserbriefen, geschrieben von Zuschauern, die sich genauso sehr über das Fernsehen ärgern. HÖRZU hat die Flut der Zuschriften analysiert und dabei drei Hauptärgernisse gefunden.

Ärger 1: Programmänderungen

Immer wieder wird der Sendeplan umgeschmissen, meist kurzfristig. Fast bis zur letzten Minute vor der Ausstrahlung tobt mittlerweile der Kampf um die Quote. Und der läuft so: Sobald ein Kanal veröffentlicht, welchen Spielfilm er etwa an einem Samstag um 20.15 Uhr zeigen will, reagiert ein Konkurrent mit Programmänderung – weitere Sender folgen. Hat diese erste Welle des sogenannten Konkurrenz-Scans die TV-Zeitschriften mit Änderungsmeldungen überflutet, folgt bald die zweite, die dritte, die vierte. Auch lange nach Druckschluss der TV-Magazine "optimieren" einige Sender weiterhin ihr Programm.

RTL-Sprecher Christian Körner streitet dieses Vorgehen nicht ab: "Wir ändern auch mal, wenn wir einer neuen Serie einen guten Start ermöglichen wollen und die Wettbewerber starke Formate derselben Programmfarbe dagegensetzen." Zu den Sendern, die am häufigsten alles umschmeißen, gehören RTL, RTL 2, Sat.1, Kabel 1, Vox und ProSieben.

Ärger 2: Wiederholungen

Erstausstrahlungen gibt es in frei empfangbaren Sendern immer seltener, Wiederholungen sind an der Tagesordnung. Bestes Beispiel: "Dirty Dancing". Zwar lief der Tanzfilm gefühlt schon tausendmal, doch erst im September musste er wieder als Lückenbüßer herhalten, als RTL kurzfristig die Castingshow "Rising Star" aus dem Programm nahm. Auch Das Erste verärgert im Sommer Millionen "Tatort"-Fans am Sonntagabend mit Wiederholungen. Dennoch bietet die ARD derzeit die meisten Erstausstrahlungen: Laut Analyse des Medienmagazins "dwdl.de" landete der Sender im August 2014 in dieser Disziplin auf Platz eins. Das Schlusslicht unter den acht großen Free-TV-Kanälen war RTL 2. Nach einem aktuellen Bericht der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) ist dennoch jede dritte Sendung bei ARD und ZDF "gut abgehangen": Nur rund 65 Prozent sind Erstsendungen – bei den Dritten sogar lediglich ein Drittel.

Ärger 3: Lügenformate

Die Rede ist hier von Sendungen, die so tun, als würden sie das wahre Leben abbilden, in Wirklichkeit aber mit Laiendarstellern Drehbücher voller gefälschter Krawalldialoge nachspielen. Sie sind die derzeit übelste Mogelpackung im TV. Der Fachbegriff dafür: Scripted Reality. Beispiele: "Familien im Brennpunkt" (RTL), "Das Strafgericht" (RTL), "Betrugsfälle" (RTL), "Mitten im Leben!" (RTL), "Privatdetektive im Einsatz" (RTL 2) und "Schneller als die Polizei erlaubt" (Vox). Nur im Abspann wird neuerdings dezent darauf hingewiesen, dass alles frei erfunden ist, denn seit Ende September gibt es für diese Formate eine verbindliche Kennzeichnungspflicht. Den unauffälligen Hinweis registriert jedoch kaum ein Zuschauer.

Für ihre Mogeleien erhalten die Fernsehsender nun aber immer öfter die Quittung: Als kürzlich aufflog, dass die Kandidaten der Castingshow "Rising Star" ihre Songs nicht selbst auswählen durften, machten die Zuschauer ihrem Ärger per Fernbedienung Luft. Sie schalteten ab, die Show wurde vorzeitig abgesetzt.

Autor: Mike Powelz