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Dienstag / 04:20 / SRF 1
Reporter Spezial - Mona Vetsch fragt nach
Einmal Täter, immer Täter?
Reportagereihe CH 2022 85 Min.
Beschreibung

Einmal Täter, immer Täter? - Giorgio kam als 3-Jähriger ins Kinderheim - der Anfang einer Odyssee durch verschiedene Institutionen und Pflegefamilien. Er war schon früh verhaltensauffällig und tat sich schwer damit, Regeln einzuhalten. Als Jugendlicher beging er Bagatelldelikte. Als Volljähriger wurde er zum Serieneinbrecher und verbrachte insgesamt fast zehn Jahre im Gefängnis. Heute ist er dreissig Jahre alt und seit einem halben Jahr auf freiem Fuss. Arbeit hat er noch nicht gefunden. Er hofft auf eine Musik-Karriere. Giorgio möchte unter dem Künstlernamen "Scorp808" Hip-Hop-Star werden. Und wie gross ist die Chance, dass er wieder kriminell wird? "Gering", antwortet er auf Mona Vetschs Frage. "Ich bin älter geworden und kann mir nicht vorstellen, wieder einbrechen zu gehen. Ich habe so viel Zeit verschwendet im Gefängnis. Das will ich nicht mehr." Hansueli Gürber kennt solche Fälle. Gürber wurde zum wohl bekanntesten Jugendanwalt der Schweiz, weil er den sogenannten "Fall Carlos" betreute. Dass er diesen Fall 2013 in einem "Reporter"-Film publik machte, bereut er heute. Er habe die Brisanz eindeutig unterschätzt. "Der grösste Teil der Arbeit eines Jugendanwaltes sind Bagatell-Sachen", erzählt der inzwischen pensionierte Gürber Mona Vetsch. "Töffli-Geschichten oder ein einmaliger Ladendiebstahl." Aber es gibt auch schwerere Fälle: zum Beispiel jugendliche Gewalttäter. "Da muss man sicher mit Sanktionen arbeiten", sagt Gürber, "aber man muss das Gewaltproblem auch mit dem Jugendlichen diskutieren. Das Strafen allein nützt nichts." Vielmehr gehe es in der Regel darum, den Jugendlichen eine Perspektive zu vermitteln. "Das ist für mich auch der zentrale Grund von Jugenddelinquenz: Es hat viele Jugendliche, die sich als grosse Verlierer sehen." Wer die Kurve nicht bekommt, der landet irgendwann in einem Gefängnis wie der JVA Thorberg. Hans-Rudolf Schwarz, der Direktor des Thorberg, antwortet auf die Frage, wieso Menschen kriminell werden: "Das ist so verschieden wie die Lebenswege. Gewisse sind durch alle sozialen Maschen gefallen. Die haben das Elternhaus verlassen, die Schule und die Lehre abgebrochen. Und dann sind sie in Kontakt mit Drogen gekommen." Andere seien Persönlichkeiten, die meinten, sie könnten 100'000 pro Monat verdienen. Weiter gebe es Illegale, die kein Einkommen hätten und darum kriminell würden. Und schliesslich auch Menschen mit psychischen Krankheiten.