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Dienstag / 04:05 / ZDFneo
Terra X: Imperium - Der letzte Kampf der Ritter
Dokureihe D 2011 45 Min. Staffel 5, Folge 15
Beschreibung

Anfang des 8. Jahrhunderts sehen sich die Menschen des Abendlandes von einer schrecklichen Gefahr bedroht: Reiterheere aus dem Morgenland überrennen ganz Spanien und die Pyrenäen. Es ist kein gewöhnlicher Feldzug, der die Verteidiger Westeuropas auf breiter Front in furchtbare Bedrängnis bringt. Es ist ein "Dschihad", ein "Heiliger Feldzug" moslemischer Araber, die als hochmotivierte Glaubenskämpfer den Islam mit dem Schwert in die Welt tragen. Den flinken Blitzangriffen dieser berittenen Bogenschützen aus dem Süden sind die langsamen Fußtruppen des Frankenreichs in keiner Weise gewachsen. Die fränkischen Herrscher begreifen schnell den Ernst der Lage - und reagieren auf die lebensgefährliche Herausforderung mit einer genialen Erfindung: mit der Entwicklung einer ganz neuen Waffengattung, den "Fränkischen Panzerreitern". Deren Rüstung schützt wirkungsvoll gegen die tödlichen Pfeile der Angreifer, und auf ihren Pferden entdecken auch die Franken alle Möglichkeiten blitzschneller Kriegsführung. Der militärische Geniestreich markiert die Geburtsstunde einer neuen Elite, durch die Europas Kultur über Jahrhunderte hinweg nachhaltig geprägt wurde, und deren legendärer "Way of Life" tatsächlich noch bis in unsere Tage ausstrahlt. Doch bevor die berittenen Kämpfer im 11. Jahrhundert zu Vorbildern vieler nachfolgender Generationen werden sollten, entpuppten sich die neuen Soldaten in Friedenszeiten erst einmal als Gefahr für das eigene Land: Brutal, hochindividuell, einzelkämpferisch sind diese frühen "Reiter" - und zumeist durch Treueschwur an lokale Lehnsherrn gebunden, die sich in ihrer Machtgier und Streitlust kaum von der schwächelnden Zentralmacht des Kaisers einschränken lassen. Sobald die außenpolitische Gefahr gemeistert ist, werden die frühen Ritter zur marodierenden Bedrohung für die eigene Bevölkerung und zum Auslöser manch blutiger Fehde unter Dutzenden von konkurrierenden Adelsgeschlechtern. Zeitgenössische Berichte beklagen die völlige Verwilderung der fränkischen Haudegen im 10. Jahrhundert: "Non militia, sed malitia" - "Nicht Soldaten sind sie, sondern eine Seuche". In dieser Situation geschieht das geradezu Unfassbare: Aus brutalen Kriegern werden plötzlich edelmütige Kulturträger und selbstlose Streiter für Gerechtigkeit und Glauben. Diese überraschende Wendung ist vor allem auf den massiven Einfluss der christlichen Mönche und anderer Kleriker zurückzuführen, besonders aber auch auf den Kreuzzugsaufruf von Papst Urban II., der den hochgerüsteten Kämpfern im Jahr 1095 ein gemeinsames Ziel vorgibt und ihre schwärmerische Einsatzfreude kirchenpolitisch kanalisiert. Aus dem Kampf gegen die Ungläubigen und die Befreiung des christlichen Jerusalem entsteht eine einzigartige Ritter-Kultur, in der wilde Kampfbereitschaft, christlicher Glaube und edle Verhaltensnormen eine faszinierende Verbindung eingehen. Kämpferischer Mut, Tapferkeit und aufopfernde Treue zählen da ebenso viel wie Weltgewandtheit, Bildung, Sinn für Poesie und Musik - und nicht zuletzt die keusche, aber umso hingebungsvollere Frauenverehrung, die sogenannte "Hohe Minne". Als kosmopolitische Kreuzfahrer entwickeln die einstigen Retter des christlichen Abendlands in der Begegnung mit der orientalischen Kultur einen ganz neuen Lebensstil, einen ganz besonderen "ritterlichen Kodex". Sie verpflichten sich zum karitativen Dienst an den Armen und Schwachen, pflegen ausgiebig Dichtkunst und Liebeslyrik, predigen Großmut und Großzügigkeit, und organisieren sich bald in Kleinstaaten, die sie nach mönchischem Vorbild "Orden" nennen. In Jerusalem und Akkon, auf Malta und Rhodos, aber auch im hohen Nordosten Europas entstehen regelrechte Ritter-Reiche. Von hier aus erfährt das Abendland über fast zwei Jahrhunderte eine tiefgreifende, bis in die Gegenwart nachschwingende Prägung. Wie aber konnte es geschehen, dass diese militärisch machtvolle Kultur-Elite plötzlich im 15. Jahrhundert so dramatisch an Bedeutung verlor?